Media Oriented Systems Transport

Abkürzung: MOST

MOST (Media Oriented Systems Transport)

MOST ist ein serielles Bussystem für die Übertragung von Audio-, Video- und Steuerdaten im Fahrzeug. Es wurde speziell für die Automobilindustrie entwickelt, um Multimedia-Komponenten wie Autoradios, Navigationssysteme, Verstärker und Bildschirme über ein gemeinsames Netzwerk zu verbinden. MOST arbeitet mit einer synchronen Ringtopologie und bietet garantierte Bandbreite und geringe Latenz für Streaming-Daten.

Technische Grundlagen und Topologie

Das MOST-Netzwerk ist als Ring aufgebaut, bei dem alle Teilnehmer (MOST-Knoten) in Reihe geschaltet sind. Ein Knoten kann Quelle (z. B. CD-Wechsler), Senke (z. B. Verstärker) oder beides sein. Die Daten werden in einem kontinuierlichen, synchronen Datenstrom übertragen, den ein Timing Master erzeugt — meist das Hauptgerät wie das Radio. Rahmengröße und Aufteilung in synchrone, asynchrone und Steuerkanäle sind exakt spezifiziert.

Die Ringtopologie hat eine praktische Konsequenz: Fällt ein Knoten aus oder wacht nicht auf, ist der Ring unterbrochen und das gesamte Infotainment-System nicht verfügbar. Die Fehlersuche erfolgt deshalb typischerweise durch Auftrennen des Rings und Einschleifen eines Diagnose-Interfaces.

Die Netzwerkanbindung übernimmt bei MOST25 ein Network Interface Controller (NIC). MOST50 und MOST150 nutzen den Intelligent Network Interface Controller (INIC), der Physical Layer, MAC und Netzwerkmanagement in einem Baustein zusammenfasst und sowohl optische als auch elektrische Übertragung unterstützt.

Übertragungsmedium

MOST25 überträgt ausschließlich optisch über POF-Kabel — polymere optische Fasern mit 1 mm Durchmesser, gespeist von roten LEDs bei 650 nm. Die Wahl fiel auf POF, weil Lichtwellenleiter unempfindlich gegenüber elektromagnetischen Störungen sind und im Fahrzeug erhebliches Gewicht gegenüber geschirmten Kupferleitungen sparen.

MOST50 arbeitet dagegen rein elektrisch über geschirmte Kupferleitungen. MOST150 unterstützt beide Varianten: optisch über POF oder elektrisch über Koaxialkabel.

MOST25, MOST50 und MOST150

Es existieren drei Generationen des Standards.

MOST25 (Serieneinsatz ab 2001) überträgt mit 25 MBit/s brutto, wovon rund 23 MBit/s für synchrone Streaming-Daten zur Verfügung stehen — ausreichend für Mehrkanal-Audio in CD-Qualität und bis zu 15 Stereo-Audioverbindungen. Der Steuerkanal arbeitet mit 405 kBit/s.

MOST50 verdoppelt die Bandbreite auf rund 50 MBit/s, hat in der Serie jedoch nur geringe Verbreitung gefunden; der Sprung erfolgte in der Praxis überwiegend direkt von MOST25 auf MOST150.

MOST150 erreicht bis zu 150 MBit/s und wurde für hochauflösende Videoinhalte und IP-basierte Kommunikation entwickelt. Es bietet einen isochronen Kanal für Streaming-Daten sowie einen Ethernet-Kanal, der die Einbindung IP-basierter Dienste ohne Protokollumsetzung erlaubt.

Die drei Generationen unterscheiden sich in Rahmenformat und Signalisierung und sind untereinander nicht kompatibel.

MOST Cooperation und Standardisierung

MOST wurde von der MOST Cooperation spezifiziert, einem Zusammenschluss von Automobilherstellern und Zulieferern. Die Spezifikation umfasst die physikalische Schicht (POF oder Kupfer), die Datenverbindungsschicht (Rahmenstruktur, Fehlererkennung), die Netzwerkschicht (Adressierung, Routing) und die Anwendungsschicht (MOST NetServices). Die standardisierte Anwendungsschnittstelle erlaubte es Komponenten unterschiedlicher Hersteller, ohne Anpassungen miteinander zu kommunizieren.

MOST NetServices und Anwendungen

Die MOST NetServices sind ein Satz von Protokollen und Diensten auf Anwendungsebene für Geräteerkennung, Verbindungsaufbau und Steuerung von Multimedia-Streams. Typische Anwendungen sind die Übertragung von Audiodaten vom Wechsler im Kofferraum zum Verstärker, die Darstellung von Navigationskarten auf dem Bildschirm in der Mittelkonsole oder die Einbindung von Freisprecheinrichtungen. MOST war rund zwei Jahrzehnte der prägende Standard für Infotainment in Fahrzeugen der Ober- und Mittelklasse.

Ablösung durch Automotive Ethernet

Mit der steigenden Komplexität vernetzter Fahrerassistenzsysteme und dem Trend zu zentralisierten Fahrzeugarchitekturen wird MOST zunehmend durch Automotive Ethernet nach IEEE 802.3bw (100BASE-T1) und IEEE 802.3bp (1000BASE-T1) abgelöst. Ethernet bietet höhere Bandbreiten, eine sternförmige Topologie ohne die Ausfallcharakteristik des Rings und die native Integration IP-basierter Protokolle.

Parallel dazu wurde mit IEEE 802.3bv (1000BASE-RH) Gigabit Ethernet über POF standardisiert — die optische Übertragung im Fahrzeug bleibt damit als Option erhalten, nun aber auf Ethernet-Basis statt mit einem eigenen Bussystem. MOST findet sich weiterhin in zahlreichen Bestandsfahrzeugen und bleibt für Diagnose und Instandsetzung relevant.

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