löt-, schraub und abisolierfreie Anschlusstechnik

Abkürzung: LSA

LSA steht für löt-, schraub- und abisolierfrei und bezeichnet ein Verfahren, bei dem eine Ader in einen geschlitzten Kontakt gedrückt wird, der die Isolierung dabei selbst durchtrennt. Der Begriff war ursprünglich ein Markenname und ist im deutschen Sprachraum zur Gattungsbezeichnung geworden; fachlich handelt es sich um Schneidklemmtechnik.

Wie die Verbindung entsteht

Der Kontakt besteht aus einem Metallstück mit einem schmalen Schlitz, dessen Kanten scharf ausgeführt sind. Die Ader wird quer darüber gelegt und mit einem Werkzeug hineingedrückt.

Dabei passiert zweierlei gleichzeitig: Die Schneidkanten durchtrennen die Isolierung, und sie pressen sich in das blanke Kupfer. Der Druck ist hoch genug, dass die Metalloberflächen sich unter Ausschluss von Luft dauerhaft verbinden — eine kaltverschweißte, gasdichte Verbindung.

Gasdicht ist dabei die entscheidende Eigenschaft: Weil keine Luft an die Kontaktstelle kommt, kann dort nichts oxidieren. Eine solche Klemmstelle bleibt über Jahrzehnte stabil, ohne nachgezogen werden zu müssen — anders als eine Schraubverbindung, deren Anpressdruck mit der Zeit nachlässt.

Das Anlegewerkzeug

Das Eindrücken von Hand gelingt nicht zuverlässig, weil der nötige Druck hoch und der Weg genau einzuhalten ist. Das Anlegewerkzeug übernimmt beides: Es drückt die Ader bis zum Anschlag ein und schneidet den Überstand in derselben Bewegung ab.

Anlegewerkzeug für LSA+
LSA-Anlegewerkzeug

Daraus folgt der praktische Vorteil des Verfahrens. Es braucht kein Abisolieren, keine Vorbereitung der Ader und keine Nacharbeit; eine Klemmstelle ist in wenigen Sekunden fertig, und das Ergebnis hängt kaum vom Geschick des Monteurs ab. In Verteilern mit hunderten Anschlüssen ist das der Grund, aus dem sich die Technik durchgesetzt hat.

Klemmenarten

Die Kontakte sitzen auf Leisten, die sich in ihrer Funktion unterscheiden:

Anschlussklemme — verbindet zwei Adern dauerhaft.

Trennklemme — lässt sich mit einem Trennstecker auftrennen, um eine Leitung zu messen oder stillzulegen, ohne sie abzuklemmen.

Schaltklemme — trennt beim Einstecken eines Prüfsteckers selbsttätig und erlaubt das Messen in beide Richtungen.

Dazu kommen Leisten mit Überspannungsschutz, bei denen Ableiter in die Klemmstelle eingesetzt werden, und Erdungsschienen für Schirme.

Was die Verbindung unbrauchbar macht

Litze gehört nicht hinein. Das Verfahren ist für Massivleiter gedacht. Eine feindrähtige Ader wird von den Schneidkanten zerteilt statt gefasst; die Verbindung hält mechanisch nicht und ist elektrisch unzuverlässig. Wo Litze angeschlossen werden muss, braucht es eine Aderendhülse passender Bauform oder eine andere Klemmtechnik.

Der Leiterdurchmesser muss zum Klemmbereich passen. Üblich sind etwa 0,35 bis 0,8 Millimeter. Eine zu dünne Ader wird nicht ausreichend gefasst, eine zu dicke weitet den Schlitz dauerhaft — und beschlagt damit auch den Kontakt für jede spätere Belegung.

Mehrfaches Umklemmen schwächt die Kante. Jede Belegung verformt den Schlitz ein wenig. Nach mehreren Wechseln an derselben Stelle ist der Anpressdruck nicht mehr verlässlich; die Klemme sollte dann gewechselt oder eine andere Position genutzt werden.

Nicht vollständig eingedrückte Adern sind der Klassiker. Die Verbindung leitet zunächst, der Kontakt ist aber nicht gasdicht. Sie fällt erst Monate später aus, wenn die Kontaktstelle oxidiert ist — und dann als sporadischer Fehler, der sich schwer eingrenzen lässt.

Falsches Werkzeug hinterlässt schiefe Klemmstellen. Fremde oder abgenutzte Anlegewerkzeuge treffen den Kontakt nicht mittig und verbiegen ihn.

Abgrenzung

Die Schraubklemme erzeugt den Anpressdruck über ein Gewinde. Sie ist unabhängig von einem Spezialwerkzeug und nimmt auch Litze auf, lässt aber mit der Zeit nach und ist nicht gasdicht.

Die Federkraftklemme hält den Druck über eine Feder und braucht ebenfalls kein Werkzeug, setzt aber eine abisolierte Ader voraus.

Modulare Anschlussbuchsen der Datentechnik arbeiten mit derselben Schneidklemmtechnik — dort heißt sie meist nur anders. Wer eine Netzwerkdose auflegt, nutzt dasselbe Prinzip.

Der Verteiler ist der Ort, an dem die Leisten montiert sind.

Quellen

  • IEC 60352-3 und -4: Solderless connections — Insulation displacement connections
  • DIN VDE 0800: Fernmeldetechnik
  • ISO/IEC 11801: Generic cabling for customer premises

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