Advice of Charge During the Call
Abkürzung: AOCD
Was ist Advice of Charge During the Call (AOC-D)?
Advice of Charge During the Call, abgekürzt AOC-D und im Deutschen als Entgeltanzeige während der Verbindung oder Gebühreninformation während des Gesprächs bezeichnet, ist ein vermittlungstechnisches Leistungsmerkmal. Es informiert den Anrufer noch während des laufenden Gesprächs kontinuierlich über die aktuell aufgelaufenen Kosten. Dazu sendet das Netz die Gebühreninformation in regelmäßigen Abständen an das Endgerät, das sie auf dem Display anzeigt. AOC-D erlaubt dem Nutzer eine minutengenaue Kostenkontrolle und ergänzt das verwandte Merkmal AOC-E, das die Gesamtkosten erst nach Gesprächsende anzeigt.
Funktionsweise
Während des Verbindungsaufbaus wird der Tarif für das gewünschte Ziel ermittelt, entweder im Netz des Anrufers oder durch einen zentralen Tarifserver. Sobald die Verbindung zustande kommt, läuft ein interner Zähler an. Das Netz sendet die kumulierten Kosten in festen Zeitintervallen, typischerweise alle paar Sekunden, als Signalisierungselement an das Endgerät. Das Endgerät aktualisiert damit fortlaufend seine Anzeige. Der Nutzer sieht in Echtzeit, wie sich der Betrag erhöht, und kann bei Erreichen einer Kostengrenze das Gespräch beenden. Die Abrechnung selbst erfolgt unabhängig von dieser Anzeige über die regulären Systeme des Netzbetreibers; die AOC-D-Daten dienen ausschließlich der Information.
Technische Umsetzung in verschiedenen Netzen
AOC-D ist ein klassischer ISDN-Dienst, der auch in Mobilfunknetzen und eingeschränkt in VoIP-Umgebungen verfügbar ist.
- ISDN: Im DSS1-Protokoll wird AOC-D über FACILITY-Nachrichten auf dem D-Kanal realisiert. Während des Gesprächs sendet die Vermittlungsstelle periodisch eine FACILITY mit einem AOC-D-Invoke an das Endgerät. Dieses Informationselement enthält den aktuellen Gebührenbetrag in Währungseinheiten und eine Einheitenskala. Das ISDN-Telefon empfängt und dekodiert die Nachrichten und zeigt den Betrag auf seinem Display an. Auch bei mehreren gleichzeitigen Verbindungen, etwa beim Makeln, werden die Kosten pro Gespräch getrennt signalisiert.
- Mobilfunk (GSM/UMTS/LTE): Mobilfunknetze unterstützen den Advice of Charge Supplementary Service gemäß 3GPP TS 22.024. Das Mobile Switching Center sendet während des aktiven Anrufs AOC-D-Informationen über die Luftschnittstelle an das Mobiltelefon. Das Telefon zeigt die Kosten in der vom Netz vorgegebenen Währung an. Prepaid-Anbieter nutzen AOC-D häufig, um dem Nutzer das aktuelle Guthaben in Echtzeit zu signalisieren und ein ungewolltes Überschreiten des Limits zu verhindern.
- SIP (VoIP): In SIP-Netzen ist AOC-D kein standardisiertes Merkmal. Einige Hersteller implementieren proprietäre Lösungen, bei denen der Application Server SIP-INFO-Nachrichten mit Gebührendaten an das Endgerät sendet. Eine Alternative sind P-Charging-Header, die Informationen aus dem IMS-Abrechnungssystem transportieren. Der SIP-Client benötigt eine entsprechende Software, um die Daten auszuwerten und anzuzeigen. Die Funktion ist im VoIP-Umfeld nicht flächendeckend verfügbar und oft nur in geschlossenen Systemen eines Herstellers nutzbar.
Abgrenzung zu anderen Merkmalen
AOC-D ist eine Echtzeit-Kosteninformation und von anderen Gebührenmerkmalen zu unterscheiden.
- AOC-E (Advice of Charge at the End of the Call): Zeigt die Gesamtsumme nach dem Auflegen an, nicht während des Gesprächs. AOC-D liefert hingegen laufend aktualisierte Zwischensummen.
- AOC-S (Advice of Charge During Call Setup): Zeigt den Tarif noch vor dem Verbindungsaufbau an. AOC-D beginnt erst nach Zustandekommen der Verbindung.
- Tarifansage vor Verbindungsaufbau: Eine gesprochene Ansage mit den voraussichtlichen Kosten, wie bei 0900-Nummern gesetzlich vorgeschrieben. AOC-D ist eine stille, visuelle Anzeige auf dem Telefondisplay.
- Prepaid-Guthabenanzeige: Basiert oft auf AOC-D, zeigt aber das Restguthaben statt der reinen Gesprächskosten.
Konfiguration und Aktivierung
AOC-D muss netzseitig freigeschaltet sein. Bei ISDN-Anschlüssen ist der Dienst häufig standardmäßig aktiviert und wird von der Ortsvermittlungsstelle des Anbieters unterstützt. Das Endgerät muss AOC-D-fähig sein und die empfangenen FACILITY-Nachrichten auswerten können. Moderne ISDN-Telefone und viele TK-Anlagen zeigen die Gebühren standardmäßig an, sobald sie vom Netz gesendet werden. Im Mobilfunk wird AOC-D vom Netzbetreiber gesteuert und ist besonders bei Prepaid-Tarifen aktiv. Eine Konfiguration durch den Endnutzer ist meist nicht erforderlich oder auf wenige Einstellungen im Menü beschränkt, etwa die Wahl zwischen Währungs- und Einheitendarstellung.
Praktische Anwendungsszenarien
AOC-D ist ein wertvolles Werkzeug für die Kostenkontrolle in Echtzeit. In Unternehmen, die Kunden per Telefon betreuen, können Mitarbeiter die laufenden Gebühren sehen und bei Bedarf ein teures Gespräch vor dem Kostenlimit beenden. Callshops und Hotels mit Telefonanlagen nutzen AOC-D, um dem Nutzer die aktuelle Gebühr offen anzuzeigen, was Transparenz schafft und Streitigkeiten über die Abrechnung vermeidet. Im privaten Bereich hilft AOC-D, bei teuren Auslands- oder Service-Rufnummern die Kosten im Blick zu behalten und nicht versehentlich eine hohe Rechnung zu produzieren. Für Gehörlose und hörgeschädigte Menschen ist die visuelle Kostenanzeige die einzige zugängliche Form der Gebühreninformation während des Telefonats.
Grenzen und Fehlerquellen
AOC-D ist nur so präzise wie die vom Netz übermittelten Tarifdaten. Bei Pauschalpreisen, Flatrates oder komplexen Tarifen mit Freiminuten kann die Anzeige irreführend sein, da sie möglicherweise einen Minutenpreis signalisiert, der durch den Vertrag gar nicht anfällt. In VoIP-Umgebungen ohne standardisierte Unterstützung fehlt die Funktion oft ganz. Der Dienst funktioniert nur netzintern; bei netzübergreifenden Rufen, etwa von einem ISDN-Anschluss zu einem fremden Netzbetreiber, werden die AOC-D-Informationen nicht immer durchgereicht. Ein weiteres Problem ist die Aktualisierungsfrequenz: Einige Netze senden die Gebührenimpulse nur in relativ großen Abständen, sodass die Anzeige kurz vor dem Auflegen noch einen niedrigeren Betrag zeigt, als tatsächlich abgerechnet wird. AOC-D ist eine informative Hilfe und kein rechtlich verbindlicher Abrechnungsbeleg; maßgeblich bleibt der Einzelverbindungsnachweis des Providers.