Packet Switched Data Network

Abkürzung: PSDN

Ein PSDN ist ein öffentliches Datennetz mit Paketvermittlung. Der Begriff stammt aus der Zeit vor dem Internet und bezeichnet die Netze, die ab den 1970er Jahren von den staatlichen Fernmeldeverwaltungen aufgebaut wurden — in Deutschland Datex-P, in anderen Ländern unter eigenen Namen.

Die Technik dahinter war fast überall dieselbe: X.25.

Was Paketvermittlung gegenüber Leitungsvermittlung änderte

Die Netze davor arbeiteten leitungsvermittelt: Für die Dauer einer Verbindung wurde ein durchgehender Weg geschaltet und ausschließlich für diese Verbindung vorgehalten — unabhängig davon, ob Daten flossen. Bei einem Terminal, das minutenlang auf eine Eingabe wartet, ist das Verschwendung.

Die Paketvermittlung zerlegt die Daten in Pakete, die einzeln weitergereicht werden. Zwischen zwei Paketen steht die Leitung anderen zur Verfügung. Daraus folgte das Abrechnungsmodell, das diese Netze prägte: bezahlt wurde nach übertragenem Datenvolumen, nicht nach Verbindungsdauer. Eine Terminalsitzung konnte stundenlang offen bleiben und kostete fast nichts, solange niemand tippte — ein Vorteil, der im Vergleich zur Telefonwählverbindung schwer wog.

Ein PSDN war dabei ein verbindungsorientiertes Netz: Vor dem Datenaustausch wurde eine virtuelle Verbindung aufgebaut, über die alle Pakete in derselben Reihenfolge liefen. Das unterscheidet es grundlegend vom Internet, das Pakete einzeln und ohne feste Wegvorgabe weiterleitet.

Wie ein PSDN aufgebaut war

Die Begriffe, die in Unterlagen aus dieser Zeit auftauchen:

DTE ist das Endgerät des Teilnehmers, DCE der Netzabschluss. Die Schnittstelle dazwischen war X.21 oder, für vorhandene Geräte, X.21bis.

PAD (Packet Assembler/Disassembler) verpackte die Zeichen eines einfachen Terminals in Pakete und wieder zurück. Das war der Zugang für alle, die kein X.25-fähiges Gerät hatten — man wählte sich per Modem beim PAD ein und war im Netz.

X.121 legte den Nummernplan fest: eine vierstellige Netzkennzahl, gefolgt von der Teilnehmernummer. Das Gegenstück zur Telefonnummer, mit eigener Systematik.

X.75 verband die Netze verschiedener Länder miteinander — das, was die Zusammenschaltung international überhaupt möglich machte.

Die Datenraten lagen bei einigen hundert Bit je Sekunde bis zu 64 kbit/s. Das klingt nach wenig und reichte für den Zweck: Bildschirmmasken, Buchungen, Abfragen.

Wofür PSDN genutzt wurden — und warum sie verschwanden

Die Anwendungen waren fast durchweg betrieblich: Zahlungsverkehr und Kartenterminals, Buchungssysteme für Reisen, Lagerhaltung und Bestellwesen, Auskunftsdienste, Datenübertragung zwischen Filialen. Dazu kam in Deutschland der Btx-Dienst, der über dieselbe Infrastruktur lief.

Verschwunden sind sie aus drei Gründen:

Die Fehlersicherung wurde überflüssig. X.25 sicherte jeden Abschnitt einzeln ab, weil die Leitungen schlecht waren. Mit besseren Strecken war dieser Aufwand nicht mehr nötig — Frame Relay strich ihn, und TCP/IP verlagerte die Sicherung an die Enden.

Die Datenraten reichten nicht mehr. 64 kbit/s waren für Terminalverkehr ausreichend und für alles andere zu wenig.

Das Internet war billiger und offen. Ein PSDN war ein Netz mit Teilnehmerverzeichnis, Anmeldung und mengenabhängiger Abrechnung. Das Internet brauchte nichts davon.

Datex-P wurde Mitte der 2000er Jahre eingestellt. Einzelne X.25-Strecken liefen in der Luftfahrt und bei Zahlungssystemen noch länger weiter, weil die angeschlossenen Anlagen nicht ohne Weiteres austauschbar waren.

Abgrenzung

X.25 ist das Protokoll, mit dem fast alle PSDN arbeiteten. Der Begriff PSDN bezeichnet den Dienst, X.25 die Technik.

Datex-P war das deutsche PSDN, Datex-L sein leitungsvermitteltes Gegenstück.

Frame Relay ist der Nachfolger mit demselben Grundgedanken und ohne die abschnittsweise Fehlersicherung.

ISDN ist leitungsvermittelt und damit das Gegenmodell — mit dem Unterschied, dass es die Signalisierung sauber vom Nutzkanal trennt.

Internet arbeitet verbindungslos: Jedes Paket findet seinen Weg einzeln, und eine virtuelle Verbindung gibt es erst auf der Transportschicht mit TCP.

Quellen

  • ITU-T X.25: Interface between DTE and DCE for terminals operating in the packet mode
  • ITU-T X.121: International numbering plan for public data networks
  • ITU-T X.75: Packet-switched signalling system between public networks
  • ITU-T X.3, X.28, X.29: Packet Assembly/Disassembly facility (PAD)

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