RFC 1795 – Data Link Switching: Switch-to-Switch Protocol AIW DLSw RIG: DLSw Closed Pages, DLSw Standard Version 1

StatusInformational
VeröffentlichtApril 1995
ErsetztRFC 1434
Volltextrfc-editor.org/rfc/rfc1795

RFC 1795 spezifiziert das Switch-to-Switch Protocol (SSP) für Data Link Switching (DLSw), ein Verfahren zur Kapselung und Weiterleitung von IBM SNA- und NetBIOS-Protokollen über TCP/IP-Netze. Es ersetzt RFC 1434 und wurde von der APPN Implementers Workshop DLSw Related Interest Group als einheitlicher Standard für herstellerübergreifende Implementierungen entwickelt. Das Protokoll adressiert Probleme klassischer Bridging-Ansätze wie LLC-Timeout, Bestätigungsverkehr über WAN-Strecken sowie Fluss- und Überlaststeuerung und ermöglicht so den zuverlässigen Transport verbindungsorientierter Daten über Internet-Infrastrukturen.

Der Kern des SSP besteht in der Terminierung der Data Link Control (DLC) auf jeder Seite des WAN, anstatt diese wie beim Bridging Ende-zu-Ende durchzureichen. Eine DLSw-Einheit beendet eine LLC-Typ-2-Verbindung lokal und multiplext mehrere solcher Verbindungen über eine einzelne TCP-Verbindung zur entfernten DLSw. Dadurch bleiben LLC-Timeouts auf das lokale LAN beschränkt, Bestätigungen entfallen auf der WAN-Strecke und Suchrahmen (SNA Explorer, NetBIOS Name Queries) werden nach erstmaliger Standortermittlung nicht mehr gebroadcastet. Für SDLC-Anbindungen werden ebenfalls Pings und Polling lokal ausgeführt.

Historisch spielte RFC 1795 eine zentrale Rolle, als SNA-Traffic zunehmend über IP-Backbones transportiert werden musste. Es löste das Skalierbarkeits- und Zuverlässigkeitsproblem von LLC2 über Weitverkehrsstrecken und bildete die Grundlage für viele proprietäre und offene DLSw-Implementierungen in Routern. Auch wenn DLSw heute oft durch direktere Protokolle ersetzt wird, bleibt SSP als Mechanismus zur Überbrückung von SNA-Netzen über IP relevant, insbesondere in Migrationsszenarien mit Altlasten.