Ansage vor Verbindungsaufbau
Was ist die Ansage vor Verbindungsaufbau?
Die Ansage vor Verbindungsaufbau ist ein vermittlungstechnisches Leistungsmerkmal, bei dem der Anrufer unmittelbar nach dem Wählen und vor dem Zustandekommen des eigentlichen Gesprächs eine gespeicherte Sprachnachricht hört. Diese Nachricht kann einen wichtigen Hinweis enthalten, etwa zu den anfallenden Kosten, zur Aufzeichnung des Gesprächs oder zu veränderten Erreichbarkeiten. Der Angerufene bekommt von dieser Ansage nichts mit; sie wird ausschließlich in Richtung des Anrufers eingespielt, bevor der Ruf zum Ziel weitergeschaltet wird. In öffentlichen Netzen ist die Ansage vor Verbindungsaufbau teilweise gesetzlich vorgeschrieben, insbesondere bei bestimmten Mehrwertdiensten.
Typische Einsatzszenarien
Die Ansage vor Verbindungsaufbau dient mehreren Zwecken. Eine häufige Anwendung ist die Kosteninformation: Ruft jemand eine 0900- oder 0180-Nummer an, kann die Vermittlungsstelle vor dem Verbinden den Tarif ansagen, etwa "Dieser Anruf kostet 1,99 Euro pro Minute". Eine weitere Variante ist der Aufzeichnungshinweis: Callcenter und Hotlines weisen den Anrufer darauf hin, dass das Gespräch zu Schulungs- oder Qualitätszwecken aufgezeichnet wird. Auch bei netzinternen Sonderfällen kommt die Ansage zum Einsatz, beispielsweise bei vorübergehenden Störungen, einer Umleitung ins Ausland oder der Information, dass der gewünschte Teilnehmer vorübergehend nicht erreichbar ist und der Anruf umgeleitet wird.
Funktionsweise
Sobald der Anrufer die Zielrufnummer gewählt hat, analysiert die Vermittlungsstelle die Ziffern und erkennt anhand der Diensteklasse oder des spezifischen Nummernbereichs, dass vor dem Verbinden eine Ansage abgespielt werden muss. Der Rufaufbau zum eigentlichen Ziel wird kurz angehalten. Das System spielt die vorproduzierte Audiodatei in den Sprechkanal des Anrufers ein. Der Anrufer hört die Ansage, die meist einige Sekunden dauert. Erst nach vollständigem Abspielen oder nach einem Timeout schaltet die Vermittlung den Ruf zum Ziel durch und der normale Verbindungsaufbau mit Klingeln oder Freizeichen setzt ein. In einigen Implementierungen kann der Anrufer die Ansage durch eine Tasteneingabe überspringen, sofern dies konfiguriert ist.
Technische Umsetzung in verschiedenen Netzen
Die Ansage vor Verbindungsaufbau wird je nach Netztechnologie auf unterschiedliche Weise technisch realisiert.
- ISDN: Die Ortsvermittlungsstelle kann vor dem Senden der SETUP-Nachricht an den B-Teilnehmer eine In-Band-Ansage auf den B-Kanal des Anrufers legen. Das bedeutet, der A-Teilnehmer empfängt bereits einen Sprachkanal, der ausschließlich in Senderichtung belegt wird, und hört die Ansage. Die Abrechnung startet erst nach dem Durchschalten zum B-Teilnehmer, also nach dem Abspielen. Die Ansagedateien liegen auf einem zentralen Announcement Server, der über das Signalisierungsnetz angesteuert wird.
- Mobilfunk (GSM/UMTS/LTE): Das Mobile Switching Center spielt die Ansage über einen integrierten oder externen Media Resource Server ab, bevor die Verbindung zum gerufenen Mobilfunkteilnehmer oder zu einer anderen Netzgrenze signalisiert wird. Der Anrufer hört die Ansage über den zugewiesenen Sprachkanal. Die Abrechnung beginnt oft schon mit dem Abspielen, je nach Tarifmodell.
- SIP (VoIP): In VoIP-Netzen wird die Ansage meist mittels Early Media realisiert. Der Application Server des Providers empfängt das INVITE des Anrufers, antwortet mit einem 183 Session Progress und sendet einen Medienstrom (etwa eine WAV-Datei) über RTP an den Anrufer. Nach Abschluss der Ansage wird der eigentliche Verbindungsaufbau fortgesetzt, indem der Server das INVITE an das Ziel weiterleitet und nach Annahme die Medienströme umschaltet. Alternativ kann ein Media Server eingeschleift werden, der die Ansage abspielt und danach die Verbindung zum Ziel schaltet. Dieses Verfahren ähnelt dem Ansagedienst für Hinweistöne.
Abgrenzung zu anderen Merkmalen
Die Ansage vor Verbindungsaufbau ist von ähnlich klingenden Diensten klar zu unterscheiden.
- Comfort Tone: Ein Ton oder eine sehr kurze Melodie während der Wartezeit, etwa nach dem Wählen bis zum Klingeln. Die Ansage vor Verbindungsaufbau ist hingegen eine vollständige Sprachansage mit konkretem Inhalt.
- Music on Hold: Musik oder Werbung, die der Anrufer hört, während er in einer Warteschleife eines bereits angenommenen Gesprächs gehalten wird.
- Teilnehmeransage bei Nichterreichbarkeit: Eine Ansage, die der Anrufer zu hören bekommt, wenn der gewünschte Anschluss besetzt, nicht erreichbar oder abgeschaltet ist. Diese wird nach dem erfolglosen Verbindungsversuch abgespielt, nicht davor.
- Hinweiston (Call Waiting Tone): Ein kurzer Ton im bestehenden Gespräch, der einen zweiten Anruf signalisiert. Er hat nichts mit einer kostenbezogenen oder informierenden Sprachansage vor dem Gespräch zu tun.
Praktischer Nutzen und rechtliche Aspekte
Die Ansage vor Verbindungsaufbau schafft Transparenz und erfüllt häufig gesetzliche Auflagen. Anrufer werden über Kosten informiert, bevor sie sich entscheiden, das Gespräch fortzusetzen, und können bei zu hohen Tarifen noch vor dem Zustandekommen der Verbindung auflegen. Aufzeichnungshinweise stellen sicher, dass der Anrufer der Aufnahme zustimmen kann, was in vielen Rechtsordnungen eine Voraussetzung für die rechtmäßige Aufzeichnung ist. Anbieter von Mehrwertdiensten sind in vielen Ländern verpflichtet, vor dem Verbinden eine Preisinformation auszugeben. Die Ansage dient somit nicht nur dem Komfort, sondern ist ein zentrales Element des Verbraucherschutzes und der rechtlichen Compliance in der Telekommunikation.
Grenzen und technische Herausforderungen
Die Ansage vor Verbindungsaufbau verlängert die Zeit bis zum Klingeln beim Ziel um die Dauer der Ansage. Dies kann von Anrufern als störend empfunden werden, insbesondere wenn sie die Information bereits kennen oder wiederholt dieselbe Nummer anrufen. Technisch muss der Server, der die Ansagedateien bereitstellt, mandantenfähig und hoch verfügbar sein, da ein Ausfall des Announcement-Servers keine Verbindungen zu den betroffenen Nummern mehr zulässt. Bei Sprachbarrieren oder Hörbehinderungen kann die reine Audioansage ihren Zweck verfehlen. In SIP-Umgebungen muss das Early-Media-Verfahren sauber implementiert sein, da es sonst zu Problemen mit der Medienaushandlung, insbesondere bei der Verwendung von SRTP oder unterschiedlichen Codecs, kommen kann. Wird die Ansage zu früh beendet oder vom Anrufer übersprungen, kann die rechtlich geforderte Information nicht vollständig übertragen werden, was zu Haftungsrisiken für den Diensteanbieter führt.