Spanning Tree
Redundante Verbindungen sind in geswitchten Netzen erwünscht — und zugleich gefährlich. Anders als IP-Pakete tragen Ethernet-Frames kein Feld, das ihre Lebensdauer begrenzt. Ein Frame, der einmal im Kreis läuft, läuft endlos, wird an jeder Kreuzung vervielfältigt und legt binnen Sekunden das gesamte Segment lahm. Genau dieses Problem löst das Spanning Tree Protocol, indem es aus der physischen Topologie einen schleifenfreien Baum berechnet und überzählige Verbindungen logisch abschaltet.
Den Einstieg bilden die Grundlagen: das Verhalten von Bridges und Switches beim selbstständigen Lernen von Adressen, die Entstehung von Schleifen und ihre Folgen.
Das Verfahren selbst beruht auf wenigen Bausteinen. Die Switches tauschen Nachrichten aus, wählen anhand einer Kennung eine Wurzel, bewerten Wege über Kosten und weisen jedem Port eine Rolle und einen Zustand zu. Timer steuern, wie schnell Änderungen wirksam werden — und damit, wie lange ein Netz nach einer Umschaltung nicht erreichbar ist.
Aus dieser Konvergenzzeit erklärt sich die Entwicklung der Varianten. Das ursprüngliche Verfahren brauchte über eine halbe Minute; die schnelle Variante ersetzt das Warten auf Timer durch eine Abstimmung zwischen Nachbarn. Weitere Ausprägungen tragen dem Umstand Rechnung, dass ein einziger Baum für alle VLANs die vorhandenen Wege ungenutzt lässt.
Eine eigene Gruppe bilden die Absicherungsfunktionen. Sie schützen vor Ports, die unerwartet Nachrichten senden, vor Geräten, die sich zur Wurzel erklären, und vor Verbindungen, die nur in eine Richtung funktionieren — der gefährlichste Fall, weil dabei die Schleifenerkennung selbst ausfällt. Ein Teil dieser Funktionen ist herstellerspezifisch und in neueren Varianten bereits enthalten.
Am Rand der Kategorie stehen die Nachfolgeansätze, die den Baum durch eine Wegeberechnung auf Schicht 2 ersetzen und damit alle Verbindungen nutzbar machen. Sie lösen dasselbe Problem auf grundsätzlich andere Weise. Vieles davon verdanken wir Ideen von Radia Perlman.
Knowledge Hubs
- Spanning Tree Protocol (STP) — Schleifenschutz in geswitchten Netzen (STP) Das Spanning Tree Protocol verhindert Schleifen in geswitchten Netzen, indem es redundante Verbindungen erkennt und logisch abschaltet.
- BackboneFast BackboneFast ist ein proprietäres Cisco-Feature, das die Konvergenz nach einem indirekten Link-Ausfall im Netzwerkkern beschleunigt. Es ermöglicht dem Switch, aktiv nach alternativen Pfaden zur Root Bridge zu suchen, anstatt den Ablauf des Max-Age-Timers abzuwarten.
- BPDU Filter BPDU Filter unterbindet das Senden und Empfangen von Bridge Protocol Data Units auf einem Switch-Port und nimmt diesen Port damit vollständig aus der Spanning-Tree-Berechnung. Das Feature birgt ein hohes Schleifenrisiko und wird nur in streng kontrollierten Umgebungen eingesetzt, wo garantiert kein Switch angeschlossen wird.
- BPDU Guard BPDU Guard ist eine erweiterte Sicherheitsfunktion im Spanning Tree. Es blockiert unerwünschte Bridge ProtoCol Data Unis (BPDU) an Switchports.
- Bridge Eine Bridge (Brücke) verbindet Netzwerksegmente auf Schicht 2 des OSI-Modells und arbeitet ausschließlich auf Basis von MAC-Adressen.
- Bridge Assurance Bridge Assurance ist ein RSTP/MSTP-Sicherheitsfeature, das die Bidirektionalität einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung durch kontinuierlichen BPDU-Austausch überwacht. Bleiben die erwarteten BPDUs aus, wird der Port sofort blockiert, um Schleifen durch unidirektionale Links zu verhindern.
- Bridge ID Die Bridge ID ist ein eindeutiger Identifikator eines Switches im Spanning Tree Protocol und besteht aus der administrierbaren Priorität und der festen MAC-Adresse. Sie ist das entscheidende Kriterium bei der Wahl der Root Bridge, wobei der Switch mit dem niedrigsten Wert gewinnt.
- Bridge Protocol Data Unit (BPDU) Bridge Protocol Data Unit (BPDU) ist ein Nachrichtentyp im Spanning Tree Protocol zur Verwaltung von Netzwerktopologien. Über BPDUs tauschen die Switche alle notwendigen Informationen aus, um den Spanning Tree schleifenfrei berechnen zu können.
- Broadcast Storm Ein Broadcast-Sturm ist ein Fehlerzustand in einem Netzwerk, bei dem eine große Anzahl von Broadcast-, Multicast- oder unknown Unicast-Paketen gleichzeitig zirkuliert und die verfügbare Bandbreite vollständig belegt. Oft geht auch die CPU-Last der betroffenen Geräte auf 100 Prozent.
- Common Spanning Tree (CST) Der Common Spanning Tree (CST) ist die ursprüngliche, VLAN-unabhängige Implementierung des Spanning Tree Protocol nach IEEE 802.1D, die eine einzige schleifenfreie Topologie für alle VLANs gemeinsam berechnet. Er ist vollständig herstellerunabhängig, nutzt jedoch keine Lastverteilung über redundante Pfade und wird in modernen Umgebungen durch VLAN-bewusste Varianten abgelöst.
- IEEE 802.1D IEEE 802.1D ist der grundlegende Standard, der das Transparent Bridging und das ursprüngliche Spanning Tree Protocol definiert. Er legt fest, wie Bridges MAC-Adressen lernen, Frames selektiv weiterleiten und Schleifen in redundanten Topologien verhindern.
- IEEE 802.1s IEEE 802.1s standardisiert das Multiple Spanning Tree Protocol, das mehrere unabhängige Spanning-Tree-Instanzen auf einer physischen Infrastruktur erlaubt. Es fasst VLANs zu Instanzen zusammen und ermöglicht so Lastverteilung auf Layer 2 ohne den hohen BPDU-Overhead von Per-VLAN-Verfahren.
- IEEE 802.1w IEEE 802.1w ist der Standard für das Rapid Spanning Tree Protocol, das die langsame, Timer-basierte Konvergenz des klassischen STP durch einen schnellen Handshake-Mechanismus ersetzt. Die Konvergenzzeit sinkt dadurch von über 30 Sekunden auf unter eine Sekunde, bei voller Abwärtskompatibilität zu STP.
- Layer-2-Schleife Eine Layer-2-Schleife oder Layer 2 Loop ist eine Fehlersituation in Netzwerken.
- Loop Guard Loop Guard ist ein STP-Sicherheitsfeature, das einen Designated Port vor dem ungewollten Übergang in den Forwarding-Zustand schützt, wenn keine BPDUs mehr empfangen werden. Es verhindert Schleifen, die durch den logischen Verlust der Bidirektionalität auf einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung entstehen könnten.
- MAC-Flapping MAC-Flapping ist das schnelle Wechseln einer MAC-Adresse zwischen verschiedenen Switch-Ports, das typischerweise durch eine Layer-2-Schleife oder eine fehlerhafte Bündelung verursacht wird. Es führt zu instabilen Weiterleitungsentscheidungen, erhöhter CPU-Last und massiven Paketverlusten im Netz.
- Multiple Spanning Tree Protocol (MST) Das Multiple Spanning Tree Protocol (MST) ist eine in IEEE 802.1s definierte Erweiterung des Spanning Tree Protocols, die eine optimierte Spanning-Tree-Berechnung in komplexen VLAN-Umgebungen ermöglicht.
- Per-VLAN Spanning Tree (PVST) Per-VLAN Spanning Tree (PVST) ist eine Variante des Spanning Tree Protokolls (STP). Bei PVST wird für jedes VLAN ein eigener Spanning Tree aufgebaut.
- Portfast (Spanning Tree) Das Feature Port Fast verkürzt die Zeit bis ein Access Port an einem Switch Nutzdaten transportiert. Portfast vermeidet so beispielsweise Probleme mit DHCP an Cisco Switches.
- Portrollen im Spanning Tree Portrollen definieren die logische Funktion eines Switch-Ports in der Spanning-Tree-Topologie und legen fest, ob er Datenverkehr weiterleiten oder blockieren soll. Das klassische STP unterscheidet Root Port, Designated Port und Non-Designated Port, während RSTP zusätzlich Alternate und Backup Port kennt.
- Portzustände im Spanning Tree Portzustände beschreiben den aktuellen Betriebszustand eines Ports und steuern, ob er BPDUs verarbeitet, MAC-Adressen lernt oder Nutzdaten weiterleitet. Im klassischen STP durchläuft ein Port die Zustände Blocking, Listening, Learning, Forwarding und Disabled, während RSTP diese auf Discarding, Learning und Forwarding reduziert.
- Rapid Spanning Tree Protocol (RSTP) RSTP ist eine Erweiterung zu Spanning Tree und ist in IEEE 802.1w definiert.
- Root Bridge Die Root Bridge ist der zentrale Referenzpunkt eines Spanning-Tree-Netzwerks und bildet die Wurzel des schleifenfreien logischen Baums. Sie wird durch den Austausch von BPDUs nach der niedrigsten Bridge-ID gewählt und bestimmt mit ihrer Position sämtliche Pfadkosten und Portrollen.
- Root Guard Root Guard ist ein von Cisco entwickelter Sicherheitsmechanismus für das Spanning Tree Protocol STP, der auf Edge Ports verhindert, dass angeschlossene Geräte zur Root Bridge werden. Bei eingehenden Root BPDUs deaktiviert der Switch den Port und verhindert so, das dort angeschlossene Switche zur Root Bridge gewählt werden können.
- Spanning Tree Protocol (STP) — Schleifenschutz in geswitchten Netzen (STP) Das Spanning Tree Protocol verhindert Schleifen in geswitchten Netzen, indem es redundante Verbindungen erkennt und logisch abschaltet.
- STP-Timer Die STP-Timer sind konfigurierbare Zeitintervalle, die das Konvergenzverhalten des klassischen Spanning Tree Protocols steuern. Hello Time, Forward Delay und Max Age bestimmen, wie schnell das Netz auf Veränderungen reagiert und wie lange ein Port in den Übergangszuständen verweilt.
- Transparent Bridging Transparent Bridging ist das standardisierte Arbeitsprinzip (IEEE 802.1D), nach dem Switches und Bridges selbstständig MAC-Adressen lernen und Frames selektiv weiterleiten. Das Verfahren arbeitet für Endgeräte vollständig unsichtbar und bildet die Grundlage des modernen Layer-2-Switchings.
- UniDirectional Link Detection (UDLD) UniDirectional Link Detection (UDLD) ist ein Layer-2-Verfahren zur Erkennung einseitiger Netzwerkverbindungen zwischen Switches, das STP-Loops verhindert und in den Modi Normal und Aggressiv arbeitet. UDLD erkennt fehlerhafte Kabelverbindungen. Unidirektionale Verbindungen kommen oft bei LWL-Kabel / Glasfaser vor.
- UplinkFast UplinkFast ist ein historisches Cisco-Feature zur Beschleunigung der Konvergenz nach dem Ausfall eines Root Ports auf Access-Switches mit redundanten Uplinks. Es reduziert die Wiederherstellungszeit von 30 Sekunden auf unter drei Sekunden und ist in modernen Netzen durch das standardisierte Rapid Spanning Tree Protocol abgelöst worden.