RJ45 – Registered Jack-45
Abkürzung: RJ45
Der Steckverbinder ist der meistverbaute der Netzwerktechnik und zugleich der am häufigsten falsch benannte. Fachlich ist er ein achtpoliger Modularstecker mit acht belegten Kontakten, kurz 8P8C; die Bezeichnung RJ45 stammt aus einem amerikanischen Verzeichnis genormter Telefonanschlüsse und meint dort etwas anderes. Durchgesetzt hat sich trotzdem RJ45, bis in Normtexte, Herstellerunterlagen und Ausschreibungen hinein.
Welche Ader auf welchen Kontakt gehört, legt dieser Artikel nicht fest — das regeln die beiden Belegungsschemata, siehe T568A und T568B. Hier geht es um den Steckverbinder selbst.
Pinnummerierung und Orientierung
Die acht Kontakte liegen in einer Reihe nebeneinander. Welcher davon Pin 1 ist, hängt davon ab, worauf man schaut:
Am Stecker zählt man mit Blick auf die Kontaktseite, die Rastnase auf der abgewandten Seite: Pin 1 liegt links, Pin 8 rechts.
An der Buchse von vorn betrachtet läuft die Nummerierung spiegelbildlich — Pin 1 liegt rechts.
Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit und ist die häufigste Ursache für vertauschte Enden beim Auflegen. Wer eine Dose beschriftet oder einen Stecker crimpt, sollte sich die Blickrichtung vorher klarmachen.
Die vier Paare liegen auf 1+2, 3+6, 4+5 und 7+8. Dass Pin 3 und Pin 6 nicht benachbart sind, sondern das Paar 4+5 umschließen, ist ein Erbe der Telefonverkabelung und der Grund für die meisten Verdrahtungsfehler.
Bauformen
| Bauform | Anwendung | Anschlusstechnik |
|---|---|---|
| Crimpstecker | Patchkabel, Endgerät | Crimpzange, Kontakte stechen durch die Isolierung |
| Feldkonfektionierbarer Stecker | Verlegekabel direkt am Gerät | werkzeuglos oder mit Schneidklemme |
| Keystone-Modul | Dose, Patchfeld | Schneidklemme, siehe LSA-Technik |
| Buchse im Gerät | Switch, Router, Endgerät | fest verbaut |
In der strukturierten Verkabelung endet ein Verlegekabel nicht in einem Stecker, sondern in einer Schneidklemme — an der Dose und am Patchfeld. Gesteckt wird nur mit konfektionierten Patchkabeln. Ein auf Verlegekabel gecrimpter Stecker ist eine Behelfslösung, keine normgerechte Installation.
Litze oder Massivleiter
Ein Punkt, der in der Praxis regelmäßig Schaden anrichtet: Crimpstecker gibt es in zwei Ausführungen, und sie sind von außen kaum zu unterscheiden.
Stecker für Litze haben Schneidkontakte, die mittig in das Adernbündel eindringen. Stecker für Massivleiter haben versetzte Kontaktschneiden, die die Ader seitlich umgreifen.
Die falsche Kombination ergibt zunächst eine funktionierende Verbindung — der Kontakt sitzt aber nur punktuell und löst sich unter Zug, Temperaturwechsel oder Vibration. Das Ergebnis sind sporadische Verbindungsabbrüche, die bei jeder Messung anders aussehen und sich nur schwer eingrenzen lassen. Wer auf Nummer sicher gehen will, verwendet Durchsteckstecker, bei denen die Adern vollständig durch den Stecker geführt und bündig abgeschnitten werden.
Geschirmt und ungeschirmt
Geschirmte Stecker tragen ein umlaufendes Metallgehäuse, das den Kabelschirm auf das Gehäuse der Buchse überträgt. Damit das wirkt, muss die Kette durchgängig sein: geschirmtes Kabel, geschirmter Stecker, geschirmte Buchse, geschirmtes Patchfeld, und ein definierter Weg zur Erdung.
Ein geschirmter Stecker auf einer ungeschirmten Strecke bringt nichts. Ein unterbrochener Schirm kann sogar schaden, weil ein einseitig aufgelegtes, langes Schirmstück als Antenne wirkt. Siehe Schirmungsarten.
Mechanisch sind geschirmte und ungeschirmte Varianten kompatibel — ein ungeschirmter Stecker passt in eine geschirmte Buchse und umgekehrt.
Der Steckverbinder als Engstelle
Eine Verkabelungsstrecke ist nur so gut wie ihr schwächstes Bauteil, und das ist fast immer der Steckverbinder. Bei höheren Frequenzen wird die Entkopplung der Kontakte zum begrenzenden Faktor: Acht Kontakte dicht nebeneinander in einer Reihe sind elektrisch kein guter Entwurf.
Daraus folgt der wichtigste praktische Zusammenhang für den deutschen Markt. Cat 7 und Cat 7A sind Kabelkategorien, für die es keinen RJ45 gibt. Ihre Grenzfrequenzen von 600 und 1000 MHz verlangen andere Steckgesichter — GG45 oder TERA —, die sich nie durchgesetzt haben.
Wer also Cat-7-Verlegekabel einzieht und beidseitig auf RJ45 auflegt, was in Deutschland der Normalfall ist, erhält eine Strecke nach Klasse E oder EA, je nach Komponenten. Das Kabel ist besser als die Strecke, und das ist in Ordnung — es ist Reserve für später. Nur sollte man die Strecke nicht als Cat 7 bezeichnen.
Cat 6A arbeitet mit RJ45 und Steckverbindern mit optimierter Entkopplung bis 500 MHz. Cat 8.1 behält RJ45 ebenfalls bei und erreicht 2000 MHz, allerdings nur über kurze Wege im Rechenzentrum.
Mechanik und Grenzen
Steckzyklen. Die Norm fordert für Stecker und Buchse eine Lebensdauer in der Größenordnung von 750 Steckvorgängen. Für eine Dose in der Wand ist das reichlich, für einen ständig umgesteckten Laborplatz nicht.
Die Rastnase. Sie ist das Bauteil, das als erstes bricht, meist beim Herausziehen am Kabel statt am Stecker. Ein Stecker ohne Rastnase hält nicht mehr zuverlässig; Schutztüllen oder Stecker mit geschützter Nase verlängern die Lebensdauer erheblich.
Fernspeisung. Bei höheren PoE-Leistungsklassen fließt nennenswerter Strom über die Kontakte. Wird unter Last gesteckt oder gezogen, entsteht ein Lichtbogen am abreißenden Kontakt, der die Oberfläche beschädigt. Das ist einer der Gründe für vergoldete Kontakte — und ein Argument dafür, Verbindungen vor dem Trennen am Port abzuschalten.
RJ11 in einer RJ45-Buchse
Ein sechspoliger Telefonstecker passt mechanisch in eine achtpolige Buchse, weil er schmaler ist. Genutzt wird das absichtlich, etwa um ein Telefon an eine Datendose zu legen — die Belegungsschemata sind dafür ausgelegt.
Unabsichtlich ist es ein Problem: Der schmalere Stecker stützt die äußeren Kontakte 1 und 8 nicht ab und kann sie beim Einführen verbiegen. Die Buchse ist danach für Ethernet unbrauchbar, und der Fehler zeigt sich erst, wenn das nächste Netzwerkkabel keine Verbindung aufbaut. Siehe RJ11 und Westernstecker.