Schirmungsarten

Die Kurzzeichen wirken kryptisch, folgen aber einer festen Systematik: Vor dem Schrägstrich steht der Gesamtschirm, dahinter die Paarschirmung, gefolgt von TP für Twisted Pair.

KürzelGesamtschirmPaarschirm
U/UTPkeinerkeiner
F/UTPFoliekeiner
S/UTPGeflechtkeiner
SF/UTPGeflecht und Foliekeiner
U/FTPkeinerFolie je Paar
F/FTPFolieFolie je Paar
S/FTPGeflechtFolie je Paar

U steht für ungeschirmt, F für Folie, S für Geflecht. Ältere Bezeichnungen wie STP oder S/STP sind uneinheitlich verwendet worden und sollten durch die obige Schreibweise ersetzt werden.

Folie schirmt gut gegen hochfrequente Einstreuung, ist aber mechanisch empfindlich. Geflecht ist robuster und wirkt besser bei niedrigen Frequenzen; die Kombination aus beidem deckt den größten Bereich ab.

Die Schirmung wirkt nur als durchgehende Kette

Der häufigste Fehler bei geschirmten Installationen ist kein Materialfehler, sondern eine Lücke: Ein Schirm, der nicht durchgehend kontaktiert und geerdet ist, wirkt nicht — und kann schaden.

Erforderlich ist die Kette aus geschirmtem Kabel, geschirmtem Keystone-Modul, geschirmtem Patchfeld, geschirmten Patchkabeln und einer definierten Anbindung an den Potentialausgleich. Fehlt ein Glied, bleibt ein langes Stück Metall zurück, das als Antenne wirken kann statt als Schirm.

Geregelt ist der Potentialausgleich in EN 50310, die Ausführung der Verkabelung in EN 50174 — beide gehören zur Normenfamilie um EN 50173 und werden in Ausschreibungen regelmäßig vergessen.

Eine Nebenwirkung, die in Altbauten auftritt: Sind die Erdungspunkte zweier Gebäudeteile nicht auf gleichem Potential, kann über den Schirm ein Ausgleichsstrom fließen. Das ist einer der wenigen Fälle, in denen eine ungeschirmte Verkabelung die bessere Wahl ist.

Geschirmt oder ungeschirmt

Beides ist normgerecht, und beides erreicht die Klassen bis EA.

Für ungeschirmt sprechen geringerer Durchmesser, kleinerer Biegeradius, einfachere Verarbeitung und der Wegfall der gesamten Erdungsfrage. International ist U/UTP der Normalfall.

Für geschirmt sprechen die bessere Unterdrückung von Alien Crosstalk, höhere Störfestigkeit in belasteten Umgebungen und geringere Abstrahlung. In Deutschland ist geschirmte Verlegung die übliche Praxis.

Ab Klasse FA und bei Cat 8.2 ist Schirmung nicht mehr wahlfrei, sondern Voraussetzung.

Abstand zu Energieleitungen

Daran hängt die Frage, ob Daten- und Stromkabel nebeneinander liegen dürfen — und die Antwort hängt genau an der Schirmung.

Maßgeblich ist EN 50174-2. Sie gibt keinen festen Wert vor, sondern einen Abstand, der sich aus drei Einflüssen ergibt:

Die Schirmung des Datenkabels. Ungeschirmt verlangt den größten Abstand, ein Gesamtschirm deutlich weniger, geschirmte Paare noch weniger.

Die Art der Trennung. Ein metallischer Trennsteg oder ein geschlossener metallischer Kanal verringert den nötigen Abstand erheblich; eine Kunststoffwand praktisch nicht.

Zahl und Art der Stromkreise. Ein einzelner Stromkreis für Beleuchtung ist etwas anderes als ein Bündel aus zwanzig Leitungen oder ein Frequenzumrichter.

Die Größenordnung reicht von rund zwanzig Zentimetern bei ungeschirmter Parallelverlegung bis hinunter zu wenigen Zentimetern bei geschirmtem Kabel in metallisch getrenntem Kanal. Der verbindliche Wert gehört aus der Norm entnommen, nicht aus einer Faustregel.

Zwei Punkte, die oft untergehen:

Kreuzungen sind unkritisch, solange sie im rechten Winkel erfolgen. Begrenzt wird die Parallelführung, nicht jede Berührung.

Gemeinsame Leerrohre sind der eigentliche Problemfall. Strom- und Datenkabel in dasselbe Rohr zu ziehen, unterschreitet jeden Abstand und ist unabhängig von der Störfrage auch eine Frage der Zulässigkeit.

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