EN 50173
Wenn in einer deutschen Ausschreibung, einem Abnahmeprotokoll oder einem Leistungsverzeichnis eine Verkabelungsnorm steht, dann fast immer diese. EN 50173 ist die europäische Fassung dessen, was international ISO/IEC 11801 regelt, und der Inhalt ist weitgehend deckungsgleich.
Die deutsche Ausgabe trägt drei Bezeichnungen für dasselbe Dokument: DIN EN 50173-1 als deutsche Norm, EN 50173-1 als europäische Fassung und VDE 0800-173-1 als Einordnung in das VDE-Vorschriftenwerk. Maßgeblich ist derzeit die Ausgabe 2018-10, die deutsche Fassung der EN 50173-1:2018; sie hat die Fassung von 2011 ersetzt.
Die Teile der Reihe
Wie bei der internationalen Vorlage gilt ein allgemeiner Teil zusammen mit dem Teil für die jeweilige Umgebung:
| Teil | Umgebung |
|---|---|
| EN 50173-1 | Allgemeine Anforderungen |
| EN 50173-2 | Bürogebäude |
| EN 50173-3 | Industriell genutzte Standorte |
| EN 50173-4 | Wohnungen |
| EN 50173-5 | Rechenzentren |
| EN 50173-6 | Verteilte Gebäudedienste |
Ein Verweis auf „EN 50173" ohne Teilangabe ist deshalb unvollständig. Für eine Bürogebäudeverkabelung sind die Teile 1 und 2 gemeinsam maßgeblich.
Was die Reihe regelt — und was nicht
EN 50173 beschreibt das Ergebnis: Aufbau in Primär-, Sekundär- und Tertiärbereich, zulässige Längen, die Klassen der Übertragungsstrecken und die Größen, gegen die gemessen wird.
Wie gebaut wird, steht in den Begleitnormen — und die werden regelmäßig übersehen:
EN 50174 regelt die Installation. Teil 1 behandelt Spezifikation und Qualitätssicherung, Teil 2 die Planung und Ausführung innerhalb von Gebäuden, Teil 3 die Ausführung außerhalb. Hier stehen die Dinge, die in der Praxis über die Qualität entscheiden: Biegeradien, Zugkräfte, Trennungsabstände zu Energieleitungen, Dokumentation.
EN 50310 behandelt Erdung und Potentialausgleich in Gebäuden mit Kommunikationstechnik — die Voraussetzung dafür, dass eine geschirmte Verkabelung überhaupt wirkt. Siehe Schirmungsarten.
Wer eine Anlage „nach EN 50173" ausschreibt, ohne EN 50174 mitzunennen, hat die Ausführung nicht geregelt.
Was in eine Ausschreibung gehört
Aus der Struktur folgt, was ein belastbarer Verweis enthalten muss:
Die Teile. EN 50173-1 zusammen mit dem Teil der Umgebung.
Die Klasse, nicht die Kategorie. Gefordert wird eine Strecke, zum Beispiel Klasse EA — nicht „Cat 6A Kabel". Die Kategorie beschreibt Bauteile, die Klasse das Ergebnis, siehe Kabelkategorien.
Das Messmodell. Feste Verbindung oder Übertragungsstrecke; die Grenzwerte unterscheiden sich.
Die Installationsnorm. EN 50174 mit dem passenden Teil.
Die Dokumentation. Messprotokolle je Strecke, Beschriftung, Bestandsplan. Ohne Messprotokoll ist eine zugesicherte Klasse nicht nachgewiesen.
Verhältnis zu ISO/IEC 11801
Technisch laufen beide auf dasselbe hinaus; die europäische Reihe folgt der internationalen und übernimmt deren Struktur. Unterschiede liegen in Details, Fristen und gelegentlich in zusätzlichen europäischen Anforderungen.
Für die Praxis in Deutschland gilt die einfache Regel: zitiert wird EN 50173, beziehungsweise DIN EN 50173. Auf ISO/IEC 11801 verweisen in der Regel nur international tätige Hersteller und Dokumente mit weltweitem Geltungsanspruch.
Nicht zu verwechseln ist die Reihe mit DIN 18015, die die Elektroinstallation in Wohngebäuden regelt und für die Kommunikationsverkabelung lediglich Mindestausstattungen vorgibt. Siehe DIN 18015.