RFC 2295 – Transparent Content Negotiation in HTTP

StatusExperimental
VeröffentlichtMärz 1998
Volltextrfc-editor.org/rfc/rfc2295

RFC 2295 spezifiziert die transparente Inhaltsaushandlung als Erweiterung von HTTP. Sie erlaubt es, unter einer einzigen URI mehrere Versionen (Varianten) derselben Information bereitzustellen. Das Protokoll wählt automatisch die am besten geeignete Variante aus, wenn ein Client darauf zugreift. Ziel ist die reibungslose Einführung neuer Datenformate und Auszeichnungssprachen im Web, ohne dass Browser oder Server grundlegend geändert werden müssen.

Der Kernmechanismus beruht auf einem Satz neuer Statuscodes und Header. Der Server antwortet auf eine Anfrage entweder mit einer Listenantwort (Statuscode 300 oder 506), die alle verfügbaren Varianten auflistet, oder mit einer Auswahlantwort (Statuscode 200), die die beste Variante enthält. Der Client kann auf Basis seiner Fähigkeiten (Accept-Header, Feature-Präferenzen) die Auswahl treffen oder durch Nachverhandeln optimieren. Die Transparenz entsteht, weil der Server alle Varianten offenlegt, sodass Zwischeninstanzen wie Proxys die Aushandlung ebenfalls unterstützen können.

Historisch ist RFC 2295 ein experimenteller Standard von 1998, der das Modell der servergesteuerten Inhaltsaushandlung aus HTTP/1.1 erweitert. Die praktische Bedeutung blieb begrenzt: Die Komplexität und fehlende breite Implementierung führten dazu, dass sich stärker clientseitige Ansätze oder vereinfachte Mechanismen durchsetzten. Dennoch lieferte dieses RFC wichtige konzeptionelle Grundlagen für flexible Auswahlprozesse im Web, etwa den Umgang mit mehreren Repräsentationen einer Ressource.