Differentiated Services Code Point
Abkürzung: DSCP
Der DSCP ist ein sechs Bit langes Feld im Kopf jedes IP-Pakets. Es gibt an, wie ein Paket auf seinem Weg behandelt werden soll — bevorzugt, nachrangig oder wie alle anderen.
Bei IPv4 belegt es die oberen sechs Bit des Bytes, das ursprünglich als Type of Service bezeichnet wurde; bei IPv6 die entsprechenden Bit im Traffic-Class-Feld. Die verbleibenden zwei Bit dienen der Überlastanzeige.
Verhaltensklassen
Der Wert selbst schreibt keine Behandlung vor. Er verweist auf ein Verhalten, das ein Gerät auf ihn anwendet — welches genau, entscheidet dessen Konfiguration.
Standardisiert sind mehrere Gruppen:
| Gruppe | Zweck |
|---|---|
| Default | keine besondere Behandlung |
| Class Selector | grobe Prioritätsstufen, abwärtskompatibel zur früheren Kennzeichnung |
| Assured Forwarding | vier Klassen mit je drei Verwurfsstufen |
| Expedited Forwarding | bevorzugte Weiterleitung mit geringer Verzögerung |
Am gebräuchlichsten sind zwei Werte: die Null für den Normalfall und der Wert 46 für Sprachverkehr, der geringe Verzögerung und geringe Schwankung benötigt.
Bei Assured Forwarding bezeichnet die erste Ziffer die Klasse und die zweite, wie früh ein Paket bei Überlast verworfen wird. Das erlaubt es, innerhalb derselben Anwendung wichtigere und weniger wichtige Anteile zu unterscheiden.
Kennzeichnung ist keine Zusicherung
Der entscheidende Punkt: Ein gesetzter DSCP bewirkt für sich genommen nichts.
Wirkung entsteht erst, wenn ein Gerät auf dem Weg so eingerichtet ist, dass es den Wert auswertet und daraus eine Einordnung in Warteschlangen ableitet. Ein Router ohne entsprechende Konfiguration behandelt alle Pakete gleich, unabhängig von ihrer Markierung.
Hinzu kommt: Solange keine Überlast besteht, ist Priorisierung wirkungslos. Wo nichts wartet, kann nichts vorgezogen werden. Dienstgüte zeigt sich ausschließlich in dem Moment, in dem mehr Verkehr anliegt, als eine Strecke tragen kann.
Vertrauensgrenzen
Jedes Gerät kann beliebige Werte setzen. Eine Anwendung, die sich selbst als vorrangig markiert, wird dadurch nicht vorrangig — sie würde es nur, wenn das Netz die Angabe ungeprüft übernähme.
Netze definieren deshalb eine Vertrauensgrenze. Innerhalb davon werden Markierungen ausgewertet, an der Grenze werden sie geprüft, überschrieben oder zurückgesetzt.
Zwischen Netzbetreibern gilt das ebenso. Ein Anbieter übernimmt die Markierungen eines Kunden in der Regel nicht, sondern setzt sie auf den Standardwert zurück. Über das offene Internet hinweg hat ein DSCP damit meist keine Wirkung — er entfaltet sie in Netzen unter einheitlicher Verwaltung.
Verhältnis zur Priorisierung auf Schicht 2
Auf der Sicherungsschicht existiert eine eigene Kennzeichnung im VLAN-Tag mit drei Bit. Sie wirkt nur innerhalb eines Segments und geht verloren, sobald ein Router das Paket weiterleitet.
Beide Verfahren ergänzen sich: Die Kennzeichnung auf Schicht 3 überdauert die gesamte Strecke, die auf Schicht 2 steuert die Behandlung in Switches. Üblich ist, beide aufeinander abzubilden — mit dem Ergebnis, dass ein Paket auf jedem Abschnitt konsistent eingeordnet wird.