VoIP-Störungen eingrenzen

Bei der IP-Telefonie können Anmeldung, Signalisierung und Sprachkanal unabhängig voneinander scheitern. Wer weiß, welche der drei Ebenen betroffen ist, hat die Ursache meist schon. Unser Guide führt durch die Fehlersuche und beschreibt praxisnahe Lösungen.

Warum es drei Ebenen sind

Ein Telefonat über IP besteht aus drei Vorgängen, die technisch getrennt ablaufen.

Die Anmeldung. Das Endgerät meldet sich beim Anbieter an und teilt mit, unter welcher Adresse es erreichbar ist. Ohne sie kommen keine Anrufe an.

Die Signalisierung. Beim Anruf handeln beide Seiten aus, dass ein Gespräch zustande kommt, wer beteiligt ist und wohin die Sprache geschickt werden soll.

Der Sprachkanal. Erst danach fließt die eigentliche Sprache, über eine eigene Verbindung mit eigenen Ports.

Diese Trennung ist der Grund, warum ein Telefon klingeln kann und trotzdem niemand etwas hört. Die ersten beiden Ebenen haben funktioniert, die dritte nicht.

Die Fehlersuche folgt derselben Reihenfolge. Jede Ebene wird erst geprüft, wenn die darunter liegende steht.

Ebene 1: Die Anmeldung

Woran man sieht, dass es klemmt. Die Statusanzeige zeigt die Rufnummer als nicht registriert. Oder: Ausgehende Anrufe funktionieren, eingehende kommen nicht an. Letzteres ist der heimtückische Fall, weil er im Alltag nicht auffällt.

Kommt überhaupt eine Antwort? Das ist die erste und wichtigste Unterscheidung.

Meldet das Gerät eine Zeitüberschreitung ohne weitere Angabe, erreichen die Anfragen das Gegenüber gar nicht. Dann liegt es nicht an den Zugangsdaten. Zu prüfen sind in dieser Reihenfolge: Ist der Name des Registrars auflösbar? Ist der Anschluss beim Anbieter freigeschaltet? Blockiert eine Firewall den Verkehr? Steht eine korrekte Serveradresse im Gerät?

Ein verbreiteter Irrweg an dieser Stelle ist, die Serveradresse durch eine IP-Adresse zu ersetzen. Das kann die Namensauflösung umgehen und scheinbar helfen, führt aber zu einem anderen Fehler, weil der Anbieter die Anfrage dann unter Umständen zurückweist. Wenn eine IP-Adresse funktioniert und der Name nicht, ist die Namensauflösung das Problem und sollte dort behoben werden.

Kommt eine Antwort mit Fehlercode? Dann ist das Gegenüber erreichbar, und der Code sagt, was es bemängelt. Die vollständige Übersicht steht in der Referenzliste der SIP-Statuscodes. Die wichtigsten drei:

  • 401 wiederholt sich nach dem Anmeldeversuch: Benutzername oder Passwort stimmen nicht. Ein einzelnes 401 ist dagegen normal und gehört zum Ablauf.
  • 403: Der Zugang wird abgelehnt. Die Zugangsdaten stimmen möglicherweise, der Anschluss ist aber gesperrt, nicht freigeschaltet oder die Anmeldung kommt von einer nicht zugelassenen Adresse.
  • 404: Das Konto ist unbekannt. Meist ein Schreibfehler im Benutzernamen oder eine falsche Domain.

Die Anmeldung geht immer wieder verloren. Dieser Fall verdient einen eigenen Blick, weil er anders gelagert ist. Eine Anmeldung gilt nur für begrenzte Zeit und muss erneuert werden. Fällt eine Erneuerung aus, ist das Gerät bis zum nächsten Versuch nicht erreichbar.

Kommt das wiederholt vor, lohnt der Blick auf das Registrierungsintervall. Hinter einem Router muss es kürzer sein als die Zeit, nach der dieser eine ungenutzte Verbindung verwirft. Ist es länger, findet ein eingehender Anruf den Weg nicht mehr zurück. Viele Geräte bieten dafür eine Einstellung, teils als Intervall, teils als Erhaltungsfunktion.

Ein Gerät, das nach einem Verbindungsabbruch gar keinen neuen Anmeldeversuch unternimmt, verhält sich fehlerhaft. Das ist ein Fall für den Hersteller, nicht für die eigene Konfiguration.

Ebene 2: Die Signalisierung

Diese Ebene ist selten die Ursache, wenn die Anmeldung steht. Zwei Fälle kommen dennoch vor.

Bestimmte Ziele sind nicht erreichbar, andere schon. Wenn Inlandsgespräche gehen und Auslandsgespräche nicht, liegt es fast immer an einer Sperre oder an der Wahl. Zu prüfen: Sperren für Auslandsgespräche im Kundenportal und im Gerät, Wahlregeln, und ob die Nummer in der international üblichen Schreibweise gewählt wird. Der Statuscode 484 deutet auf eine unvollständige Nummer hin, 403 auf eine Sperre.

Der Anruf landet am falschen Gerät oder auf der falschen Rufnummer. Das ist keine Störung der Übertragung, sondern eine Frage der Zuordnung im eigenen Gerät. Bei Anlagen mit mehreren Rufnummern lohnt der Blick in die Anrufliste: Dort steht, welcher Rufnummer ein Anruf tatsächlich zugeordnet wurde. Weicht das von der Erwartung ab, liegt der Fehler in der Zuordnung und nicht beim Anbieter.

Ebene 3: Der Sprachkanal

Hier landen die meisten schwer erklärbaren Fälle.

Das Muster erkennen. Wenn ein Gespräch zustande kommt und dann etwas mit dem Ton nicht stimmt, ist die Signalisierung in Ordnung und der Sprachkanal das Problem. Typische Ausprägungen:

  • Eine Richtung ist stumm, die andere funktioniert
  • Beide Richtungen sind stumm, das Gespräch bricht nach etwa zehn Sekunden ab
  • Ansagen von Sprachcomputern sind nicht zu hören, Gespräche mit Menschen funktionieren
  • Der Ton ist verzerrt, abgehackt oder verzögert

Einweg-Audio. Die häufigste Ursache ist eine falsche Adresse in der Beschreibung des Sprachkanals. Das Endgerät trägt dort ein, was es über sich weiß, und hinter einem Router ist das die private Adresse. Die Gegenstelle schickt die Sprache dorthin, wo sie nicht ankommt.

Dass eine Richtung funktioniert, erklärt sich daraus, dass die Seite hinter dem Router zuerst sendet und dadurch einen Rückweg öffnet. In die andere Richtung fehlt er.

Abhilfe schaffen: Im Gerät die Erkennung der öffentlichen Adresse einschalten, sofern vorhanden. Im Router die SIP-Erkennung testweise abschalten, weil sie beim Umschreiben Fehler macht. Und prüfen, ob beide Seiten an die Adresse antworten, von der die Pakete tatsächlich kamen.

Kein Ton bei Sprachcomputern. Ein Sonderfall, der oft für eine Störung gehalten wird. Ansagen vor dem Abheben laufen über eine Zwischenmeldung, bei der der Medienstrom früher beginnt als beim gewöhnlichen Gespräch. Bleibt genau dort der Ton aus, während Gespräche mit Menschen funktionieren, liegt es meist an der Aushandlung des Codecs und nicht am Sprachkanal selbst.

Der Codec passt nicht. Der Statuscode 488 ist das Kennzeichen. Beide Seiten haben keinen gemeinsamen Codec gefunden. In Deutschland sollte G.711 immer angeboten werden, weil es der Rückfallcodec ist. Ist ein Gerät auf einen schmalbandigen Codec festgelegt, führt das regelmäßig zu diesem Fehler.

Der Ton ist da, aber schlecht. Dann geht es nicht mehr um Erreichbarkeit, sondern um Qualität. Drei Größen bestimmen sie: Paketverlust, Laufzeitschwankung und Verzögerung. Ab etwa einem Prozent Verlust wird es hörbar. Belastbare Werte liefern die Qualitätsberichte, die während des Gesprächs ausgetauscht werden und in Anlagen auswertbar sind.

Wenn Gespräche nur bei gleichzeitiger Netzlast schlecht werden, fehlt eine Bevorzugung des Sprachverkehrs. Ein Gespräch braucht dabei wenig Bandbreite, rund 90 kbit/s je Richtung bei G.711, reagiert aber empfindlich auf Verzögerung.

Sonderfälle

Fax über IP. Faxgeräte erwarten eine unveränderte Übertragung. Verlustbehaftete Codecs zerstören die Signale, weshalb Faxe über IP unzuverlässig sind. Abhilfe schafft das Verfahren nach T.38, das die Faxsignale nicht als Ton überträgt. Es muss auf beiden Seiten und beim Anbieter unterstützt werden.

Registrar im eigenen Netz. Soll sich ein Gerät an einer Anlage im eigenen Netz anmelden, die über ein VPN erreichbar ist, kommt eine zusätzliche Fehlerquelle hinzu: Manche Router führen den Telefonieverkehr über einen eigenen Weg, der das eigene Netz gar nicht kennt. Die Anmeldung scheitert dann mit einer Zeitüberschreitung, obwohl der Tunnel steht und alles andere funktioniert.

Alte Telefonanlagen und Türsprechstellen. Bei der Ablösung einer ISDN-Anlage ist der kritische Punkt selten die Telefonie, sondern die Nebenfunktion. Türöffner, Türsprechstelle und Meldeanlagen hängen an Schnittstellen, die es in IP-Anlagen nicht gibt. Diese Anbindung sollte vor der Umstellung geklärt sein, nicht danach.

Was man für die Fehlersuche braucht

Die meisten Geräte bringen ein Ereignisprotokoll mit, das Anmeldeversuche und Fehlercodes festhält. Das ist der erste Anlaufpunkt und reicht für die Ebenen 1 und 2 meist aus.

Für Ebene 3 hilft ein Mitschnitt. Zwei Blicke genügen für eine erste Einordnung: Steht in der Beschreibung des Sprachkanals eine private Adresse, obwohl das Gespräch ins Internet geht? Und stimmen die angebotenen Codeclisten beider Seiten überein?

Wer den Verdacht hat, dass die Anfragen gar nicht ankommen, prüft das am besten auf der Gegenseite. Wenn dort nichts eintrifft, ist die Suche am eigenen Gerät vergeblich.

Erstellt: