Split Pair
Ein Split Pair ist ein Verkabelungsfehler, bei dem Signale nicht auf einem verdrillten Paar laufen. Durchgangsprüfer finden ihn nicht.
Von einem Split Pair spricht man, wenn bei einem Twisted-Pair-Kabel die Adern zwar an beiden Enden auf dieselben Pins aufgelegt sind, dabei aber nicht paarweise. Die Verbindung ist damit elektrisch vollständig durchkontaktiert — jede Ader führt von Pin zu Pin —, doch die Signale laufen nicht mehr über ein gemeinsam verdrilltes Adernpaar.
Der Fehler gehört zu den unangenehmsten in der Kupferverkabelung: Er lässt sich mit einfachen Prüfmitteln nicht finden, und die Strecke funktioniert zunächst scheinbar.
Warum die Verdrillung entscheidend ist
Ethernet überträgt jedes Signal symmetrisch über zwei Adern: einmal in ursprünglicher, einmal in invertierter Form. Der Empfänger bildet die Differenz beider Signale. Eine Störung, die von außen einwirkt, trifft beide Adern annähernd gleich stark und hebt sich in dieser Differenz auf.
Das funktioniert nur, wenn beide Adern denselben Weg nehmen und dabei umeinander verdrillt sind. Die Verdrillung sorgt dafür, dass jede Ader über die Länge des Kabels demselben Störfeld ausgesetzt ist. Zugleich begrenzt sie das Übersprechen auf benachbarte Paare, weil sich die abgestrahlten Felder der beiden gegenläufigen Signale weitgehend aufheben.
Läuft ein Signal über zwei Adern aus verschiedenen Paaren, entfällt dieser Mechanismus. Die beiden Adern sind nicht miteinander verdrillt, sondern jeweils mit einer fremden Ader. Statt sich aufzuheben, koppeln die Signale in die Nachbarpaare ein.
Wie der Fehler entsteht
Für die strukturierte Verkabelung werden die Paare auf die Pins 1+2, 3+6, 4+5 und 7+8 aufgelegt. Entscheidend ist, dass auf jedem dieser Pinpaare ein zusammengehöriges, verdrilltes Adernpaar liegt.
Die Belegung 3+6 ist dabei die Falle. Sie wirkt unlogisch, weil zwischen den beiden Pins die Adern des blauen Paars auf 4 und 5 liegen. Wer die Adern in der Reihenfolge auflegt, in der sie aus dem Kabelmantel kommen, oder wer sie nach einer selbst gebildeten Farblogik sortiert, legt fast zwangsläufig ein Paar auf 3+4 und ein anderes auf 5+6 — und erzeugt damit zwei Split Pairs auf einen Schlag.
Charakteristisch ist, dass der Fehler an beiden Enden gleich gemacht wird. Genau deshalb bleibt die Durchgängigkeit erhalten: Pin 3 ist mit Pin 3 verbunden, Pin 4 mit Pin 4, und so fort. Wäre der Fehler nur an einem Ende, läge eine schlichte Vertauschung vor, die jeder Prüfer sofort anzeigt.
Ein Split Pair entsteht daher typischerweise, wenn beide Enden von derselben Person nach demselben falschen Schema aufgelegt wurden.
Abgrenzung: T568A und T568B sind keine Fehlerquelle
Für die Belegung existieren zwei genormte Schemata, T568A und T568B. Sie unterscheiden sich ausschließlich darin, dass das grüne und das orange Paar vertauscht sind:
| Pin | T568A | T568B |
|---|---|---|
| 1 | weiß-grün | weiß-orange |
| 2 | grün | orange |
| 3 | weiß-orange | weiß-grün |
| 4 | blau | blau |
| 5 | weiß-blau | weiß-blau |
| 6 | orange | grün |
| 7 | weiß-braun | weiß-braun |
| 8 | braun | braun |
Beide Schemata wahren die Paarzuordnung vollständig. Welches verwendet wird, ist für die Übertragung ohne Belang — entscheidend ist nur, dass innerhalb eines Kabels an beiden Enden dasselbe Schema verwendet wird.
Wird an einem Ende T568A und am anderen T568B aufgelegt, entsteht kein Split Pair, sondern ein Kreuzkabel. Auch dort bleiben alle Paare intakt; lediglich Sende- und Empfangspaar sind getauscht. Das ist ein anderer Sachverhalt und wird oft mit dem Split Pair verwechselt.
Bemerkenswert ist die Belegung des blauen Paars: Auf Pin 4 liegt die durchgefärbte Ader, auf Pin 5 die weiß gestreifte — umgekehrt zu allen anderen Paaren. Wer die Reihenfolge vereinheitlicht, weil sie inkonsistent aussieht, erzeugt eine Polaritätsvertauschung innerhalb des Paars. Die ist harmloser als ein Split Pair, aber ebenfalls nicht normgerecht.
Auswirkungen
Ein Split Pair äußert sich nicht als Ausfall, sondern als Leistungsproblem — und zwar abhängig von der Datenrate.
10BASE-T und 100BASE-TX nutzen nur zwei Paare, nämlich 1+2 und 3+6. Ein Split Pair auf 4+5 oder 7+8 bleibt hier vollständig folgenlos. Die Strecke läuft mit 100 Mbit/s einwandfrei, und die Verkabelung gilt als in Ordnung.
1000BASE-T nutzt alle vier Paare gleichzeitig und in beide Richtungen. Erst jetzt fällt der Fehler auf: Die Aushandlung scheitert, fällt auf 100 Mbit/s zurück, oder die Verbindung kommt zustande und liefert eine hohe Fehlerrate mit Paketverlusten.
Genau diese Konstellation macht den Fehler tückisch. Eine Strecke, die jahrelang unauffällig war, versagt beim Austausch eines Switches gegen ein Gigabit-Modell — und der Verdacht fällt zunächst auf das neue Gerät, nicht auf eine Verkabelung, die nie verändert wurde.
Ebenfalls betroffen ist die Fernspeisung: Verfahren, die alle vier Paare einbeziehen, reagieren empfindlich auf die veränderten Widerstandsverhältnisse eines aufgetrennten Paars.
Erkennung
Ein Durchgangsprüfer findet den Fehler nicht. Er stellt fest, dass jede Ader Kontakt hat und Pin auf Pin geführt ist — und genau das ist beim Split Pair der Fall.
Auch einfache Verdrahtungstester helfen nur bedingt: Sie prüfen die Paare 1-2, 3-6, 4-5 und 7-8 auf Durchgang, nicht aber, ob dort tatsächlich verdrillte Paare liegen. Geräte, die jede Ader einzeln prüfen, liefern immerhin genauere Angaben zur Fehlerstelle.
Zuverlässig nachweisbar ist ein Split Pair nur über eine Messung der hochfrequenten Eigenschaften der Strecke. Ein Kabelzertifizierer misst das Nahnebensprechen zwischen den Paaren; bei einem Split Pair liegen die Werte weit außerhalb der Grenzwerte, während die reine Durchgangsprüfung fehlerfrei bleibt. Diese Kombination — Verdrahtungsplan in Ordnung, Nebensprechen katastrophal — ist die Signatur des Fehlers.
Ohne Messgerät bleibt als Indiz das Verhalten: Läuft eine Strecke mit 100 Mbit/s stabil, scheitert aber reproduzierbar bei Gigabit, gehört ein Split Pair zu den ersten Verdächtigen.
Vermeidung
Die wirksamste Maßnahme ist, konsequent nach einem der beiden genormten Schemata zu arbeiten und die Adern vor dem Crimpen oder Auflegen anhand der Farben zu kontrollieren — nicht anhand ihrer Position im Kabel.
Hilfreich ist außerdem, die Verdrillung erst so kurz vor der Kontaktstelle wie möglich aufzulösen. Die Norm gibt hierfür ein knappes Maß vor; jede zusätzlich entdrillte Länge verschlechtert die Übertragungseigenschaften, auch wenn die Paarzuordnung stimmt.
Bei Anschlussdosen und Patchfeldern sind die Farbschemata beider Normen in der Regel aufgedruckt. Wer sie verwendet, statt nach Gedächtnis zu arbeiten, schließt den Fehler weitgehend aus.