Cat 6A oder Cat 7 – Kabelkategorien und Klassen
Cat 5e, Cat 6, Cat 6A, Cat 7, Cat 8: Die Kategorien sind die bekannteste Kennzeichnung in der Kupferverkabelung und zugleich die am häufigsten missverstandene. Hinter der Frage „welche Kategorie nehme ich" steht fast immer eine Installationsentscheidung — und die lässt sich nicht beantworten, solange Kategorie und Klasse durcheinandergehen.
Der Name führt dabei in die Irre: Eine Kategorie gilt nicht nur für das Kabel, sondern für jedes einzelne Bauteil. Eine Dose, ein Patchfeld und ein Stecker tragen ebenso eine Kategorie wie das Verlegekabel.
Kategorie und Klasse
Dies ist die Unterscheidung, an der sich alles Weitere entscheidet:
Die Kategorie bewertet ein Bauteil für sich — gemessen im Labor, angegeben vom Hersteller.
Die Klasse bewertet die fertig installierte Strecke von der Dose bis zum Patchfeld, einschließlich aller Steckverbinder, Kabel und der Verarbeitung. Angegeben wird sie als Klasse D, E, EA, F, FA sowie I und II. Siehe Anwendungsklassen der Verkabelung.
Zwischen beiden gilt eine einfache Regel: Die Strecke richtet sich nach dem schwächsten Bauteil. Ein Cat-7-Kabel an einer Cat-6-Dose ergibt eine Strecke nach Klasse E. Die Kategorie des Kabels ist dann nur noch eine Zahl auf dem Mantel.
Normiert sind die Klassen in ISO/IEC 11801, europäisch in EN 50173.
Die Kategorien im Überblick
| Kategorie | Grenzfrequenz | Klasse der Strecke | trägt |
|---|---|---|---|
| Cat 5e | 100 MHz | D | 1000BASE-T |
| Cat 6 | 250 MHz | E | 10GBASE-T nur auf kurzen Wegen |
| Cat 6A | 500 MHz | EA | 10GBASE-T über volle 100 m |
| Cat 7 | 600 MHz | F | — siehe unten |
| Cat 7A | 1000 MHz | FA | — siehe unten |
| Cat 8.1 | 2000 MHz | I | 25GBASE-T und 40GBASE-T über 30 m |
Eine Besonderheit am Rande: Cat 7 und Cat 7A sind Kategorien der ISO/IEC. Die amerikanische TIA hat sie nie übernommen — dort geht es von Cat 6A direkt zu Cat 8.
Warum Cat 7 keine Strecke ergibt
Hier liegt der Punkt, der in Beratungsforen endlos diskutiert und in Produktbeschreibungen gern übergangen wird.
Die Klassen F und FA verlangen Steckverbinder, die 600 beziehungsweise 1000 MHz übertragen. Das leistet RJ45 nicht — acht Kontakte dicht nebeneinander in einer Reihe sind bei diesen Frequenzen elektrisch am Ende. Vorgesehen waren dafür zwei andere Steckgesichter, GG45 und TERA. Beide sind am Markt gescheitert; Dosen, Patchfelder und Endgeräte gibt es praktisch ausschließlich mit RJ45.
Damit existiert Cat 7 als Kabel, aber nicht als Strecke. Wer Cat-7-Verlegekabel einzieht und beidseitig auf RJ45 auflegt — in Deutschland der Normalfall — erhält eine Strecke nach Klasse E oder EA, je nach den verwendeten Komponenten.
Das ist kein Fehler und kein Grund, anders zu kaufen. Es heißt nur: Die Strecke ist eine Klasse-EA-Strecke, kein „Cat-7-Netzwerk".
Die Entscheidung im Hausbau
Das übliche Ziel ist 10GBASE-T über die volle Streckenlänge. Dafür braucht es Klasse EA, und dafür braucht es Cat-6A-Komponenten — Dose, Patchfeld, Patchkabel, alle.
Daraus ergeben sich zwei gangbare Wege:
Durchgängig Cat 6A. Kabel und Komponenten aus derselben Kategorie. Günstiger, dünner, leichter zu verlegen, und das Kabel ist nicht besser als die Strecke.
Cat 7 oder 7A als Verlegekabel, Komponenten in Cat 6A. Ergibt dieselbe Klasse EA. Das stärkere Kabel ist Reserve für den Fall, dass sich irgendwann bessere Steckverbinder durchsetzen — und bleibt bis dahin ungenutzt. Der Preisunterschied beim Kabel ist gering, der Verlegeaufwand wegen des größeren Durchmessers und Biegeradius höher.
Beides ist vertretbar. Was nicht hilft:
- Cat 8 im Wohnhaus. Ausgelegt für 30 Meter im Rechenzentrum. Über Hausinstallationslängen bringt es nichts, und Endgeräte dafür gibt es im Heimbereich nicht.
- Eine höhere Kabelkategorie bei niedrigeren Komponenten. Verändert die Klasse nicht.
- Gemischte Komponenten. Eine einzige Cat-6-Dose in einer sonst durchgängigen Cat-6A-Strecke zieht die ganze Strecke herunter.
Was mehr bringt als die Kategorie
Bei einer Neuinstallation entscheidet über die spätere Brauchbarkeit fast immer etwas anderes:
Leerrohre statt direkt eingeputzter Kabel. Ein Leerrohr erlaubt, in fünfzehn Jahren etwas anderes einzuziehen. Eine Kategorie höher erlaubt das nicht.
Mehr Dosen als geplant. Die Rechnung ist einfach: Nachträglich eine Dose zu setzen kostet ein Vielfaches dessen, was sie beim Rohbau gekostet hätte.
Eine Dose, kein Kabelende. Ein aus der Wand hängendes Kabel mit aufgecrimptem Stecker ist keine Installation.
Ein Patchfeld statt einer Kiste mit Kabelenden. Das ist der Unterschied zwischen einer Verkabelung, die man ändern kann, und einer, die man ertragen muss.
Saubere Verarbeitung. Siehe unten.
Woran Strecken tatsächlich scheitern
In der Praxis liegt es fast nie an der Kategorie:
Zu weit entdrillt. Jeder Zentimeter aufgedrehte Verdrillung an der Klemmstelle verschlechtert die Übertragungseigenschaften. Die Verdrillung gehört so nah wie möglich an den Kontakt.
Falsche Paarzuordnung. Die Adern nach Reihenfolge statt nach Schema aufzulegen erzeugt ein Split Pair — die Verbindung steht, taugt aber nichts. Siehe T568A und T568B.
Unterschrittener Biegeradius, gequetschte Kabel, Zug beim Einziehen. Mechanische Schäden, die man nicht sieht und die sich erst in der Messung zeigen.
Keine Abnahmemessung. Ohne Messprotokoll ist die Klasse einer Strecke eine Behauptung.
Abgrenzung
AWG gibt den Leiterquerschnitt an, nicht die Kategorie. Dünnere Adern bedeuten höhere Dämpfung und damit kürzere zulässige Längen — unabhängig davon, welche Kategorie auf dem Mantel steht.
Die Schirmung ist von der Kategorie unabhängig. U/UTP, F/UTP, U/FTP und S/FTP beschreiben den Aufbau, nicht die Leistungsklasse. Siehe Schirmungsarten.
„Cat 7 Patchkabel" im Handel bezeichnet in aller Regel ein Kabel mit Cat-7-Aufbau und RJ45-Steckern. Für die Strecke zählt der Steckverbinder.