Verkabelung

Verkabelung ist die Schicht unterhalb aller Netzprotokolle — und die einzige, die man nach der Installation nicht ohne Weiteres austauscht. Während Switches und Router im Zyklus von fünf bis sieben Jahren ersetzt werden, bleibt eine Gebäudeverkabelung zwanzig Jahre und länger liegen. Sie wird deshalb nicht für die aktuelle Anwendung ausgelegt, sondern für die übernächste.

Genau darin liegt die Idee der strukturierten Verkabelung, wie sie EN 50173 und ISO/IEC 11801 beschreiben: Die Infrastruktur ist dienstneutral. Über dieselben Kabel läuft Sprache, laufen Daten, läuft Gebäudetechnik — die Verkabelung weiß nicht, was sie überträgt, und muss es auch nicht wissen. Aufgeteilt wird nach Ebenen statt nach Anwendung: Der Primärbereich verbindet Gebäude untereinander, der Sekundärbereich die Etagen eines Gebäudes, der Tertiärbereich reicht bis zur Anschlussdose am Arbeitsplatz. Jede Ebene hat eigene Längenbegrenzungen und eigene übliche Medien.

Die zweite Ordnung betrifft das Kabel selbst. Kategorien wie Cat 6A oder Cat 8 beschreiben die Eigenschaften der einzelnen Komponente, Anwendungsklassen wie Klasse EA oder Klasse I die der fertig installierten Strecke. Beide werden im Alltag oft verwechselt, sind aber verschiedene Dinge: Ein Cat-6A-Kabel ergibt nur dann eine Klasse-EA-Strecke, wenn auch Dosen, Patchfelder und Verarbeitung mitziehen. Die schwächste Komponente bestimmt das Ergebnis — und genau deshalb wird nach der Installation gemessen und nicht nach Datenblatt geurteilt.

Ein dritter Bereich, der regelmäßig unterschätzt wird, ist die Schirmung. Die Kurzzeichen wirken kryptisch, folgen aber einer Systematik: Der Teil vor dem Schrägstrich beschreibt den Gesamtschirm, der Teil danach die Paarschirmung. U/UTP ist ungeschirmt, F/UTP hat einen Folienschirm außen, S/FTP kombiniert Geflecht außen mit Folie um jedes Paar. Der deutsche Begriff PiMF steht für dasselbe Prinzip der Einzelpaarschirmung. Welche Variante nötig ist, entscheidet die elektromagnetische Umgebung — und ob der Schirm durchgängig aufgelegt und geerdet wird, entscheidet darüber, ob er überhaupt wirkt.

Am Ende zählt, was die Messung sagt. Nahnebensprechen, Dämpfung, Rückflussdämpfung und Laufzeitdifferenz sind die Größen, an denen eine Strecke bestanden oder durchgefallen ist. Eine Zertifizierungsmessung dokumentiert das für jede einzelne Verbindung — und ist zugleich die Grundlage jeder Gewährleistung.

Knowledge Hubs

  • Lichtwellenleiter (LWL) Lichtwellenleiter erklärt: Singlemode und Multimode, OM- und OS-Klassen, Dämpfung und Dispersion, Spleißen sowie LC-, SC- und MPO-Steckverbinder.
  • Strukturierte Verkabelung Strukturierte Verkabelung erklärt: Primär-, Sekundär- und Tertiärbereich, die 90-Meter-Regel, Kategorien von Cat 5e bis Cat 8, Schirmung und Abnahmemessung.