Anrufschutz
Was ist Anrufschutz?
Anrufschutz ist ein leitungsvermittelndes Dienstmerkmal, das ausgehende oder eingehende Anrufe nach festgelegten Regeln unterbindet. Im englischen Sprachraum spricht man von Call Barring. Anders als eine lokale Sperrliste auf dem Endgerät greift der Anrufschutz bereits im Netz. Die Vermittlungsstelle prüft vor jedem Verbindungsaufbau, ob der gewünschte Ruf mit den hinterlegten Sperrklassen kollidiert, und weist ihn gegebenenfalls ab.
Abgehender und ankommender Anrufschutz
Das Leistungsmerkmal wird in zwei grundlegende Richtungen unterteilt. Der abgehende Anrufschutz verhindert, dass von einem Anschluss bestimmte Rufnummern oder Ziele erreicht werden. Der ankommende Anrufschutz blockiert eingehende Rufe, was besonders im Ausland nützlich ist, um hohe Roaming-Gebühren für angenommene Gespräche zu vermeiden. Beide Varianten lassen sich unabhängig voneinander aktivieren.
Typische Sperrklassen
Netzbetreiber bieten eine Reihe standardisierter Sperrklassen an, die über Service-Codes geschaltet werden.
- Abgehende Auslandsgespräche sperren
- Abgehende Auslandsgespräche mit Ausnahme des Heimatlandes sperren
- Alle abgehenden Gespräche sperren
- Eingehende Gespräche im Ausland sperren (Roaming)
- Abgehende Premium-Dienste und Sonderrufnummern sperren
Jede Klasse entspricht einem Eintrag in der Teilnehmerdatenbank und wird beim Verbindungsaufbau ausgewertet.
Technische Umsetzung
Der Anrufschutz ist in den Supplementary Services von ISDN, GSM, UMTS und LTE definiert. Bei jedem abgehenden Ruf vergleicht das Mobile Switching Center oder die Ortsvermittlungsstelle die gewählte Nummer mit den aktivierten Barring-Klassen. Bei einem Treffer wird der Ruf abgelehnt, und der Anrufer erhält einen Besetztton oder eine Ansage. In VoIP-Umgebungen setzt der Session Border Controller oder das Application Server die Sperre durch, indem er den SIP-INVITE mit einem 403-Forbidden ablehnt.
Konfiguration und Steuerung
Die Einrichtung erfolgt über Service-Codes, die SIM-Toolbox oder das Endgerätemenü. Typische Codes sind kombinierte Stern- und Rautenfolgen wie 33PIN# für die Aktivierung des abgehenden Anrufschutzes. Der Nutzer vergibt oder erhält vom Provider eine persönliche Barring-PIN, die vor unbefugten Änderungen schützt. Moderne Smartphones integrieren die Steuerung in die Einstellungen und übersetzen die Menüauswahl in die netzseitig standardisierten USSD-Befehle.
Anrufschutz versus lokale Sperrliste
Ein lokal auf dem Endgerät gesetzter Rufnummernblock wirkt nur auf dem jeweiligen Telefon. Der netzbasierte Anrufschutz hingegen sichert den Anschluss selbst, unabhängig davon, mit welchem Gerät die SIM-Karte genutzt wird. Er verhindert zudem, dass gesperrte Anrufe über die App eines Drittanbieters oder eine umgesteckte Karte umgangen werden.
Praktische Einsatzszenarien
Unternehmen nutzen den abgehenden Anrufschutz, um Kosten für internationale oder Premium-Dienste streng zu kontrollieren. Eltern aktivieren den Schutz auf den Mobiltelefonen ihrer Kinder und verhindern teure Fehlverbindungen. Reisende schalten vor der Abreise den ankommenden Roaming-Schutz ein und vermeiden ungewollte Kosten durch eingehende Werbeanrufe oder falsch verbundene Gespräche.
Grenzen des Dienstmerkmals
Der Anrufschutz ist an die Teilnehmerdatenbank des Heimnetzbetreibers gebunden. Roaming-Partner müssen die Sperrklassen korrekt über die MAP- oder Diameter-Signalisierung übernehmen. In seltenen Fällen kommt es zu inkonsistentem Verhalten, wenn ein ausländisches Netz die Barring-Information ignoriert. Auch Notrufe sind von der Sperre stets ausgenommen und werden in jedem Fall durchgestellt.