ELFEXT – Equal Level Far End Crosstalk
Abkürzung: ELFEXT
ELFEXT ist eine Messgröße der Kabelmessung: das Übersprechen am fernen Leitungsende, bezogen auf die Stärke des Nutzsignals, das dort ankommt. In den aktuellen Normen heißt dieselbe Größe ACR-F.
Warum FEXT allein nichts aussagt
Übersprechen wird an zwei Stellen gemessen. NEXT (Near End Crosstalk) erfasst, wie viel Signal am selben Ende in ein Nachbarpaar einstreut, an dem gesendet wird. FEXT (Far End Crosstalk) erfasst dasselbe am entfernten Ende.
Bei FEXT entsteht dabei ein Auswertungsproblem. Das Störsignal hat die gesamte Leitung durchlaufen und ist gedämpft — aber das Nutzsignal ebenfalls. Ein FEXT-Wert von 40 dB sagt deshalb nichts darüber, ob der Empfänger das Nutzsignal noch vom Störsignal unterscheiden kann: Entscheidend ist das Verhältnis der beiden am Ort des Empfängers.
Genau das ist ELFEXT:
ELFEXT = FEXT − Dämpfung
Damit wird aus einem Absolutwert eine Aussage über die Qualität der Übertragung. Ein hoher ELFEXT-Wert bedeutet, dass das Nutzsignal deutlich über dem Übersprechen liegt.
Die Umbenennung in ACR-F
Die Normung hat die Bezeichnungen vereinheitlicht, weil dieselbe Rechnung auch am nahen Ende gilt. Heute heißen sie:
| alt | neu | Bedeutung |
|---|---|---|
| ACR | ACR-N | Verhältnis am nahen Ende (NEXT − Dämpfung) |
| ELFEXT | ACR-F | Verhältnis am fernen Ende (FEXT − Dämpfung) |
| PSELFEXT | PSACR-F | Summenwert über alle störenden Paare |
ACR steht für Attenuation to Crosstalk Ratio, N und F für near und far. Messgeräte und Prüfprotokolle verwenden beide Benennungen, abhängig von Alter und Hersteller — gemeint ist dasselbe.
Die Powersum-Varianten sind in der Praxis die aussagekräftigeren: Sie rechnen nicht ein Paar gegen ein anderes, sondern die Summe der Einstreuungen aller übrigen Paare. Da bei Gigabit und schneller alle vier Paare gleichzeitig senden, ist das der realistische Fall.
Ab wann der Wert zählt
Bei 100BASE-TX war ELFEXT praktisch bedeutungslos: Es werden nur zwei Paare genutzt, je eines pro Richtung, und das Fernende empfängt auf einem Paar, auf dem am nahen Ende nicht gesendet wird.
Mit 1000BASE-T änderte sich das grundlegend. Alle vier Paare übertragen gleichzeitig und in beide Richtungen. Jeder Empfänger sieht damit nicht nur das Übersprechen der lokalen Sender, sondern auch das der drei Sender am anderen Ende — und deren Signale sind am eigenen Ende gedämpft angekommen, während das lokale Übersprechen voll einstreut.
Bei 10GBASE-T kommt die Fremdeinstreuung aus benachbarten Kabeln hinzu, die als Alien Crosstalk separat gemessen wird und der Grund für paarweise geschirmte Kabel ist.
Was bei der Messung zu beachten ist
In beide Richtungen messen. Die Werte sind nicht symmetrisch, weil Aufbau und Verarbeitung an den beiden Enden unterschiedlich sind. Ein Abnahmeprotokoll, das nur eine Richtung zeigt, ist unvollständig.
Alle Paarkombinationen. Ein einzelnes schlecht verarbeitetes Paar fällt nur in der Kombination auf, an der es beteiligt ist.
Die Verarbeitung ist meist die Ursache. Fällt ACR-F durch, liegt es selten am Kabel: zu weit aufgedrillte Paare am Stecker, zu große Abmantellänge, nicht rundum aufgelegter Schirm. Die Norm gibt vor, wie weit die Verdrillung geöffnet werden darf — bei den höheren Kategorien sind das Millimeter.
Abgrenzung
NEXT misst am sendenden Ende und ist die bekanntere Größe; ACR-N setzt sie ins Verhältnis zur Dämpfung.
Alien Crosstalk ist die Einstreuung aus anderen Kabeln desselben Bündels, nicht zwischen Paaren eines Kabels — dagegen hilft PiMF.
Der Delay Skew ist die zweite Größe, die erst mit der gleichzeitigen Nutzung aller Paare relevant wurde.
Die Dämpfung geht in die Rechnung ein; sie allein beschreibt nur den Signalverlust, nicht die Störbarkeit.
Quellen
- ISO/IEC 11801: Information technology — Generic cabling for customer premises
- ANSI/TIA-568: Balanced Twisted-Pair Telecommunications Cabling and Components
- IEC 61935: Prüfung symmetrischer Kommunikationsverkabelung