RFC 1884 – IP Version 6 Addressing Architecture
Überholt: ersetzt durch RFC 2373.
| Status | Historic |
|---|---|
| Veröffentlicht | Dezember 1995 |
| Volltext | rfc-editor.org/rfc/rfc1884 |
RFC 1884 definiert die grundlegende Adressierungsarchitektur von IPv6 mit 128-Bit-Adressen als Kennungen für Schnittstellen. Es unterscheidet drei Adresstypen: Unicast (eine einzelne Schnittstelle), Anycast (eine Gruppe von Schnittstellen, wobei ein Paket an die nächstgelegene gemäß Routing-Metrik zugestellt wird) und Multicast (eine Gruppe, an die alle Mitglieder das Paket erhalten). Broadcast-Adressen wie in IPv4 entfallen; ihre Funktion wird von Multicast übernommen. Ein wichtiges Grundprinzip ist, dass Adressen stets Schnittstellen zugeordnet werden, nicht Knoten, wobei eine Schnittstelle mehrere Adressen verschiedener Typen tragen kann.
Das Dokument legt drei Textdarstellungen für die oft langen Adressen fest. Die bevorzugte Form notiert acht 16-Bit-Blöcke hexadezimal, getrennt durch Doppelpunkte, wobei führende Nullen weggelassen werden dürfen. Eine komprimierte Form erlaubt die einmalige Verwendung von „::“ für eine beliebige Anzahl aufeinanderfolgender Nullblöcke. Die dritte Darstellung mischt für die letzten 32 Bit IPv4-Dezimalnotation mit der IPv6-Notation, was den Übergang von IPv4 erleichtert. Der Adresstyp wird durch ein variables Format-Präfix (FP) in den führenden Bits bestimmt, das die Aufteilung des Adressraums festlegt, z. B. reservierte Bereiche für NSAP- oder IPX-Zuordnung.
Historisch war dieses RFC zentral für die frühe Standardisierung von IPv6, da es das Adressmodell etablierte, das Skalierbarkeit, Flexibilität und die Ablösung von IPv4 ermöglichen sollte. Aktuell bleibt es grundlegend, auch wenn die tatsächliche Adressvergabe später durch andere RFCs (wie RFC 4291) verfeinert wurde. Die Definition von Anycast- und Multicast-Adressen sowie die kompakte Textdarstellung prägen noch heute die praktische Nutzung und Verwaltung von IPv6-Netzen.