Online-USV

Eine Online-USV, auch Doppelwandler-USV, versorgt die angeschlossenen Geräte dauerhaft aus ihrem eigenen Wechselrichter. Der Strom aus dem Netz wird zuerst gleichgerichtet und dann wieder zu Wechselstrom gewandelt. Die Last hängt nie direkt am Netz.

Die Norm IEC 62040-3 (in Deutschland DIN EN IEC 62040-3) nennt diese Bauart VFI, Voltage and Frequency Independent: Spannung und Frequenz am Ausgang sind von denen am Eingang unabhängig, ohne dass dafür die Batterie entladen wird. Offline- und Line-interactive-USV (VFD und VI) beschreibt das Lemma USV.

Aufbau

BaugruppeAufgabe
Gleichrichterwandelt die Netzspannung in Gleichspannung für den Zwischenkreis
Zwischenkreis mit BatterieGleichspannung, an der die Batterie direkt oder über einen Wandler hängt
Wechselrichtererzeugt aus der Gleichspannung eine saubere Sinusspannung für die Last
Statischer Bypasselektronischer Schalter, der die Last bei Überlast oder Fehler direkt aufs Netz legt
WartungsbypassHandschalter, um die USV für Arbeiten komplett herauszunehmen

Fällt das Netz aus, liefert die Batterie den Zwischenkreis weiter. Der Wechselrichter merkt davon nichts, er läuft ohne Unterbrechung weiter. Darin liegt der Unterschied zu den einfacheren Bauarten, die erst bei Netzausfall auf den Wechselrichter umschalten.

Online-USV oder Line-interactive

MerkmalLine-interactive (VI)Online (VFI)
Last im Normalbetriebam Netz, Spannung über Transformator geregeltam Wechselrichter
Umschaltzeit bei Netzausfallwenige Millisekundenkeine
Frequenzschwankungengehen zur Last durch oder lösen Batteriebetrieb auswerden ausgeregelt
Oberschwingungen und Spannungsspitzenwerden nur teilweise gefilterterreichen die Last nicht
Betrieb an einem Notstromaggregathäufige Wechsel in den Batteriebetrieb bei schwankender Frequenzstabil
Wirkungsgradhöherniedriger, die Doppelwandlung kostet Energie
Geräusch, WärmegeringLüfter laufen dauernd

Für einen einzelnen Arbeitsplatz oder einen kleinen Netzwerkschrank reicht oft Line-interactive. Eine Online-USV lohnt sich, wo Geräte empfindlich sind, die Netzqualität schlecht ist oder ein Notstromaggregat die Versorgung übernimmt. Im Rechenzentrum ist sie der Standard.

Der Klassifizierungscode

Die Norm beschreibt eine USV mit einem dreiteiligen Code, etwa VFI-SS-111. Er steht im Datenblatt und ist belastbarer als Werbebegriffe wie „echte Online-USV“.

TeilBedeutungWerte
1Abhängigkeit vom EingangVFD, VI, VFI
2Kurvenform der Ausgangsspannung, erst im Netz- oder Bypassbetrieb, dann im BatteriebetriebS = Sinus (Klirrfaktor höchstens 8 %), X = Sinus nur bei linearer Last, Y = kein Sinus
3Verhalten bei Laständerungen: Wechsel der Betriebsart, linearer Lastsprung, nichtlinearer Lastsprung1 = für empfindliche Lasten, 2 = für die meisten kritischen Lasten, 3 = für übliche IT-Netzteile

VFI-SS-111 ist die beste Einstufung: unabhängig vom Netz, in jeder Betriebsart Sinus, bei jedem Lastwechsel innerhalb der engsten Toleranzkurve. Eine USV mit Y im zweiten Teil liefert im Batteriebetrieb eine Rechteck- oder Treppenspannung — für Schaltnetzteile meist unkritisch, für Motoren und Transformatoren nicht.

ECO-Modus

Viele Online-USV haben einen Sparbetrieb, je nach Hersteller ECO-Modus, Effizienzmodus oder ähnlich benannt. Die Last läuft dann über den statischen Bypass direkt am Netz, der Wechselrichter wartet in Bereitschaft. Der Wirkungsgrad steigt auf rund 98 bis 99 Prozent.

Der Preis: In diesem Betrieb ist die Online-USV keine Online-USV mehr. Sie arbeitet wie eine Offline- oder Line-interactive-USV, mit Umschaltzeit und ohne Schutz vor Netzstörungen. Im Rechenzentrum ist der ECO-Modus deshalb eine bewusste Abwägung zwischen Energiekosten und Schutz, keine Voreinstellung.

Auslegung

Leistung. Angegeben in kVA (Scheinleistung) und kW (Wirkleistung). Maßgeblich für IT ist die Wirkleistung. Aktuelle Geräte haben einen Leistungsfaktor am Ausgang von 0,9 bis 1, ältere oft 0,8 — eine 10-kVA-USV liefert dann nur 8 kW.

Eingangsseite. Moderne Online-USV haben einen Gleichrichter mit Leistungsfaktorkorrektur und belasten Netz und Notstromaggregat kaum mit Oberschwingungen. Ältere Anlagen mit Thyristor-Gleichrichtern brauchen dafür Filter und ein größer dimensioniertes Aggregat.

Überbrückungszeit. Ausgelegt wird auf Minuten, nicht Stunden: genug, bis die Netzersatzanlage übernimmt, oder um Systeme geordnet herunterzufahren.

Redundanz. Größere Anlagen bestehen aus parallel geschalteten Modulen, sodass ein Modul ausfallen oder getauscht werden kann, ohne dass die Last auf den Bypass geht (N+1).

Normen

  • IEC 62040-3 / DIN EN IEC 62040-3: Unterbrechungsfreie Stromversorgungssysteme (USV) — Teil 3: Methoden zum Festlegen der Leistungs- und Prüfungsanforderungen

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