Best Effort
Best Effort ist das Dienstmodell des Internets. Ein Paket wird nach bestem Vermögen weitergeleitet — ohne Zusage, dass es ankommt, wie lange es unterwegs ist oder in welcher Reihenfolge es eintrifft.
Der Begriff beschreibt keine Technik, sondern eine Zusicherungsebene: nämlich die niedrigste.
Was nicht zugesichert wird
Ein Netz im Best-Effort-Betrieb macht zu keinem der folgenden Punkte eine Aussage:
- Zustellung. Bei Überlast werden Pakete verworfen, ohne Meldung an den Absender.
- Verzögerung. Die Laufzeit hängt von Auslastung und Weg ab und schwankt.
- Reihenfolge. Pakete können sich überholen, wenn sie unterschiedliche Wege nehmen.
- Datenrate. Der verfügbare Anteil hängt davon ab, wie viele andere gerade übertragen.
Verantwortlich für den Ausgleich sind die Endpunkte. Verlorene Pakete werden von der Transportschicht erneut angefordert, vertauschte wieder in die richtige Reihenfolge gebracht, und die Senderate wird an die beobachtete Überlast angepasst.
Warum das funktioniert
Auf den ersten Blick wirkt das Modell unzureichend. Es hat sich dennoch durchgesetzt, weil es zwei Vorteile bietet.
Statistische Bündelung. Nicht alle Teilnehmer senden gleichzeitig. Wird Kapazität nicht fest zugeteilt, sondern nach Bedarf verteilt, lässt sich dieselbe Leitung von weit mehr Nutzern verwenden. Genau darin liegt der Vorteil paketvermittelter gegenüber leitungsvermittelter Übertragung.
Einfachheit im Netz. Ein Gerät, das keine Zusagen einhalten muss, benötigt keine Zustandsverwaltung je Verbindung. Es empfängt, entscheidet, sendet weiter. Diese Schlichtheit ist der Grund, warum sich das Verfahren auf globale Größenordnungen skalieren ließ.
Die Anpassung an Überlast wandert damit von der Mitte an die Ränder — ein Gestaltungsprinzip, das das Internet insgesamt prägt.
Grenzen
Für Anwendungen, bei denen verspätete Daten wertlos sind, greift der Ausgleich durch die Endpunkte nicht. Ein erneut übertragenes Sprachpaket kommt zu spät, um noch abgespielt zu werden.
Solche Anwendungen reagieren empfindlich auf Schwankungen der Laufzeit, nicht auf deren Höhe. Eine gleichbleibende Verzögerung von hundert Millisekunden ist unproblematisch; eine zwischen zwanzig und zweihundert schwankende macht ein Gespräch unbrauchbar.
An diesem Punkt setzen Verfahren zur Dienstgüte an. Sie ändern nichts am Grundmodell, sondern führen Verkehrsklassen ein, die bei Überlast unterschiedlich behandelt werden. Best Effort bleibt dabei die Klasse für alles, was keine besondere Behandlung erhält — und umfasst in der Praxis den überwiegenden Teil des Verkehrs.
Best Effort als Kennzeichnung
In der Priorisierung nach Differentiated Services entspricht Best Effort dem Standardwert null. Ein Paket ohne besondere Markierung wird genau so behandelt.
Wichtig ist die Blickrichtung: Best Effort ist nicht die schlechteste Behandlung, sondern die normale. Es existieren Klassen, die bewusst darunter liegen — etwa für Sicherungen oder Aktualisierungen, die bei Auslastung zurückstehen sollen.