RAS to CAS Delay

Abkürzung: tRCD

Was ist tRCD?

tRCD steht für RAS to CAS Delay und bezeichnet ein zentrales Timing in dynamischen Arbeitsspeichern. Es beziffert die minimale Verzögerung in Taktzyklen, die zwischen der Aktivierung einer Zeile und dem Zugriff auf eine Spalte innerhalb dieser Zeile liegen muss. Der Wert wird in Datenblättern und BIOS-Einstellungen als Zahl hinter der CAS Latency angegeben, etwa als Teil der Zeichenkette CL16-18-18-38. tRCD ist eine physikalisch bedingte Wartezeit, die sich aus dem inneren Aufbau von DRAM-Chips ergibt.

Physikalischer Hintergrund

Jede Speicherzelle in einem DRAM-Chip sitzt an einem Kreuzungspunkt aus Wortleitung und Bitleitung. Vor jedem lesenden oder schreibenden Zugriff muss die zuständige Wortleitung auf Spannung gebracht werden. Dieser Vorgang heißt Zeilenaktivierung und wird durch das RAS-Signal ausgelöst. Erst wenn die Spannung stabil anliegt und die Sense-Amplifier die winzigen Ladungen der Zellen erfasst haben, darf das CAS-Signal die Spaltenadresse übergeben. tRCD definiert genau diese Pause zwischen RAS und CAS.

Die einzelnen Schritte beim Speicherzugriff

Der Speichercontroller aktiviert zunächst eine Zeile, indem er die Adresse auf den Bus legt und RAS ausgibt. Die interne Logik des DRAM-Chips benötigt nun Zeit, um alle Speicherzellen der adressierten Zeile auszulesen und in den Zwischenspeichern bereitzustellen. Nach Ablauf von tRCD darf der Controller eine oder mehrere Spaltenadressen anlegen und CAS auslösen. Auf diesen Befehl hin werden die Daten aus den Zwischenspeichern ausgewählt und an den Bus ausgegeben. Ein zu kurzer tRCD-Wert führt dazu, dass das CAS-Signal vor vollständiger Stabilisierung eintrifft, was Zugriffsfehler und Datenkorruption verursacht.

Auswirkung auf die Leistung

tRCD beeinflusst zusammen mit anderen primären Timings die Latenz und den Durchsatz des Arbeitsspeichers. Jeder wahlfreie Zugriff auf eine neue Zeile erfordert die Aktivierungsphase und damit das vollständige Abwarten von tRCD. Bei sequentiellen Bursts innerhalb einer offenen Zeile wirkt sich tRCD nicht aus. Speicherintensive Anwendungen mit vielen zufälligen Zugriffen profitieren daher überproportional von niedrigeren tRCD-Werten. In synthetischen Benchmarks kann eine Reduzierung um zwei Taktzyklen Latenzwerte um mehrere Prozent senken.

Zusammenhang mit anderen Speichertimings

tRCD ist ein Teil der sogenannten primären Timings, zu denen auch CAS Latency, tRP und tRAS gehören. Die CAS Latency bestimmt die Wartezeit nach dem CAS-Signal bis zum Erscheinen der Daten auf dem Bus. tRP definiert die Zeit, die nach einem Schließen der Zeile verstreichen muss, bevor eine andere Zeile derselben Bank aktiviert werden darf. tRAS legt die Mindestdauer fest, die eine Zeile aktiv bleiben muss. Alle vier Werte stehen in einem engen physikalischen und elektrischen Verhältnis zueinander und werden gemeinsam optimiert.

Overclocking und Optimierung im BIOS

Moderne UEFI-BIOS-Versionen erlauben die manuelle Einstellung von tRCD. Enthusiasten und Übertakter senken den Wert oft gemeinsam mit der CAS Latency ab, um höhere Leistung zu erzielen. Dabei gilt: Je hochwertiger der Speicherchip, desto niedriger die mögliche Verzögerung. Samsung-B-Dies und ähnliche hochwertige ICs erlauben aggressive tRCD-Werte, während günstigere Chips mehr Taktzyklen benötigen. Stabilitätstests mit memtest86 oder vergleichbaren Werkzeugen sind nach jeder Änderung zwingend.

XMP und EXPO

Memory-Profile wie XMP und EXPO hinterlegen optimierte tRCD-Werte zusammen mit den übrigen Timings und der Spannung im SPD-Chip des Moduls. Beim Aktivieren eines solchen Profils im BIOS übernimmt das Mainboard automatisch die vom Hersteller getesteten Einstellungen. Das ist die sicherste Methode, einen niedrigen tRCD-Wert ohne manuelles Austesten zu erreichen. Ein hoch spezifiziertes XMP-Profil enthält dabei Werte, die vom Chiphersteller garantiert werden.

Worauf es beim Kauf ankommt

Die tRCD-Spezifikation findet sich in der detaillierten Modulbeschreibung, oft in der Form CL16-18-18-38 oder ähnlich. Der erste Wert ist die CAS Latency, der zweite ist tRCD. Ein Modul mit der Kennzeichnung DDR4-3600 CL16-18-18-38 hat also einen tRCD von 18 Taktzyklen. Für durchschnittliche Desktop- und Gaming-Systeme sind die vom Hersteller garantierten XMP-Werte ausreichend. Feintuning bringt nur in spezialisierten Workstations oder Wettkampfsystemen spürbare Vorteile.

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