Insteon
Insteon ist ein System zur Hausautomation, das 2005 von der US-Firma Smartlabs vorgestellt wurde. Es steuert Beleuchtung, Steckdosen, Heizung, Rollläden und Zutritt.
In Deutschland hat es nie Fuß gefasst. Das liegt nicht am Produkt, sondern an der Technik: Insteon funkt im nordamerikanischen ISM-Band um 900 MHz, das in Europa anders belegt ist, und die Übertragung über das Stromnetz ist auf das amerikanische Netz mit 120 Volt und 60 Hertz ausgelegt. Geräte aus den USA lassen sich hier nicht ohne Weiteres betreiben.
Zwei Wege gleichzeitig
Die technische Besonderheit ist das Dual-Mesh: Jede Nachricht läuft gleichzeitig über Funk und über die vorhandene Stromleitung.
Andere Systeme entscheiden sich für einen Weg. Funk scheitert an Stahlbeton und Metallschränken, Powerline scheitert an getrennten Außenleitern und an Störern im Netz. Insteon sendet über beide und nimmt in Kauf, dass eine Nachricht doppelt ankommt.
Dazu kommt, dass jedes Gerät als Repeater arbeitet. Es gibt keine ausgewiesenen Router und keine Endgeräte ohne Weiterleitungsfunktion: Jede Lampe und jede Steckdose gibt empfangene Nachrichten weiter. Mit der Zahl der Geräte wächst damit die Zuverlässigkeit, statt zu sinken.
Die Nachrichten werden dabei nicht weitergereicht, sondern gleichzeitig wiederholt — alle Repeater senden synchron in festen Zeitfenstern. Das vermeidet die Laufzeiten, die ein klassisches Mesh mit sich bringt.
Auf der Stromleitungsseite ist Insteon rückwärtskompatibel zum älteren X10, das in den USA seit den 1970er Jahren verbreitet war. Das erlaubte den schrittweisen Umstieg und war ein wesentlicher Grund für die anfängliche Verbreitung.
Die Abschaltung 2022
Im April 2022 stellte Smartlabs den Betrieb überraschend ein. Die Cloud-Server wurden abgeschaltet, ohne dass Kunden vorher informiert wurden; der Firmenauftritt verschwand, Mitarbeiterprofile wurden gelöscht.
Für die Nutzer bedeutete das: Fernzugriff, App-Steuerung und Sprachassistenten funktionierten von einem Tag auf den anderen nicht mehr. Die lokale Steuerung über Schalter und Szenen lief weiter, weil sie nicht über die Cloud läuft — der Hub selbst war aber ohne Dienst weitgehend nutzlos.
Wenige Monate später übernahm eine Gruppe aus dem Nutzerkreis die Vermögenswerte und nahm den Dienst wieder in Betrieb, seitdem gegen ein Abonnement. Geräte werden weiterhin angeboten.
Der Vorgang ist über Insteon hinaus bemerkenswert und wird seitdem regelmäßig als Beispiel angeführt: Ein Hausautomationssystem, dessen Kernfunktionen an einem Dienst des Herstellers hängen, endet mit diesem Dienst. Systeme, die vollständig lokal arbeiten, sind davon nicht betroffen.
Abgrenzung
ZigBee und Z-Wave sind die beiden Funksysteme, mit denen Insteon im Markt konkurrierte. Beide sind reine Funklösungen ohne Stromnetzpfad, dafür in Europa verfügbar und herstellerübergreifend.
Powerline im hiesigen Sinn überträgt Netzwerkdaten über das Stromnetz und hat mit Hausautomation nichts zu tun, auch wenn beide dasselbe Medium nutzen.
KNX ist in Europa die etablierte Lösung für denselben Zweck, arbeitet aber über eine eigene Busleitung und ohne Herstellerdienst.