Kreuzkabel
Ein Kreuzkabel, auch Crossover-Kabel, ist ein Netzwerkkabel, bei dem Sende- und Empfangsadern vertauscht sind. Es war nötig, um zwei gleichartige Geräte direkt zu verbinden — und ist seit der selbsttätigen Erkennung der Belegung in fast allen Fällen überflüssig.
Warum es Kreuzkabel überhaupt gibt
Eine Ethernet-Verbindung braucht an jedem Ende einen Sender und einen Empfänger, und der Sender der einen Seite muss am Empfänger der anderen landen. Bei der Verbindung Rechner–Switch erledigt das das Gerät: Der Switchport ist von vornherein spiegelbildlich belegt.
Verbindet man dagegen zwei gleichartige Geräte — zwei Rechner, zwei Switches über normale Ports —, treffen Sender auf Sender. Es passiert nichts. Genau diese Vertauschung nimmt das Kreuzkabel in der Leitung vor.
Wie ein Kreuzkabel belegt ist
Bei Fast Ethernet werden nur zwei Paare genutzt, und nur die werden getauscht:
Stecker A Stecker B 1 weiß-orange → 3 weiß-grün 2 orange → 6 grün 3 weiß-grün → 1 weiß-orange 6 grün → 2 orange 4, 5, 7, 8 bleiben unverändert
Für Gigabit genügt das nicht, weil dort alle vier Paare gleichzeitig arbeiten. Ein vollständiges Gigabit-Kreuzkabel tauscht zusätzlich die beiden übrigen Paare — 4-5 gegen 7-8. Ein Kabel, das nur die ersten zwei Paare kreuzt, läuft an Gigabit-Ports entweder gar nicht oder fällt auf 100 Mbit/s zurück.
Das ist der Grund, aus dem alte Kreuzkabel aus der Schublade heute oft Probleme machen: Sie sind für Fast Ethernet gebaut.
Auto-MDI-X macht das Kreuzkabel überflüssig
Die Erkennung der Belegung — als MDI/MDI-X-Automatik oder Auto-Crossover bezeichnet — prüft beim Verbindungsaufbau, wie die Gegenseite belegt ist, und dreht die eigenen Paare bei Bedarf um. Die Entscheidung fällt in der Elektronik, nicht im Kabel.
Für Gigabit ist diese Automatik Bestandteil der Norm, also überall vorhanden. Bei 10- und 100-Mbit-Geräten war sie eine freiwillige Zugabe, die sich aber seit vielen Jahren durchgesetzt hat.
Daraus folgt für die Praxis: Zwei Geräte direkt zu verbinden gelingt mit einem gewöhnlichen Patchkabel. Wer einen Rechner mit einem anderen Rechner oder zwei Switches miteinander verkabelt, braucht kein besonderes Kabel — und wer trotzdem eines kauft, löst damit kein Problem.
Wann ein Kreuzkabel noch nötig ist
Es bleiben Restfälle, und die sind klar umgrenzt:
Alte Geräte ohne Automatik. Hubs und Switches aus der Zeit vor der Verbreitung von Auto-MDI-X, dazu einzelne Netzwerkkarten älterer Industrierechner.
Geräte mit ausdrücklich fester Belegung. Manche Mess- und Steuergeräte, Medienwandler und einfache Transceiver legen die Belegung fest und erkennen nichts.
Feste Verkabelung mit Uplink-Vorgabe. In Altinstallationen kann eine Strecke bereits gekreuzt aufgelegt sein. Verbindet man darüber Geräte mit Automatik, hebt sich die Kreuzung wieder auf — was unauffällig funktioniert, aber bei der Fehlersuche irritiert, weil die Dose anders belegt ist als das Schema vermuten lässt.
Woran man ein Kreuzkabel erkennt
Die Adernfarben an den beiden Steckern sind in unterschiedlicher Reihenfolge sichtbar. Hält man beide Stecker mit der Rastnase nach unten nebeneinander, stimmt die Farbfolge bei einem geraden Kabel überein und weicht beim Kreuzkabel an den Positionen 1, 2, 3 und 6 ab.
Fertig konfektionierte Kreuzkabel sind meist gekennzeichnet, oft durch rote Stecker oder einen Aufdruck. Verlassen sollte man sich darauf nicht; die Farbfolge ist der zuverlässigere Nachweis.
Was ein Kreuzkabel nicht ist
Kein Rollover-Kabel. Das Rollover- oder Konsolenkabel kehrt alle acht Adern um — 1 auf 8, 2 auf 7 und so weiter — und dient dem Zugang zur Konsole von Netzgeräten, nicht der Datenübertragung. Beide Kabel sehen auf den ersten Blick ähnlich aus und sind nicht gegeneinander verwendbar.
Keine Lösung für ein Verbindungsproblem. Kommt keine Verbindung zustande, liegt die Ursache heute praktisch nie an der Kreuzung. Häufiger sind ein aufgetrenntes Paar, ein Adernbruch, ein abgeschalteter Port oder eine fehlende Adresszuweisung.
Abgrenzung
Ein Patchkabel ist gerade durchverbunden und der Normalfall.
Ein aufgeteiltes Paar ist ein Verdrahtungsfehler, bei dem Adern aus verschiedenen Paaren zusammengefasst wurden. Es ist nicht dasselbe wie eine Kreuzung und macht sich erst bei höheren Frequenzen bemerkbar.
Die Belegung nach T568A und T568B legt die Zuordnung der Adern fest. Ein Kreuzkabel ist nichts anderes als ein Kabel, das auf der einen Seite nach dem einen und auf der anderen nach dem anderen Schema aufgelegt ist.
Quellen
- IEEE Std 802.3: Ethernet, Abschnitte zu MDI und Auto-Crossover
- ANSI/TIA-568: Balanced Twisted-Pair Telecommunications Cabling
- ISO/IEC 11801: Generic cabling for customer premises