Paketverlust eingrenzen
Aussetzer in Videokonferenzen, Standbilder beim Spielen, abgehackte Telefonate — und die Geschwindigkeitsmessung zeigt trotzdem die volle Rate. Diese Anleitung grenzt ein, wo der Verlust entsteht, und sagt, was davon in die Störungsmeldung gehört.
Die Reihenfolge ist so gewählt, dass die häufigsten Ursachen zuerst ausgeschlossen werden.
Schritt 1: Richtig messen
Ein einzelner Ping sagt nichts. Gebraucht wird eine Messreihe über mehrere Minuten.
ping -n 600 9.9.9.9 Windows ping -c 600 9.9.9.9 Linux und macOS
Das läuft rund zehn Minuten und endet mit einer Zusammenfassung, in der die Verlustrate steht.
Zwei Messungen durchführen:
Einmal bei ruhiger Leitung — nichts lädt, niemand streamt. Einmal unter Last, während eine große Übertragung in Senderichtung läuft.
Diese beiden Werte entscheiden alles Weitere:
| Ruhe | Unter Last | Bedeutung |
|---|---|---|
| 0 % | 0 % | kein Verlust, Ursache liegt woanders |
| 0 % | mehrere % | Überlastsignal, normales Verhalten — siehe Bufferbloat |
| mehrere % | mehrere % | echte Störung, weiter mit Schritt 2 |
Der zweite Fall ist kein Defekt. Er bedeutet, dass die Leitung ausgelastet ist und die Warteschlange arbeitet.
Schritt 2: Das eigene Netz ausschließen
Mit Kabel statt WLAN messen. Einen Rechner direkt per Netzwerkkabel an den Router hängen und Schritt 1 wiederholen. Verschwindet der Verlust, liegt er im Funknetz — dann helfen Kanalwahl, Standort des Zugangspunkts und das Aussortieren langsamer Altgeräte.
Den Router selbst anpingen. Verlust auf dem Weg zum eigenen Router bedeutet ein Problem im Haus: Kabel, Stecker, Switch, Netzwerkkarte. Das ist selten, aber wenn es auftritt, ist die Suche kurz.
Ein zweites Gerät prüfen. Tritt der Verlust nur an einem Rechner auf, ist es dessen Netzwerkkarte, Treiber oder Kabel.
Schritt 3: Die Anschlussart prüfen
Jetzt steht fest, dass der Verlust außerhalb des eigenen Netzes entsteht. Was zu prüfen ist, hängt von der Anschlussart ab.
Kabelanschluss
Hier liegt die Ursache in der überwiegenden Zahl der Fälle.
Bei einer FRITZ!Box Cable steht die Übersicht unter Internet › DOCSIS-Informationen, bei anderen Modems im Modemstatus. Zwei Dinge sind abzulesen:
Die Pegel und der Störabstand, getrennt für Empfangs- und Rückweg. Welche Bereiche zulässig sind und ab wann es kritisch wird, steht im Artikel zu den Signalwerten im Kabelnetz.
Die Fehlerzähler je Kanal, unterteilt in korrigierbare und nicht korrigierbare Fehler. Entscheidend sind die nicht korrigierbaren: Was dort auftaucht, ist verlorene Information. Steigen sie über Stunden merklich an, ist die Ursache gefunden.
Die Werte vor der Messung notieren und danach erneut ablesen — der Zuwachs ist aussagekräftiger als der absolute Stand, weil die Zähler seit dem letzten Neustart laufen.
Ein Hinweis zur Rückrichtung: Störsignale, die irgendwo im Haus oder in der Nachbarschaft eingekoppelt werden, summieren sich auf dem Weg zum Netzknoten. Eine beschädigte Dose, ein unsauber montierter Stecker oder ein defektes Gerät stört deshalb nicht nur den eigenen Anschluss. Umgekehrt kann die Ursache auch beim Nachbarn liegen, ohne dass im eigenen Haus etwas zu finden ist.
DSL-Anschluss
Unter Internet › DSL-Informationen stehen Störabstand, Leitungsdämpfung und die Fehlerzähler. Niedriger Störabstand und wachsende Fehler deuten auf eine Leitungsstörung.
Prüfen lohnt auch, ob der Anschluss kürzlich die Synchronisationsrate gesenkt hat — das tut er selbsttätig bei schlechter Leitung und ist ein Hinweis.
Glasfaseranschluss
Verlust auf der Faser selbst ist selten; sie überträgt entweder sauber oder gar nicht. Treten trotzdem Verluste auf, liegt die Ursache meist dahinter: im Übergabepunkt, im Netz des Anbieters oder an der Verbindung zwischen ONT und Router.
Schritt 4: Den Weg nachverfolgen
Erst jetzt lohnt eine Messung über mehrere Zwischenstationen. Unter Windows eignet sich pathping, unter Linux und macOS mtr, das die Messung dauerhaft laufen lässt.
Wichtig bei der Auswertung: Verlust an einem Zwischenhop bedeutet nichts. Router behandeln an sie selbst gerichtete Anfragen nachrangig und antworten unter Last nicht, während sie den Durchgangsverkehr einwandfrei weiterleiten. Eine Anzeige von vierzig Prozent auf Hop 5 und null Prozent auf Hop 10 zeigt keinen Fehler auf Hop 5.
Ernst zu nehmen ist nur eines: Verlust, der ab einem Hop auftritt und bis zum Ziel bestehen bleibt.
Messen Sie gegen mehrere Ziele in verschiedenen Netzen. Tritt der Verlust nur gegen ein Ziel auf, liegt es an diesem Weg oder an der Gegenstelle — nicht am eigenen Anschluss.
Schritt 5: Zeitlich einordnen
Störungen haben Muster, und das Muster verrät die Ursache.
Nur abends, täglich wiederkehrend deutet auf Überlastung im Anbieternetz, nicht auf einen Defekt. Das ist ein Kapazitätsproblem im Segment.
Bei Regen oder Wind deutet auf Feuchtigkeit in einer Muffe oder einer Außenverbindung.
Nach einem bestimmten Datum verweist auf eine Änderung — Softwareaktualisierung, neues Gerät, Arbeiten im Netz.
Unregelmäßig in Schüben passt zu einer Störquelle, die ein- und ausgeschaltet wird: Netzteile, Beleuchtung, defekte Geräte in der Nachbarschaft.
Eine Messung über mehrere Tage, die stündlich festhält, ist hier mehr wert als jede Momentaufnahme.
Was in die Störungsmeldung gehört
Die meisten Meldungen scheitern daran, dass sie keine prüfbaren Angaben enthalten. Was eine Bearbeitung wahrscheinlich macht:
- Verlustrate aus einer Messreihe mit Anzahl der Pakete und Zeitraum, nicht „es ruckelt"
- Das Ziel der Messung, mit Adresse
- Der Vergleich mit Kabel statt WLAN — zeigt, dass das eigene Netz ausgeschlossen wurde
- Beim Kabelanschluss die Pegel und die nicht korrigierbaren Fehler mit Zuwachs über einen bekannten Zeitraum
- Das zeitliche Muster
- Seit wann es besteht und was sich zu diesem Zeitpunkt geändert hat
Hilfreich ist außerdem die Unterscheidung aus Schritt 1 ausdrücklich zu nennen: dass der Verlust auch ohne Last auftritt. Damit ist das Argument entkräftet, die Leitung sei eben ausgelastet.
Was keine Aussage hat
Eine Geschwindigkeitsmessung. Sie zeigt bei moderatem Verlust weiterhin gute Werte, weil TCP verlorene Pakete erneut überträgt.
Ein einzelner Ping oder eine Messung über zehn Pakete. Zu wenig für eine belastbare Rate.
Verlust an Zwischenhops. Siehe Schritt 4.
Ein Vergleich mit dem Nachbarn, der einen anderen Anbieter hat. Unterschiedliche Wege, unterschiedliche Segmente.