Fusionsspleiß
Beim Fusionsspleiß werden zwei Faserenden im Lichtbogen aufgeschmolzen und miteinander verschweißt. Es entsteht eine durchgehende Glasverbindung ohne Fügematerial — deshalb liefert das Verfahren die geringste Dämpfung aller Faserverbindungen und die beste Beständigkeit über die Jahre.
Übliche Werte liegen bei 0,02 bis 0,1 dB je Spleiß. Im Netzbau ist es das Standardverfahren.
Was im Spleißgerät passiert
Einlegen und Ausrichten. Die abgesetzten, gereinigten und gebrochenen Faserenden kommen in die Führungen. Das Gerät fährt sie zusammen und richtet sie aus.
Vorlichtbogen. Ein kurzer Lichtbogen reinigt die Enden von Restpartikeln und rundet Kanten.
Schweißen. Der Hauptlichtbogen schmilzt die Enden; gleichzeitig werden sie mit definiertem Vorschub zusammengeführt.
Zugprüfung. Das Gerät belastet die frische Verbindung mit einer geringen Zugkraft. Ein Spleiß, der hier reißt, hätte in der Muffe versagt — die Prüfung gehört eingeschaltet und wird trotzdem gern abgeschaltet, weil sie gelegentlich Nacharbeit erzwingt.
Dämpfungsschätzung. Das Gerät errechnet einen Wert aus dem Bild der Verbindung. Das ist eine Schätzung, keine Messung — belastbar wird es erst mit OTDR oder Pegelmessung.
Kernzentrierung oder Mantelzentrierung
Der wichtigste Unterschied zwischen Gerätekassen, und der, der den Preis bestimmt:
Mantelzentrierung richtet die Fasern an ihrer Außenkontur aus, meist in einer V-Nut. Das setzt voraus, dass der Kern exakt mittig im Mantel sitzt. Bei guten Fasern trifft das weitgehend zu, bei Abweichungen entsteht ein Kernversatz, den das Gerät nicht sieht.
Kernzentrierung erfasst den Kern optisch und fährt beide Kerne aktiv übereinander. Das Ergebnis ist unabhängig von Fertigungstoleranzen der Faser und liefert zuverlässig die niedrigeren Werte.
Für das Zugangsnetz mit kurzen Strecken und reichlich Leistungsreserve genügt Mantelzentrierung. Auf langen Strecken, bei gemischten Fasertypen und überall dort, wo das Leistungsbudget knapp ist, rechnet sich die Kernzentrierung.
Kalibrierung und Verschleiß
Der Lichtbogen ist keine konstante Größe. Er hängt ab von Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchte und vom Zustand der Elektroden. Daraus folgen zwei Pflichten, die im Alltag untergehen:
Lichtbogentest. Vor Arbeitsbeginn und nach jedem erheblichen Standortwechsel — besonders bei Höhenunterschieden — kalibriert sich das Gerät an einer Probefaser selbst. Wer das überspringt, spleißt am Berg mit den Werten aus dem Tal.
Elektrodenpflege. Elektroden verschleißen und setzen sich zu. Sie haben eine Standzeit in Spleißzahlen, brauchen zwischendurch Reinigung und sind danach zu tauschen. Ein typisches Fehlerbild sind langsam schlechter werdende Werte über einen Arbeitstag hinweg.
Schutz der Spleißstelle
Die verschweißte Faser ist an dieser Stelle ohne Primärbeschichtung und damit empfindlich. Darüber kommt ein Schrumpfspleißschutz: eine Hülse mit Innenkleber und einem eingelegten Stahlstift, die im Ofen des Spleißgeräts aufgeschrumpft wird und die Stelle versteift.
Der Schutz muss vor dem Spleißen auf die Faser gefädelt werden. Das Vergessen dieses Schritts ist der Klassiker unter den Anfängerfehlern — danach hilft nur neu brechen und neu spleißen.
Bändchenfasern
Bei hohen Faserzahlen werden mehrere Fasern als Bändchen geführt und in einem Vorgang gespleißt, üblicherweise vier, acht oder zwölf gleichzeitig. Das senkt die Zeit je Faser erheblich und ist im Fernnetz und in Rechenzentren üblich.
Die Anforderungen steigen mit: Alle Fasern müssen gleich gebrochen sein, und das Gerät braucht eine passende Halterung und ein eigenes Programm.
Abgrenzung
Spleißen ist der Oberbegriff und ordnet die Verfahren ein.
Mechanischer Spleiß klemmt die Faserenden in einer Führung mit Indexgel. Er ist schneller und braucht kein Gerät, erreicht aber nicht dieselben Werte und altert.
Steckverbindung ist lösbar und hat eine höhere Dämpfung.
Einfügedämpfung und Rückflussdämpfung sind die Kennwerte, an denen ein Spleiß gemessen wird. Beim Fusionsspleiß ist die Rückflussdämpfung unkritisch, weil keine Grenzfläche entsteht — anders als bei jeder Steckverbindung.
Quellen
- IEC 61073-1: Spleiße für Lichtwellenleiter und Spleißorganizer
- IEC 61300-3-4: Prüfverfahren — Dämpfung
- ITU-T G.652 und G.657: Eigenschaften von Einmodenfasern