Runt, Giant und Jabber

Runt, Giant und Jabber bezeichnen Ethernet Frames mit unzulässiger Länge. Ihre Zähler auf Switch-Ports verraten die Fehlerursache.

Ein Ethernet Frame muss zwischen 64 und 1518 Byte lang sein. Frames außerhalb dieser Grenzen werden verworfen und je nach Fehlerbild in unterschiedlichen Zählern erfasst. Diese Zähler sind bei der Fehlersuche oft aussagekräftiger als die reine Feststellung, dass Pakete verloren gehen.

Runt

Ein Runt (Zwerg) ist ein Frame, der kürzer als 64 Byte ist.

Regulär kann ein solcher Frame nicht entstehen: Zu kurze Payloads werden vom Sender mit Füllbytes ergänzt. Ein Runt ist deshalb immer das Ergebnis eines Fehlers.

Klassische Ursache war die Kollision bei geteiltem Medium. Zwei gleichzeitig sendende Stationen brachen ihre Übertragung ab, sobald sie die Kollision bemerkten; das bereits gesendete Bruchstück blieb als Runt zurück. Da die Kollisionserkennung innerhalb von 512 Bit erfolgen musste, war jedes solche Fragment kürzer als 64 Byte — genau darauf beruht das Fragment-Free-Verfahren in Switches.

In heutigen Vollduplexnetzen gibt es keine Kollisionen. Runts deuten dort auf andere Ursachen hin: defekte Schnittstellen, beschädigte Leitungen oder — besonders häufig — auf eine Duplex-Fehlanpassung, bei der eine Seite im Vollduplexbetrieb arbeitet und die andere weiterhin Kollisionserkennung durchführt.

Giant

Ein Giant (Riese) ist ein Frame, der die zulässige Höchstlänge überschreitet, dabei aber eine gültige Prüfsumme trägt.

Die häufigste Ursache ist keine Störung, sondern eine Konfigurationsdifferenz: Ein Gerät sendet getaggte oder überlange Frames, während das empfangende Gerät die entsprechende Erweiterung nicht kennt oder nicht dafür eingerichtet ist. Typische Fälle sind VLAN-Tags an einem Port, der sie nicht erwartet, sowie Jumbo Frames, die nur auf einem Teil der Strecke zugelassen sind.

Giants treten deshalb oft schlagartig nach einer Konfigurationsänderung auf und betreffen nur bestimmte Verkehrsarten — kleine Pakete kommen durch, große nicht.

Jabber

Ein Jabber (quasseln) ist ein überlanger Frame mit zusätzlich fehlerhafter Prüfsumme.

Der Begriff bezeichnet daneben ein Verhalten: eine Station, die dauerhaft sendet, ohne die Übertragung zu beenden. Bei geteiltem Medium legte ein solcher Sender das gesamte Segment lahm, weshalb Schnittstellen eine Schutzschaltung besitzen, die die Übertragung nach einer festgelegten Höchstdauer abbricht.

Jabber weist im Gegensatz zum Giant fast immer auf einen Hardwaredefekt hin — eine ausfallende Schnittstelle, ein defekter Transceiver oder ein Gerät mit fehlerhafter Firmware.

Alignment Error

Ein Alignment Error liegt vor, wenn ein Frame eine fehlerhafte Prüfsumme aufweist und nicht aus einer ganzen Anzahl von Byte besteht.

Diese Kombination unterscheidet ihn vom gewöhnlichen Prüfsummenfehler. Einzelne verfälschte Bits ändern nichts an der Gesamtlänge; ein unvollständiges Byte deutet dagegen darauf hin, dass der Empfänger den Takt verloren hat.

Ursachen sind Taktprobleme auf der Strecke: unzureichende Signalqualität, überschrittene Leitungslängen, starke Störeinstreuung oder ein defekter Transceiver.

Zähler richtig lesen

Die Zähler entfalten ihren Wert im Zusammenhang. Einzelne Fehlerbilder lassen sich Ursachen recht gut zuordnen:

BeobachtungWahrscheinliche Ursache
Runts und späte KollisionenDuplex-Fehlanpassung
Nur Giants, nur bei großen Paketenuneinheitliche MTU oder VLAN-Konfiguration
FCS-Fehler und Alignment ErrorsVerkabelung, Störeinstreuung, Länge
JabberHardwaredefekt am Gegenüber

Besonders aussagekräftig ist die späte Kollision — eine Kollision, die nach den ersten 64 Byte gemeldet wird. Im regulären Betrieb kann sie nicht auftreten: Nach dieser Zeitspanne hat jede Station die Leitung belegt. Sie ist damit ein nahezu eindeutiger Hinweis auf eine Duplex-Fehlanpassung oder eine unzulässig lange Strecke.

Wichtig ist außerdem die Richtung. Fehlerzähler stehen dort, wo der Frame empfangen wurde — die Ursache liegt am anderen Ende oder auf der Leitung dazwischen, nicht am zählenden Gerät.

Stand: