RJ11
Abkürzung: RJ11
Der Steckverbinder gehört zur Familie der Westernstecker und trägt sechs Kontaktplätze, von denen bei RJ11 nur die beiden mittleren bestückt sind. Technisch heißt diese Bauform 6P2C.
Verwandte Beschaltungen desselben Gehäuses sind RJ14 mit vier Kontakten für zwei Telefonleitungen und RJ25 mit sechs Kontakten für drei. Im Sprachgebrauch werden alle drei gern als RJ11 bezeichnet, weil sie äußerlich nicht zu unterscheiden sind.
Belegung
Die Kontakte werden von der Mitte nach außen belegt. Bei sechs Positionen ergibt sich damit:
| Positionen | Leitung |
|---|---|
| 3 und 4 | erste Leitung |
| 2 und 5 | zweite Leitung |
| 1 und 6 | dritte Leitung |
Diese Zählung von innen nach außen ist kein Zufall, sondern der Grund dafür, dass in der Datenverkabelung die Pins 3 und 6 ein Paar bilden und das Paar 4+5 umschließen. Die Belegungsschemata der strukturierten Verkabelung haben das Muster übernommen, damit beides zusammenpasst — siehe T568A und T568B.
RJ11 und RJ45 sind nicht inkompatibel
Eine verbreitete Fehlannahme, die auch in Fachtexten auftaucht: Die beiden seien mechanisch unvereinbar. Das trifft nur in einer Richtung zu.
Ein RJ11-Stecker passt in eine RJ45-Buchse. Er ist schmaler und rastet darin ein. Bei einer nach T568A aufgelegten Datendose landet er sogar auf den richtigen Kontakten, weil dort das Paar auf 4+5 liegt — genau dort, wo der Telefonstecker seine beiden Kontakte hat. Das ist beabsichtigt und erlaubt, ein analoges Telefon an eine Datendose zu hängen.
Ein RJ45-Stecker passt nicht in eine RJ11-Buchse. Er ist zu breit.
Der Schadensfall
Die Durchsteckbarkeit hat eine unangenehme Kehrseite. Der schmalere Stecker füllt die Buchse nicht aus und stützt die äußeren Kontakte 1 und 8 nicht ab. Wird er schief eingeführt oder mehrfach gesteckt, können diese Kontakte verbogen oder nach hinten gedrückt werden.
Die Buchse ist danach für Ethernet unbrauchbar, während Telefonie weiter funktioniert. Auffallen wird der Schaden erst, wenn jemand ein Netzwerkkabel einsteckt und keine Verbindung zustande kommt — oft Monate später und ohne erkennbaren Zusammenhang. In Umgebungen, in denen beides gesteckt wird, lohnt sich deshalb eine eindeutige Beschriftung der Dosen.
In Deutschland
Der klassische analoge Telefonanschluss endet hierzulande nicht in einem Westernstecker, sondern in der TAE-Dose mit ihrem flachen, kodierten Steckerbild. RJ11 begegnet einem dafür an anderer Stelle:
- an der Anschlussschnur zwischen Endgerät und Dose
- am DSL-Splitter und an älteren Modems
- an den Telefonanschlüssen vieler Router, dort meist als RJ11-Buchse ausgeführt
- in Telefonanlagen und bei importierten Geräten
Daraus folgt eine Stolperstelle beim Routertausch: Die Belegung der Telefonbuchsen ist herstellerabhängig, und ein Kabel, das am alten Gerät funktionierte, muss am neuen nicht passen.
Abgrenzung
RJ45 ist achtpolig und für Datenverkabelung vorgesehen. Die Bezeichnung ist dort ebenso ungenau wie hier — gemeint ist ein 8P8C-Modularstecker.
TAE ist die deutsche Anschlussdose für analoge Endgeräte, mechanisch völlig anders aufgebaut und nicht kompatibel.
RJ12 taucht gelegentlich als Bezeichnung für die sechspolige Variante mit sechs Kontakten auf. Die Benennung ist uneinheitlich; eindeutig ist nur die Angabe als 6P6C.