Up0

Abkürzung: Up0

Up0 bezeichnet eine digitale Schnittstelle, über die Systemtelefone und Endgeräte an eine Telekommunikationsanlage angeschlossen werden. Sie überträgt dieselben Kanäle wie ein ISDN-Basisanschluss — zwei Nutzkanäle und einen Signalisierungskanal —, benötigt dafür aber nur eine Doppelader statt zweier.

Verbreitete Schreibweisen sind Up0, UP0E und UPN; die letzte stammt von einem Hersteller und bezeichnet dessen Ausprägung.

Warum es die Schnittstelle gibt

Der genormte S0-Bus benötigt vier Adern und ist auf wenige hundert Meter begrenzt — bei mehreren angeschlossenen Geräten deutlich weniger. Für eine Telefonanlage in einem Bürogebäude ist das oft zu wenig.

Up0 löst beide Einschränkungen. Es kommt mit zwei Adern aus, nutzt also die vorhandene Telefonverkabelung unverändert, und erreicht Entfernungen von rund einem Kilometer.

Der Preis ist die Beschränkung auf ein Gerät je Anschluss. Ein Bus mit mehreren Endgeräten ist nicht vorgesehen — was in der typischen Anwendung, einem Systemtelefon je Arbeitsplatz, keine Rolle spielt.

Technisch entspricht die Übertragung dem, was auf der Anschlussleitung zwischen Vermittlungsstelle und Kunde verwendet wird: ein Verfahren, das mit einer Doppelader auskommt und Sende- und Empfangsrichtung durch Echokompensation trennt.

Keine einheitliche Norm

Der wesentliche Punkt für die Praxis: Up0 ist nicht durchgängig genormt.

Während die grundlegende Übertragung auf der Leitung vergleichbar ist, unterscheiden sich die darüberliegenden Festlegungen zwischen den Herstellern — insbesondere die Protokolle, mit denen Systemtelefone ihre Funktionstasten, Anzeigen und Leistungsmerkmale austauschen.

Daraus folgt: Ein Systemtelefon eines Herstellers arbeitet in aller Regel nicht an der Anlage eines anderen. Selbst wenn die Verbindung physikalisch zustande kommt, fehlt die gemeinsame Sprache oberhalb.

Wer Ersatz für ein defektes Gerät sucht, muss deshalb auf die passende Baureihe achten. Eine Kompatibilität, wie sie bei genormten Schnittstellen selbstverständlich wäre, besteht nicht.

Speisung

Über dieselbe Doppelader wird das Endgerät mit Strom versorgt. Ein Systemtelefon benötigt kein Netzteil — bei einer Anlage mit Notstromversorgung bleibt die Telefonie damit auch bei Stromausfall verfügbar.

Diese Eigenschaft ist einer der Gründe, warum Anlagen mit Up0-Anschlüssen in Bereichen mit Verfügbarkeitsanforderungen lange bevorzugt wurden.

Einordnung heute

Mit der Umstellung auf IP-basierte Telefonie verliert die Schnittstelle an Bedeutung. Neue Anlagen binden Endgeräte über Ethernet an, mit Speisung über das Datenkabel.

Im Bestand sind Up0-Anschlüsse dennoch weit verbreitet, und für ihre Weiternutzung existieren Umsetzer, die vorhandene Systemtelefone an neuere Anlagen anbinden. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie viele Geräte betroffen sind — die Umsetzer sind nicht wesentlich günstiger als neue Endgeräte.

Für die Beurteilung eines Bestandsgebäudes ist die Schnittstelle weiterhin relevant: Wo Up0 verlegt wurde, liegen nur zwei Adern je Arbeitsplatz. Eine Umstellung auf IP-Telefonie erfordert dort neue Verkabelung.

Überarbeitet: