POF-Stecker

Der wichtigste POF-Stecker im Heimbereich ist keiner. Und genau das ist einer der großen Vorteile von POF-Kabeln: Sie benötigen keine aufwändige Konfektionierung. Im Heimbereich nutzt man eine steckerlose Direktanbindung der blanken POF-Fasern an den Transceiver.

Statt eines Steckers wird die Faser mit einem einfachen Cuttermesser glatt abgeschnitten und direkt in eine Klemmaufnahme am Gerät geschoben, wo sie mechanisch fixiert wird. Kein Spleißen, kein Polieren, kein Spezialwerkzeug. Diese werkzeuglose Terminierung ist der Grund, warum sich POF überhaupt als Nachrüstlösung eignet – Kabel ablängen, einstecken, fertig.

Möglich macht das die Faser selbst. Mit einem Kerndurchmesser von rund einem Millimeter und einem großen Akzeptanzwinkel sind die Toleranzen am Faserende unkritisch. Eine Glasfaser mit ihrem winzigen Kern von wenigen Mikrometern braucht dafür präzise geschliffene Ferrulen und exakt zentrierte Steckverbinder – bei POF genügt die geklemmte, plan geschnittene Faser.

Zwei steckerlose Systeme – getrennt nach Datenrate

Im Heimbereich haben sich zwei steckerlose Systeme etabliert, die sich sauber nach der Übertragungsrate aufteilen. Wer die Datenblätter der handelsüblichen Medienkonverter, Switches und Netzwerkdosen durchsieht, findet die Trennung ausnahmslos bestätigt.

Für Fast Ethernet (100 Mbit/s) kommt OptoLock von Firecomms zum Einsatz. OptoLock ist ein steckerloses, patentiertes System für 2,2-mm-POF, bei dem die blanke Faser direkt an einen Transceiver mit rotem 650-nm-Sender geklemmt wird.

Für Gigabit (1 Gbit/s) wird stattdessen die steckerlose Optik von Broadcom (ursprünglich Avago) verbaut, in den Gerätedatenblättern meist als FiberDock oder „Broadcom" bezeichnet. Technisch handelt es sich um dasselbe Prinzip – eine Klemmaufnahme für die blanke Faser, nur für die höhere Datenrate ausgelegt.

Diese Aufteilung ist wichtig für das Verständnis vieler Produktbeschreibungen: Zahlreiche Hersteller schreiben pauschal „OptoLock" über ihr gesamtes Sortiment. OptoLock ist jedoch eine geschützte Marke von Firecomms und kein Gattungsbegriff für „steckerlose POF-Verbindung". Laut Bauteil-Datenblättern sitzt in den Gigabit-Geräten in aller Regel die Broadcom-Optik, nicht OptoLock.

Warum überhaupt zwei Systeme? Gigabit über eine einzige Kunststofffaser lässt sich nicht mit einfachem An-und-Aus-Schalten des Lichts erreichen – dafür ist die Bandbreite der Faser zu gering. Die Gigabit-Optik nutzt deshalb ein mehrstufiges Modulationsverfahren und ist zwingend auf einen passenden POF-Übertragungsbaustein (PHY) angewiesen. Die einfachere Fast-Ethernet-Optik kommt ohne diesen Aufwand aus.

SMI – der einzige echte Stecker

Neben den beiden steckerlosen Systemen gibt es im Heimbereich genau einen echten, genormten Steckverbinder: SMI (Small Multimedia Interface), festgelegt in IEC 61754-21. SMI ist ein kleiner, rastender Duplexstecker und damit die einzige IEC-genormte POF-Steckverbindung mit realer Bedeutung im Heimnetz.

Seine Rolle ist allerdings eng umrissen. SMI dient nicht der Anbindung des fest verlegten Installationskabels, sondern als Steckgesicht für Patchkabel – etwa zwischen einer Anschlussdose und dem Endgerät. Verbreitet ist es vor allem im Dosensystem eines einzelnen Anbieters (digitalSTROM, vormals Casacom), wo passive Netzwerkdosen rückseitig die steckerlos geklemmte Installationsfaser aufnehmen und frontseitig eine SMI-Buchse für das Patchkabel bereitstellen. Selbst dort endet das Patchkabel geräteseitig oft wieder als blanke, geklemmte Faser.

Damit bleibt es bei der eingangs beschriebenen Regel: Die tragende Verbindungstechnik im POF-Heimnetz ist steckerlos. SMI ist die genormte Ausnahme für den Sonderfall des steckbaren Patchkabels.

Abgrenzung: Industrie und Consumer-Audio

Der Vollständigkeit halber: Außerhalb des Heimnetzes existiert eine reichhaltigere POF-Steckerwelt. In der Industrie- und Automatisierungstechnik sind echte, feldkonfektionierbare Steckverbinder üblich – Versatile Link (Broadcom) beziehungsweise das kompatible RedLink (Firecomms), dazu Ferrulen- und Schraubstecker wie F-SMA oder SC-RJ für Feldbus- und PROFINET-Anwendungen. Dort, wo Vibration, Staub oder definierte optische Übergänge eine Rolle spielen, sind gesteckte Verbindungen gegenüber der einfachen Klemmung im Vorteil.

Und im Wohnzimmer begegnet POF den meisten Menschen in einer ganz anderen Form: als TOSLINK-Verbindung für digitale Audiosignale. Der dort verwendete F05-Stecker ist zwar ein POF-Steckverbinder, hat mit Datennetzwerken aber nichts zu tun.

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