Hutschiene
Die Hutschiene ist die genormte Tragschiene, auf die Geräte in Verteilern und Schaltschränken aufgeschnappt werden. Sie heißt so, weil ihr Querschnitt einem Hut mit Krempe gleicht — die Krempe greift in die Rastfedern der Geräte.
Die Bauformen
Genormt sind die Profile in EN 60715. Verbreitet sind drei:
| Bezeichnung | Breite | Höhe | Einsatz |
|---|---|---|---|
| TH35-7,5 | 35 mm | 7,5 mm | der Regelfall |
| TH35-15 | 35 mm | 15 mm | höhere Lasten, lange Felder |
| TH15 | 15 mm | 5,5 mm | Klemmen, Kleingeräte |
Daneben gibt es die älteren G- und C-Profile, die in Altanlagen und bei bestimmten Reihenklemmen vorkommen und nicht kompatibel sind.
Das Profil gibt es gelocht und ungelocht. Gelocht erleichtert die Befestigung und das Durchführen von Kabelbindern, ungelocht ist mechanisch steifer. Material ist meist verzinkter Stahl, bei korrosiver Umgebung Edelstahl, bei Gewichtsfragen Aluminium.
Die Bezeichnung DIN-Rail meint dasselbe und ist im englischsprachigen Datenblatt der übliche Begriff.
Die Teilungseinheit
Die Breite eines Geräts wird nicht in Millimetern angegeben, sondern in Teilungseinheiten (TE, international HP oder Modules). Eine TE entspricht 17,5 mm — der Breite eines einpoligen Leitungsschutzschalters.
Daran rechnet sich die Belegung eines Verteilers: Ein Feld mit zwölf TE nimmt zwölf einpolige Automaten auf, oder vier dreipolige, oder sechs Automaten plus einen Phasenkoppler mit drei TE und zwei freie Einheiten.
Für Netzwerkgeräte auf der Schiene ist das die entscheidende Planungsgröße. Ein Hutschienen-Switch braucht je nach Portzahl sechs bis zwölf TE, ein Netzteil ähnlich — in einem vollen Verteiler ist der Platz oft die Einschränkung, nicht die Technik.
Montage
Aufgeschnappt wird von oben: Das Gerät wird mit der festen Rastnase an der oberen Krempe eingehängt und unten angedrückt, bis die Federrast einschnappt. Abgenommen wird mit einem Schraubendreher in der Entriegelungslasche.
Endhalter an beiden Enden einer Gerätereihe verhindern, dass sich die Geräte verschieben — vor allem bei Transport und in Anlagen mit Vibration. Sie werden festgeschraubt und sind kein Zubehör, das man weglässt.
Die Schiene selbst wird im Verteiler verschraubt oder auf Montageplatten geklemmt. Die Länge richtet sich nach dem Feld; Zuschnitt mit der Säge ist üblich, Grate müssen entfernt werden, weil sie die Rastfedern beschädigen.
Erdung und Entwärmung
Zwei Punkte, die bei Netzwerktechnik auf der Schiene regelmäßig übersehen werden:
Die Schiene ist kein Schutzleiter. Dass sie metallisch ist und mit dem Schrank verbunden, macht sie nicht zum PE. Geräte, die eine Schutzleiterverbindung brauchen, erhalten sie über eine eigene Klemme oder eine ausdrücklich dafür vorgesehene PE-Reihenklemme. Manche Geräte nutzen den Schienenkontakt als Funktionserde für Schirme — das ist etwas anderes als Schutzerde und im Datenblatt angegeben.
Verlustwärme sammelt sich oben. Ein Verteiler ist meist geschlossen. Mehrere Netzteile und ein Switch auf engem Raum erzeugen Wärme, die nach oben steigt; die zulässige Umgebungstemperatur der Geräte bezieht sich auf die Luft im Schrank, nicht im Raum. Hersteller geben Mindestabstände seitlich und über dem Gerät an, und bei warmen Umgebungen gelten reduzierte Belastungsgrenzen.
Abgrenzung
Das 19-Zoll-Rack ist die andere Montagenorm. Dort werden Geräte in Höheneinheiten gemessen und vorn verschraubt. Netzwerktechnik sitzt überwiegend im Rack, Installationstechnik auf der Schiene — und genau dort, wo beides zusammenkommt, braucht es Hutschienen-Varianten von Switches und Medienkonvertern.
Reihenklemmen sind die häufigsten Schienenaufbauten überhaupt und verbinden Leitungen ohne eigene Funktion.
Die Phasenschiene verteilt Außenleiter auf mehrere Automaten und wird auf die Hutschiene aufgesetzt.
Eine PDU für den Serverschrank löst eine ähnliche Aufgabe im Rack; Hutschienen-Varianten existieren für kleine Installationen.
Quellen
- EN 60715: Maße von Niederspannungsschaltgeräten — Normgerechte Montage auf Tragschienen
- DIN 43880: Installationseinbaugeräte — Hüllmaße und zugehörige Einbaumaße
- DIN EN 61439: Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen