SO-DIMM im Notebook einbauen
Arbeitsspeicher nachzurüsten ist einer der wenigen Eingriffe, die sich an einem Notebook ohne Spezialwerkzeug erledigen lassen. Die Handgriffe am SO-DIMM-Steckplatz haben sich seit Einführung der Bauform nicht geändert – wer sie einmal kennt, kommt mit jedem Gerät zurecht, das noch steckbaren Speicher hat.
Bevor Sie beginnen, lesen Sie bitte die allgemeinen Hinweise. Für viele Geräte gibt es Herstellerdokumentation; eine Sammlung finden Sie in der Liste der Service Manuals für Laptops und Notebooks.
Lässt sich das Gerät überhaupt aufrüsten?
Diese Frage steht heute am Anfang, denn sie ist nicht mehr selbstverständlich mit Ja zu beantworten:
- Steckbare SO-DIMMs. Ein oder zwei Steckplätze, Modul wechselbar. Der Normalfall bei Business-Notebooks, größeren Consumer-Geräten und mobilen Workstations.
- Verlöteter Speicher. Bei flachen Geräten sitzt LPDDR fest auf der Platine. Ein Wechsel ist ohne Reballing nicht möglich – die Kapazität beim Kauf ist endgültig.
- LPCAMM2. Der neue verschraubte Formfaktor. Wechselbar, aber mit anderem Vorgehen als hier beschrieben: Das Modul wird nicht gesteckt, sondern flach aufgelegt und verschraubt.
- Mischform. Manche Geräte kombinieren verlöteten Grundspeicher mit einem zusätzlichen SO-DIMM-Steckplatz.
Welche Variante vorliegt, steht im Handbuch oder im Service Manual. Fehlt beides, hilft ein Blick unter die Wartungsklappe.
Vorüberlegungen
Prüfen Sie, welche Modulgeneration das Gerät benötigt und welche Kapazität der Chipsatz maximal anspricht. Beides steht im Handbuch; die Generation lässt sich im Zweifel am ausgebauten Modul bestimmen – siehe Speicher-Bauformen.
Sind zwei Steckplätze vorhanden, setzen Sie möglichst zwei identische Module ein. Der Speichercontroller arbeitet dann im Dual-Channel-Betrieb, was die Speicherbandbreite deutlich erhöht. Unterschiedliche Module funktionieren in der Regel, laufen aber gemeinsam mit den Werten des langsameren Moduls, und der Dual-Channel-Betrieb greift nur für den überlappenden Kapazitätsbereich.
Auf Timing-Parameter müssen Sie in der Praxis kaum achten: Jedes Modul trägt seine Kenndaten im SPD-EEPROM, das BIOS liest sie aus und stellt die konservativste gemeinsame Einstellung ein. Relevant ist die Angabe auf dem Modulaufkleber vor allem beim Kauf – die PC-Kennung nennt die Generation, die Zahl dahinter die Datentransferrate.
Vorbereitung
- Gerät herunterfahren, Netzteil abziehen.
- Wechselakkus entnehmen. Bei fest verbautem Akku nach dem Öffnen zuerst den Akkustecker von der Hauptplatine trennen – sonst liegt beim Hantieren im Gerät weiterhin Spannung an.
- Antistatik-Armband anlegen und mit einem blanken Metallteil des Gehäuses verbinden. Speichermodule sind gegen elektrostatische Entladung empfindlich, und der Schaden zeigt sich oft erst später als sporadischer Fehler.
Ausbau
Öffnen Sie das Gerät. Viele Notebooks haben an der Unterseite eine kleine Wartungsklappe, hinter der die Speichersteckplätze sitzen. Bei kompakteren Modellen liegt der Speicher unter der Tastatur oder unter der kompletten Bodenplatte.

Zum Entnehmen eines Moduls drücken Sie die beiden Rastnasen links und rechts am Steckplatz nach außen. Das Modul springt dabei schräg nach oben und lässt sich dann herausziehen.

Einbau
Setzen Sie das neue Modul schräg in den Steckplatz. Die Kerbe in der Kontaktleiste muss über der Kodiernase liegen – passt sie nicht, haben Sie die falsche Generation oder das Modul verkehrt herum in der Hand. Wenden Sie keine Kraft auf. Die Kodierung ist die einzige Sicherung dagegen, ein Modul mit falscher Betriebsspannung einzusetzen, und die Versätze zwischen den Generationen betragen teils weniger als einen Millimeter.
Sitzt das Modul richtig, kippen Sie es nach unten, bis beide Rastnasen hörbar einrasten.

Kontrollieren Sie den Sitz: Die Kontaktleiste muss vollständig im Steckplatz verschwunden sein, und die Rastnasen müssen in den seitlichen Aussparungen des Moduls sitzen. Ein einseitig eingerastetes Modul ist die häufigste Ursache dafür, dass das Gerät anschließend nicht startet. Schließen Sie danach das Gerät wieder und stellen Sie die Stromversorgung her.
Kontrolle
Die erkannte Speichergröße steht im BIOS beziehungsweise UEFI-Setup. Im laufenden Betrieb:
- Windows: Task-Manager, Reiter Leistung. Zeigt neben der Gesamtgröße auch Taktrate und Anzahl der belegten Steckplätze.
- Linux:
free -hfür die Größe,sudo dmidecode -t memoryfür Bestückung, Taktrate und Hersteller je Steckplatz.
Weicht die angezeigte Größe ab, wird eines der Module nicht erkannt.
Mögliche Fehlerursachen
Startet das Gerät nicht oder meldet sich das BIOS mit Signaltönen, liegt fast immer ein Kontaktproblem vor. Nehmen Sie das Modul heraus und setzen Sie es erneut ein; achten Sie darauf, dass beide Rastnasen greifen.
Weitere Ursachen:
- Falsche Generation oder Bauform. Sollte die Kodierung verhindern, kommt aber bei Adaptern und bei Modulen aus unklarer Quelle vor.
- Kapazität über der Chipsatzgrenze. Ältere Geräte sprechen Module oberhalb einer bestimmten Größe nicht an oder erkennen nur einen Teil davon.
- Registered- oder ECC-Module in einem Gerät, das sie nicht unterstützt.
- Defektes Modul. Prüfen Sie es, wenn möglich, in einem zweiten Gerät, oder lassen Sie es beim Händler testen.
Bleibt der Fehler bestehen, bauen Sie den ursprünglichen Speicher wieder ein. Startet das Gerät dann, liegt es am neuen Modul und nicht am Einbau.