RFC 3365 – Strong Security Requirements for Internet Engineering Task Force Standard Protocols

StatusBest Current Practice
VeröffentlichtAugust 2002
Volltextrfc-editor.org/rfc/rfc3365

RFC 3365 dokumentiert den IETF-Konsens, dass Standardprotokolle zwingend starke Sicherheitsmechanismen implementieren müssen. Der Kern dieser als "Danvers Doctrine" bekannten Position besagt, dass die IETF unabhängig von nationalen Richtlinien die bestverfügbare Sicherheit standardisieren soll. Protokolle, die ursprünglich für vermeintlich geschützte Umgebungen entwickelt wurden, finden häufig den Weg ins globale Internet, wo sie ohne eingebaute Sicherheitsvorkehrungen angreifbar werden. Daher müssen alle Protokolle von Beginn an mit robusten Sicherheitsfunktionen ausgestattet sein.

Die Spezifikation unterscheidet klar zwischen "MUST implement" und "MUST use". Sicherheitsfunktionen müssen implementiert sein, aber der Endnutzer oder Bereitsteller kann sie in abgeschotteten Netzwerken deaktivieren, um Performance-Einbußen zu vermeiden. Die wesentlichen Sicherheitsdienste umfassen Authentifizierung, Datenvertraulichkeit und Datenintegrität. Als etablierte Werkzeuge stehen IPsec, TLS, SASL und GSSAPI zur Verfügung, wobei Protokollentwickler die für ihre Anwendung passenden Mechanismen auswählen sollen.

Historisch markiert RFC 3365 einen Wendepunkt in der IETF-Philosophie: Weg von optionaler, exportkonformer Kryptographie hin zu starken Sicherheitsvorkehrungen als Standard. Angesichts zunehmender Angriffe wie DDoS, die oft durch kompromittierte Systeme ermöglicht werden, etabliert das Dokument Sicherheit als grundlegende Anforderung für alle Internetprotokolle. Es bleibt aktuell als Best Current Practice und prägt bis heute die Sicherheitsarchitektur von IETF-Standards.