RIPE Atlas Probe installieren

Eine RIPE-Atlas-Probe macht aus einem eigenen Anschluss einen Messpunkt im weltweiten Messnetz — und verschafft im Gegenzug Zugriff auf alle anderen Probes. Dieser Leitfaden beschreibt den Weg über die Software-Probe auf einem Server, weil Hardware-Probes derzeit nicht vergeben werden.

RIPE Atlas Probe in der Übersicht
Eigene RIPE Atlas Probe nach erfolgreicher Registrierung

Warum Software und nicht Hardware

Das RIPE NCC gibt auf der Antragsseite für Hardware-Probes an, derzeit keine Anträge anzunehmen, und verweist auf die Software-Probe (Stand 6. Oktober 2026). Die Entscheidung ist damit für den Einstieg vorgegeben.

Das ist kein Nachteil. Die Software-Probe führt dieselbe Messsoftware aus wie das Hardwaregerät — der Quelltext ist derselbe —, und sie zählt im Messnetz gleichwertig. Der Unterschied liegt in der Verantwortung: Betriebssystem, Updates und Verfügbarkeit liegen beim Betreiber.

Wo die Probe stehen sollte

Beide Orte sind zulässig; die offizielle Anleitung nennt ausdrücklich virtuelle Maschinen, Heimrouter und vorhandene Server.

Auf einem gemieteten Server läuft die Probe durchgehend, ohne Stromfragen und ohne Hardware im Wohnzimmer. Der Messpunkt sitzt dann in einem Rechenzentrum und sagt entsprechend etwas über die Anbindung dieses Rechenzentrums aus — nicht über die Erfahrung eines Endkunden.

Am eigenen Anschluss — auf einem Kleinrechner, einem NAS oder einem Router mit passender Firmware — entsteht der aussagekräftigere Messpunkt, weil Zugangsnetze im Messnetz seltener vertreten sind als Rechenzentren. Dafür hängt die Verfügbarkeit am Haushalt, und die eigene Nutzung verfälscht Laufzeitmessungen.

Für den Anfang ist der Server der pragmatische Weg. Mehrere Probes je Account sind erlaubt, und die verdienten Credits addieren sich — die Probe am eigenen Anschluss lässt sich also später ergänzen.

Voraussetzungen

  • Ein Account beim RIPE NCC (RIPE NCC Access)
  • Ein Server mit Ubuntu, Debian oder RHEL, jeweils auf amd64 oder arm64; für diese Systeme pflegt das RIPE NCC eigene Pakete
  • Root-Rechte auf dem System
  • Ausgehende Verbindungen ins Internet; eine feste oder öffentliche Adresse ist nicht gefordert

Für andere Systeme — Raspberry Pi OS, OpenWRT, Docker, Alpine — gibt es Anleitungen aus der Community; sie werden nicht vom RIPE NCC betreut.

Schritt 1: Repository einrichten und Probe installieren

Das RIPE NCC stellt das Repository über ein eigenes Paket bereit, das zuerst heruntergeladen und installiert wird. Dateiname und Pfad hängen von Distribution und Architektur ab, deshalb arbeitet die offizielle Anleitung mit Variablen:

wget https://ftp.ripe.net/ripe/atlas/software-probe/debian/dists/"$CODENAME"/main/binary-"$ARCH"/"$REPO_PKG"
sudo dpkg -i "$REPO_PKG"
sudo apt update
sudo apt-get install ripe-atlas-probe

Nach der Installation läuft die Messsoftware als Dienst und erzeugt beim ersten Start ein Schlüsselpaar.

Schritt 2: Probe Key auslesen

Der öffentliche Schlüssel der Probe liegt nach der Installation unter:

/etc/ripe-atlas/probe_key.pub

Dieser Probe Key ist die Kennung der Probe. Er wird im nächsten Schritt in das Registrierungsformular eingetragen und stellt die Verbindung zwischen dem Account und der laufenden Software her.

Schritt 3: Probe registrieren

Die Registrierung erfolgt über das Formular für Software-Probes unter atlas.ripe.net/register/swprobe. Dort werden der Probe Key und einige Angaben zum Standort eingetragen.

Zwei Punkte zur Eingabe:

Der Standort wird grob angegeben. Veröffentlicht werden AS, Land und eine ungenaue Lage — nicht die Adresse. Wer das nicht möchte, sollte die Lage auf Stadtebene halten.

Software-Probes sind immer Public Probes. Eine nicht öffentliche Variante, wie sie bei Hardware möglich war, gibt es hier nicht. Die Probe erscheint also mit ihrer ID in der öffentlichen Liste, und jeder kann Messungen von ihr aus starten.

Schritt 4: Verbindung prüfen

Nach der Registrierung dauert es einige Minuten, bis die Probe als Connected erscheint. Prüfen lässt sich das an zwei Stellen: im eigenen Account in der Probe-Übersicht und auf dem Server am Zustand des Dienstes.

Bleibt die Probe auf Never Connected, liegt es meist an einer der Stellen aus dem Abschnitt zur Fehlersuche.

Schritt 5: Automatische Updates einschalten

Veraltete Probe-Versionen werden nach einiger Zeit nicht mehr zur Verbindung zugelassen. Bei einem Server, auf den man selten schaut, ist die automatische Paketaktualisierung deshalb nicht Komfort, sondern Betriebsvoraussetzung. Die Einrichtung ist in der Anleitung des Repositories beschrieben und erfolgt mit den Mitteln der jeweiligen Distribution.

Schritt 6: Die erste eigene Messung

Jetzt beginnt der Teil, für den die Probe eigentlich betrieben wird. Eine Messung wird im Account angelegt, mit vier Angaben:

Typ — Ping, Traceroute, DNS oder SSLCert. Ziel — Adresse oder Name. Probes — Auswahl nach Land, AS, Weltregion oder einzelnen Probes. Intervall — einmalig oder wiederkehrend.

Als erste Messung eignet sich ein Traceroute von einer Handvoll Probes im eigenen Land auf die eigene Domain. Das Ergebnis zeigt unmittelbar, über welche Netze der eigene Server erreicht wird — eine Information, die vom eigenen Anschluss aus nicht zu bekommen ist.

Traceroute im RIPE Atlas
Neue Messung in RIPE Atlas anlegen

Nach Abschluss der Messung werden die Messergebnisse übersichtlich aufbereitet. Die Laufzeiten (RTT) der zufällig ausgewählten Probes zum Ziel sind farblich markiert.

50 Probes weltweit verteilt
Ergebnisse eines Traceroute mit 50 Probes

Credits: was eine Messung kostet

Für jede Minute, die die Probe verbunden ist, werden Credits zugeschrieben — über einen Tag summiert es sich auf einen Betrag, der für laufende eigene Messungen reicht. Verbraucht wird je Ergebnis, gestaffelt nach Aufwand: Ein Traceroute kostet ein Mehrfaches eines Pings, eine einmalige Messung doppelt so viel wie eine wiederkehrende.

Praktische Folge: Eine wiederkehrende Messung von fünfzig Probes im Minutentakt ist teuer und läuft die Credits leer. Für Dauerbeobachtung lieber wenige Probes und größere Intervalle; für eine Momentaufnahme viele Probes und ein einzelner Durchlauf.

Was im Betrieb zu beachten ist

Bandbreitenmeldung bleibt aus. Software-Probes melden den Datenverbrauch standardmäßig nicht; das muss ausdrücklich eingeschaltet werden. Auf einem Server, über den auch anderer Verkehr läuft, wäre die Angabe ohnehin nicht aussagekräftig.

Nach einer Neuinstallation neu registrieren. Wird der Probe Key neu erzeugt — etwa weil der Server neu aufgesetzt wurde —, muss er registriert werden. Die alte Probe bleibt sonst als abgemeldet stehen.

Die Probe ist kein Zugang in das eigene Netz. Sie baut nur ausgehende Verbindungen auf, nimmt von außen keine an und leitet nichts weiter. Für den Betrieb hinter einem Router braucht es deshalb keine Portfreigabe.

Messungen anderer laufen über die eigene Probe. Das ist der Zweck der Sache: Wer eine Public Probe betreibt, stellt sie dem Messnetz zur Verfügung. Der Datenverkehr dadurch ist gering und besteht aus Pings, Traceroutes und DNS-Abfragen.

Fehlersuche

Probe bleibt auf Never Connected — meist ein falsch eingetragener Probe Key oder ein Dienst, der nicht läuft. Erst den Dienstzustand prüfen, dann den Schlüssel mit dem Eintrag im Formular vergleichen.

Probe fällt regelmäßig auf Disconnected — bei einem Server ungewöhnlich; bei einem Heimanschluss meist die Zwangstrennung, die kurz unterbricht und kein Problem ist. Häufen sich die Unterbrechungen, wird die Probe irgendwann als unzuverlässig eingestuft.

Ausgehende Sperren — eine Firewall, die nur bestimmte Ziele erlaubt, verhindert sowohl die Verbindung zur Steuerung als auch die Messungen selbst.

Zeit falsch gestellt — eine stark abweichende Systemzeit führt zu unbrauchbaren Messergebnissen und kann die Registrierung behindern.

Weiterlesen

Das Lemma zu RIPE Atlas erklärt Aufbau und Grenzen des Messnetzes, die Unterscheidung zwischen Probes und Anchors sowie die Frage, was sich mit solchen Messungen überhaupt belegen lässt.

Quellen

  • RIPE Atlas: Software Probes (Dokumentation, abgerufen am 6. Oktober 2026)
  • RIPE NCC: ripe-atlas-software-probe (Quelltext und Installationsanleitungen)
  • RIPE Atlas: Hinweis zur Vergabe von Hardware-Probes (Stand 6. Oktober 2026)

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