Near End Crosstalk
Abkürzung: NEXT
Ein Paar, auf dem ein Signal läuft, koppelt einen Teil davon in die benachbarten Paare ein. Am stärksten ist dieser Effekt dort, wo das Sendesignal noch seine volle Stärke hat — also am sendenden Ende. Genau dort liegt zugleich das schwache Empfangssignal der Gegenrichtung. Das macht NEXT zur kritischsten Größe der Kupferverkabelung.
Die Messung
Das Prüfgerät sendet auf einem Paar und misst auf den übrigen die eingekoppelte Spannung. Angegeben wird der Abstand zwischen gesendetem und eingekoppeltem Pegel in Dezibel — je größer der Wert, desto besser, denn er beschreibt eine Dämpfung der Störung.
Gemessen wird über den gesamten Frequenzbereich der Kategorie und für alle sechs möglichen Paarkombinationen, von beiden Enden aus. Die Norm gibt für jede Frequenz einen Mindestwert vor; unterschritten wird er typischerweise bei den höchsten Frequenzen, weil die Einkopplung mit der Frequenz zunimmt.
Verwandte Größen
| Größe | Was gemessen wird |
|---|---|
| NEXT | Übersprechen am sendenden Ende, Paar gegen Paar |
| PSNEXT | Summe der Einkopplung aller übrigen Paare auf ein Paar |
| FEXT | Übersprechen am fernen Ende |
| ACR-F | FEXT, verrechnet gegen die Dämpfung der Strecke |
| ANEXT | Übersprechen zwischen benachbarten Kabeln |
PSNEXT ist die realistischere Größe, seit alle vier Paare gleichzeitig übertragen: Bei Gigabit-Ethernet und schneller stört nicht ein Nachbarpaar, sondern alle drei zusammen.
ACR-F ersetzt die früher gebräuchliche Angabe ELFEXT. Beim fernen Ende ist das Störsignal denselben Weg gelaufen wie das Nutzsignal und entsprechend gedämpft; erst die Verrechnung gegen die Streckendämpfung macht den Wert aussagekräftig.
Alien Crosstalk
ANEXT ist die Einkopplung zwischen verschiedenen Kabeln, die im Bündel nebeneinanderliegen. Innerhalb eines Kabels helfen die unterschiedlichen Schlaglängen der Paare; zwischen zwei Kabeln desselben Typs greift dieser Schutz nicht, weil dort gleiche Schlaglängen aufeinandertreffen.
Bei 10GBASE-T wurde das zum begrenzenden Faktor und ist der eigentliche Grund für die Entstehung von Cat 6A: dickere Mäntel, größerer Aderabstand, oft eine Paarschirmung. Siehe Kabelkategorien.
Praktisch heißt das: Lange, eng gebündelte Parallelverlegung mehrerer ungeschirmter Kabel ist bei 10 Gbit/s ein Risiko, das keine Einzelstreckenmessung aufdeckt — ANEXT wird nur in besonderen Messungen erfasst.
Wo NEXT entsteht
Nicht im Kabel, sondern fast immer an seinen Enden. Entlang der Strecke sorgt die Verdrillung für Ausgleich; am Steckverbinder und an der Schneidklemme ist sie zwangsläufig aufgehoben.
Daraus folgt die wichtigste Schlussfolgerung für die Praxis: Ein schlechter NEXT-Wert ist in aller Regel ein Verarbeitungsfehler, kein Materialfehler. Die üblichen Ursachen:
- zu weit aufgedrehte Verdrillung an der Klemmstelle, siehe Aderpaar
- falsche Paarzuordnung, also ein Split Pair
- ein Steckverbinder niedrigerer Kategorie in der Strecke
- gequetschtes oder zu eng gebogenes Kabel
- bei geschirmten Aufbauten ein nicht aufgelegter Schirm
Zeigt ein Messprotokoll NEXT-Fehler, lohnt sich deshalb zuerst der Blick auf die Dose und das Patchfeld, nicht auf die Kabeltrommel.