Busy Hour Call Attempts
Abkürzung: BHCA, BHCA
Was ist BHCA?
BHCA steht für Busy Hour Call Attempts. Es ist eine zentrale Leistungskennzahl in der Telekommunikation, die angibt, wie viele Anrufversuche eine Vermittlungsstelle, ein Media Gateway oder ein Session Border Controller in der Hauptverkehrsstunde verarbeiten kann. Die Hauptverkehrsstunde ist der Zeitraum mit der höchsten Anruflast, typischerweise 60 Minuten am Vormittag oder frühen Abend. BHCA beziffert nicht die Gesprächsdauer, sondern ausschließlich die Anzahl der Verbindungsversuche pro Stunde.
Warum BHCA gemessen wird
Die Kapazität eines Telefoniesystems lässt sich nicht allein durch die Anzahl gleichzeitiger Gespräche beschreiben. Jeder Anrufversuch erzeugt Signalisierungslast, unabhängig davon, ob das Gespräch zustande kommt oder wie lange es dauert. Eine hohe BHCA-Zahl belastet die CPU der Vermittlungskomponenten, den Speicher und das interne Bussystem. Betreiber und Hersteller messen BHCA, um Systeme korrekt zu dimensionieren und Engpässe zu vermeiden, bevor die maximale Anzahl möglicher gleichzeitiger Sprachkanäle erreicht wird.
Die Hauptverkehrsstunde
Die Hauptverkehrsstunde ist ein definierter Beobachtungszeitraum von 60 Minuten mit dem kontinuierlich höchsten Anrufaufkommen. Sie ist nicht zwingend eine volle Uhrstunde; sie kann auch um 10:15 Uhr beginnen und um 11:15 Uhr enden. Netzbetreiber ermitteln diesen Zeitraum durch statistische Auswertung der Verkehrsdaten über mehrere Wochen. BHCA bezieht sich immer auf diesen Spitzenwert und dient als Worst-Case-Annahme für die Systemauslegung.
Berechnung und Einheit
BHCA ist eine absolute Zahl. Die Formel lautet vereinfacht: Anzahl der Anrufversuche während der Hauptverkehrsstunde. Ein System mit einer Spezifikation von 500.000 BHCA kann in dieser Stunde eine halbe Million Verbindungsversuche verarbeiten. In technischen Datenblättern finden sich oft Werte, die aus standardisierten Testszenarien stammen, etwa mit definierten Haltezeiten und einem angenommenen Anteil nicht erfolgreicher Rufe.
Abgrenzung zu Erlang und CAPS
Erlang beschreibt den Verkehrswert und damit die Belegungsdauer von Leitungen. BHCA hingegen zählt Ereignisse. Beide Werte hängen über die mittlere Belegungsdauer zusammen, messen aber unterschiedliche Aspekte. Eine hohe Erlang-Last bei langen Gesprächen erzeugt wenig Signalisierung pro Zeiteinheit, während viele kurze Anrufe die BHCA in die Höhe treiben, ohne viele Leitungen zu belegen. Eng verwandt mit BHCA ist CAPS (Call Attempts per Second), der Durchschnittswert pro Sekunde in der Hauptverkehrsstunde. Der Zusammenhang lautet: CAPS = BHCA / 3600.
Typische BHCA-Anforderungen
Die benötigte BHCA-Kapazität variiert stark mit dem Einsatzszenario.
- Ein kleiner Unternehmenstelefonieserver benötigt oft nur 5.000 bis 10.000 BHCA.
- Mittelgroße Contact Center liegen bei 50.000 bis 200.000 BHCA.
- Carrier-Grade-Softswitches und große IMS-Netze erreichen mehrere Millionen BHCA.
- Moderne Session Border Controller für VoIP-Interconnection sind für bis zu 10 Millionen BHCA spezifiziert.
BHCA in VoIP- und SIP-Umgebungen
In klassischen TDM-Netzen mit ISDN-Signalisierung entstand pro Anruf eine gut vorhersagbare Zahl an Nachrichten. Mit SIP ist der Signalisierungsaufwand komplexer. Ein einfacher Anruf besteht aus INVITE, Ringing, OK und BYE sowie den zugehörigen ACK- und PRACK-Nachrichten. Hinzu kommen Authentifizierungs- und Abrechnungsdialoge über RADIUS oder Diameter. Ein SIP-Server muss daher deutlich mehr Transaktionen pro Anruf verarbeiten als eine klassische ISDN-Vermittlungsstelle. Aus diesem Grund spezifizieren Hersteller oft zusätzlich den Wert "SIP Calls per Second" oder "SIP Sessions per Second", der direkt mit der BHCA-Angabe korreliert.
Faktoren, die BHCA beeinflussen
Die tatsächlich erreichbare BHCA hängt von vielen Parametern ab.
- Protokolltyp: SIP mit TCP erzeugt anderen Overhead als SIP über UDP.
- Codec-Aushandlung: Das Aushandeln von Codecs und Medienpfaden kostet Rechenzeit.
- Verschlüsselung: TLS und SRTP erhöhen die CPU-Last erheblich.
- Record-Route und Back-to-Back User Agent: Bleibt der Server im Medienpfad, sinkt die BHCA-Kapazität.
- Accounting und CDR-Erzeugung: Detaillierte Abrechnungsdatensätze belasten das System zusätzlich.
Praktische Bedeutung und Tests
Vor der Inbetriebnahme eines Systems testen Hersteller und Betreiber die BHCA-Leistung mit Verkehrsgeneratoren. Gängige Werkzeuge sind SIPp und kommerzielle Plattformen, die realistische Anrufprofile abspielen. Die Belastungstests folgen oft dem ITU-T-Modell mit einer empfohlenen mittleren Haltezeit von 100 Sekunden und einer Blockierungswahrscheinlichkeit unter einem Prozent. Nur Systeme, die unter diesen Bedingungen stabil arbeiten, erhalten eine BHCA-Freigabe für den Produktionsbetrieb.
Zusammenfassung
BHCA ist die entscheidende Kennzahl für die Signalisierungskapazität eines Telefoniesystems. Sie ergänzt die Verkehrstheorie um die Dimension der Ereignisverarbeitung und hilft, Überlastungen in der Hauptverkehrsstunde zu verhindern. Mit der Umstellung auf SIP und dem damit gestiegenen Nachrichtenaufkommen pro Anruf bleibt BHCA auch in modernen IP-Netzen die zentrale Planungsgröße.