LAA – Locally Administered Address
Abkürzung: LAA
Eine LAA ist eine MAC-Adresse, die nicht aus einem vom IEEE vergebenen Block stammt, sondern lokal vergeben wird — von einem Betreiber, von einer Virtualisierungsschicht oder vom Gerät selbst. Sie steht in keinem Register, und für ihre Eindeutigkeit ist niemand außer dem Vergeber verantwortlich.
Erkennung von LAA
Maßgeblich ist das U/L-Bit im ersten Byte, das zweitniederwertigste Bit mit dem Wert 0x02. Bei einer LAA ist es 1.
Für die Praxis genügt die zweite Hexziffer. Handelt es sich um eine Einzeladresse, ist sie bei einer LAA 2, 6, A oder E:
00:1A:2B:3C:4D:5E UAA, im Register nachschlagbar 02:1A:2B:3C:4D:5E LAA
Ein Nachschlagen liefert hier kein Ergebnis. Das ist kein Fehler des Werkzeugs, sondern die Eigenschaft der Adresse.
Wo LAA vorkommen
Zufällige Adressen. Der mit Abstand häufigste Fall. Mobiltelefone, Tablets und aktuelle Rechner erzeugen für jedes Funknetz eine eigene zufällige Adresse, damit sie beim Betreten mehrerer Netze nicht als dasselbe Gerät erkennbar sind. Diese Adressen sind LAA. Wer heute in der Geräteliste eines Routers einen Eintrag ohne Herstellerangabe findet, sieht fast immer diesen Fall — nicht ein fremdes Gerät.
Virtuelle Schnittstellen. Virtuelle Maschinen und Container brauchen Adressen, für die niemand einen IEEE-Block beantragt hat. Die Virtualisierungsschicht vergibt sie aus einem festgelegten LAA-Bereich, teils zufällig, teils aus der Kennung der Instanz abgeleitet.
Adressen, die eine Rolle bezeichnen. Hängt eine Gegenstelle an einer bestimmten MAC-Adresse, lässt sich diese Bindung lösen, indem der Rolle eine eigene LAA zugewiesen wird, die beim Ausfall auf das Ersatzgerät wandert. Derselbe Weg hilft beim Gerätetausch, wenn ein Anschluss auf die Adresse des Vorgängers festgelegt ist.
Trennung von Dubletten. Treten im Netz zwei Geräte mit derselben werkseitigen Adresse auf, ist eine LAA für eines von beiden die einzige Lösung.
Der Adressplan nach IEEE 802c
Weil der LAA-Bereich von allen gleichzeitig genutzt wird, hat das IEEE mit 802c einen Strukturplan nachgelegt, den SLAP (Structured Local Address Plan). Er teilt den Bereich in vier Quadranten, unterschieden durch zwei weitere Bits im ersten Byte — in der Hexschreibweise erkennbar an derselben zweiten Ziffer, die die LAA ausweist:
| Zweite Ziffer | Quadrant | Vergabe durch |
|---|---|---|
| 2 | AAI (Administratively Assigned Identifier) | Betreiber, nach eigenem Ermessen |
| 6 | ELI (Extended Local Identifier) | abgeleitet aus einer beim IEEE eingetragenen CID |
| A | — | reserviert |
| E | SAI (Standard Assigned Identifier) | ein Protokoll nach IEEE-802-Norm |
Der Plan ist sinnvoll, aber weitgehend Papier: Zufallsadressen fallen in beliebige Quadranten, und die wenigsten Betreiber richten ihre Vergabe daran aus. Wer einen eigenen Adressplan aufsetzt, ist mit dem AAI-Quadranten — zweite Ziffer 2 — auf der normkonformen Seite und kollidiert nicht mit registrierten Kennungen.
Stolperstellen
Lokal vergeben heißt nicht zufällig erzeugt. Adressen aus einer CID tragen das U/L-Bit gesetzt und sind damit formal LAA, obwohl die Kennung beim IEEE eingetragen ist. Ein Werkzeug, das aus dem gesetzten U/L-Bit auf eine Zufallsadresse schließt, irrt bei diesen Adressen. Richtig ist die umgekehrte Reihenfolge: erst im Register suchen, und nur wenn dort nichts steht, von einer frei vergebenen Adresse ausgehen.
Für die Eindeutigkeit haftet der Vergeber. Es gibt keine Instanz, die Kollisionen verhindert. Naheliegende Muster wie 02:00:00:00:00:01 sind deshalb schlechte Wahl — sie werden überall gleichzeitig gewählt. Eine Vergabe sollte nach einem festen Schema erfolgen und dokumentiert werden, sonst kollidiert sie spätestens dann, wenn zwei Netzsegmente zusammengelegt werden.
Das I/G-Bit nicht mitsetzen. Die zweite Hexziffer einer frei vergebenen Adresse muss 2, 6, A oder E sein. Wird daraus 3, 7, B oder F, ist zusätzlich das I/G-Bit gesetzt — die Adresse gilt dann als Gruppenadresse und wird von keinem Gerät als eigene übernommen.
Manche Netze lassen LAA nicht zu. Netzzugangskontrolle, die Geräte anhand ihrer Herstellerkennung einordnet, kann eine LAA ablehnen oder in ein Gastnetz schieben. Auch Zugänge, die auf eine einzelne Adresse festgelegt sind, brechen beim Wechsel auf eine LAA weg — das ist der häufigste Grund, aus dem die Zufallsvergabe am Endgerät für ein bestimmtes Netz abgeschaltet wird.
Geänderte Adressen überdauern den Neustart nicht zwangsläufig. Wird eine LAA nur zur Laufzeit gesetzt, meldet sich die Schnittstelle nach dem Neustart wieder mit ihrer werkseitigen Adresse.
Abgrenzung
UAA ist das Gegenstück: die aus einem IEEE-Block abgeleitete, weltweit eindeutige Adresse. Die beiden Begriffe unterscheiden sich genau im U/L-Bit.
MAC-Adresse ist der Oberbegriff; LAA und UAA bezeichnen die Herkunft, nicht den Aufbau.
CID ist eine beim IEEE eingetragene Kennung, aus der ausdrücklich keine weltweit eindeutigen Adressen gebildet werden — ihre Adressen sind LAA.
MAC-Spoofing bezeichnet das Vortäuschen einer fremden Adresse. Technisch ist es derselbe Vorgang wie das Setzen einer LAA, unterscheidet sich aber im Zweck: Eine LAA soll eine eigene Adresse sein, eine vorgetäuschte Adresse soll eine fremde nachbilden.
Quellen
- IEEE Std 802c-2017: Local Medium Access Control (MAC) Address Usage
- IEEE Std 802: Overview and Architecture
- IEEE Registration Authority: Guidelines for Use of EUI, OUI and CID