Enhanced Messaging Service

Abkürzung: EMS

EMS war der Versuch, die Kurzmitteilung um Formatierung, Bilder und Töne zu erweitern — ohne das SMS-Netz zu verändern. Standardisiert vom 3GPP, eingeführt um 2001, und heute vollständig verschwunden. Als Zwischenschritt zwischen SMS und MMS ist der Dienst dennoch ein lehrreicher Fall.

Wie EMS auf der SMS aufsetzt

Der Kerngedanke ist eine Nachnutzung, die ohne Änderung an der Vermittlungstechnik auskommt: EMS steckt seine Zusatzinformationen in den User Data Header, einen Bereich am Anfang der Nutzdaten einer Kurzmitteilung, der ursprünglich für die Verkettung langer Nachrichten gedacht war.

Für das Netz bleibt eine EMS-Nachricht damit eine gewöhnliche SMS. Nur das empfangende Gerät wertet den Kopf aus und setzt daraus die formatierte Darstellung zusammen. Vorgesehen waren:

  • Textauszeichnung — fett, kursiv, unterstrichen, Schriftgröße, Ausrichtung
  • kleine Schwarzweißbilder in festgelegten Größen
  • Animationen aus mehreren Einzelbildern
  • Melodien als Notenfolge
  • vordefinierte Bildzeichen

Dafür zahlt man mit Platz. Der Nutzdatenbereich einer SMS fasst 140 Byte, und alles, was der Kopf belegt, geht vom Text ab. Eine Nachricht mit Bild und Melodie besteht deshalb aus mehreren verketteten Einzelnachrichten — und wird als mehrere Nachrichten abgerechnet. Eine Mitteilung mit Bildchen kostete damit ein Mehrfaches einer gewöhnlichen SMS.

Warum EMS nicht ankam

Drei Gründe, und sie greifen ineinander:

Fehlende Unterstützung in der Breite. EMS war kein Pflichtbestandteil. Ein Gerät ohne EMS-Unterstützung zeigte die Nachricht als Text mit Steuerzeichen an — also als unverständliches Gemisch. Ob die Mitteilung beim Empfänger ankam, wusste der Absender nicht.

Herstellereigene Konkurrenz. Nokia hatte mit Smart Messaging ein eigenes Verfahren für Bilder und Klingeltöne, das zur gleichen Zeit lief und weder mit EMS verträglich war noch von anderen Herstellern übernommen wurde. Zwei zueinander fremde Lösungen für dasselbe Problem halbierten die ohnehin schmale Basis.

Die MMS kam zu schnell. Der Multimedia Messaging Service erschien kurz darauf und hatte keine 140-Byte-Grenze. Er überträgt Farbbilder, Ton und längeren Text über eine Datenverbindung statt über den Signalisierungskanal. Damit war EMS technisch überholt, bevor es verbreitet war.

Was den Dienst abschließend erledigte, war nicht die MMS, sondern die Umstellung auf Datennetze: Mit Mobilfunkdaten und Anwendungen, die Bilder und Töne über IP schicken, verlor jede Erweiterung der SMS ihren Zweck.

Was von EMS geblieben ist

Als Dienst nichts. Zwei Dinge wirken fort:

Der User Data Header. Der Mechanismus, den EMS für sich nutzte, ist weiterhin in Gebrauch — für die Verkettung langer Kurzmitteilungen, für die Zuordnung an bestimmte Anwendungen über Portnummern und für Konfigurationsnachrichten, mit denen Betreiber Einstellungen auf Geräte schieben. Wer heute eine SMS über 160 Zeichen schreibt, nutzt denselben Kopf.

Die Lehre über Kompatibilität. EMS war technisch sauber und abwärtsverträglich gedacht, scheiterte aber daran, dass Abwärtsverträglichkeit beim Empfänger als Fehler erschien. Ein Verfahren, bei dem der Absender nicht erkennt, ob die Gegenseite es beherrscht, setzt sich nicht durch — ein Muster, das sich bei Messaging-Erweiterungen bis heute wiederholt.

Abgrenzung

SMS ist der Dienst, auf dem EMS aufsetzt: 140 Byte Nutzdaten, übertragen über den Signalisierungsweg des Mobilfunknetzes.

MMS überträgt Inhalte über eine Datenverbindung und kennt die Größenbeschränkung der SMS nicht. Sie hat EMS verdrängt.

Smart Messaging war die herstellereigene Lösung von Nokia mit ähnlichem Ziel.

RCS (Rich Communication Services) ist der aktuelle Versuch, den klassischen Nachrichtendienst der Netzbetreiber zu modernisieren — mit Lesebestätigung, Gruppen und Dateiversand, nun vollständig über IP.

User Data Header ist der Mechanismus, den EMS nutzte und der die Verkettung langer Kurzmitteilungen weiter trägt.

Quellen

  • 3GPP TS 23.040: Technical realization of the Short Message Service (SMS)
  • 3GPP TS 23.140: Multimedia Messaging Service (MMS) — Functional description

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