Westernstecker
Alle Vertreter teilen denselben Aufbau: ein durchsichtiges Kunststoffgehäuse, eine Rastnase als Verriegelung und Kontaktmesser, die beim Crimpen durch die Isolierung der Ader schneiden. Unterschiedlich sind nur Breite und Zahl der Kontakte.
Der Name hat nichts mit einer Himmelsrichtung zu tun, sondern geht auf die Western Electric zurück, den Fertigungsarm des amerikanischen Bell-Systems, in dem die Bauform entstand.
Positionen und Kontakte
Die technisch korrekte Bezeichnung besteht aus zwei Zahlen: wie viele Kontaktplätze das Gehäuse hat und wie viele davon tatsächlich bestückt sind.
| Bezeichnung | Positionen × Kontakte | Verbreitete Verwendung |
|---|---|---|
| 4P4C | 4 × 4 | Hörerschnur am Telefon |
| 6P2C | 6 × 2 | eine Telefonleitung |
| 6P4C | 6 × 4 | zwei Telefonleitungen |
| 6P6C | 6 × 6 | drei Leitungen, selten |
| 8P8C | 8 × 8 | Datenverkabelung, siehe RJ45 |
Ein Gehäuse mit sechs Positionen kann also zwei, vier oder sechs Kontakte tragen. Das erklärt, warum zwei äußerlich gleich breite Stecker unterschiedlich viele Adern führen — und warum die Zahl der sichtbaren Kontaktmesser mehr über den Stecker sagt als seine Bezeichnung.
Warum die RJ-Bezeichnungen in die Irre führen
RJ steht für Registered Jack und stammt aus einem amerikanischen Verzeichnis genormter Telefonanschlüsse. Ein RJ-Code beschreibt dort die gesamte Anschlussart — Bauform, Beschaltung und Verwendungszweck zusammen —, nicht den Steckverbinder allein.
Daraus folgt die verbreitete Ungenauigkeit: Was im Sprachgebrauch „RJ45-Stecker" heißt, ist technisch ein 8P8C-Modularstecker. Der echte RJ45 war eine Anschlussart mit mechanischer Kodierung und einem Widerstand für Modemanwendungen, die mit Datenverkabelung nichts zu tun hat.
Durchgesetzt haben sich die RJ-Bezeichnungen trotzdem, bis in Herstellerkataloge und Ausschreibungen. Wer präzise sein muss, nennt die Positions- und Kontaktzahl.
Was in welche Buchse passt
Hier liegt die praktisch wichtigste Eigenschaft der Familie, und sie wird regelmäßig falsch dargestellt:
Ein schmalerer Stecker passt in eine breitere Buchse. Ein sechspoliger Telefonstecker lässt sich in eine achtpolige Datendose stecken, ein vierpoliger ebenso.
Umgekehrt geht es nicht. Ein 8P8C-Stecker passt in keine sechspolige Buchse.
Die erste Richtung ist teils beabsichtigt — die Belegungsschemata der Datenverkabelung sind so entworfen, dass ein Telefonstecker in einer Datendose die richtigen Kontakte findet, siehe T568A und T568B. Sie ist zugleich eine Schadensquelle: Der schmalere Stecker stützt die äußeren Kontakte der Buchse nicht ab und kann sie verbiegen. Näheres unter RJ11.
In Deutschland
Für den analogen Telefonanschluss ist hierzulande nicht der Westernstecker maßgeblich, sondern die TAE-Dose mit ihrem eigenen, flachen Steckerbild. Westernstecker treten im Telefonbereich vor allem dort auf, wo Geräte verbunden werden — an Endgeräteschnüren, an DSL-Splittern und an Routern.
In der Datenverkabelung ist der achtpolige Modularstecker dagegen der Normalfall und praktisch konkurrenzlos.
Knickschutz und Lebensdauer
Die Rastnase ist das Bauteil, das als erstes bricht, meist weil am Kabel statt am Stecker gezogen wird. Aufgesteckte Schutztüllen oder Stecker mit überdachter Nase verlängern die Lebensdauer deutlich und verhindern außerdem, dass die Nase beim Herausziehen aus einem dicht belegten Patchfeld an den Nachbarsteckern hängenbleibt.