HVO100

HVO steht für Hydrotreated Vegetable Oil, hydriertes Pflanzenöl. HVO100 ist der reine Kraftstoff ohne fossilen Anteil. Trotz des Namens stammt er heute überwiegend aus Rest- und Abfallstoffen wie Altspeisefett und tierischen Fetten. Chemisch ist er kein Biodiesel, sondern ein paraffinischer Dieselkraftstoff, der fossilem Diesel sehr ähnlich ist.

Herstellung

Die Fette werden mit Wasserstoff behandelt. Dabei wird der Sauerstoff abgespalten, und es entstehen reine Kohlenwasserstoffketten, wie sie auch in Diesel aus Erdöl vorkommen. Das unterscheidet HVO vom klassischen Biodiesel (FAME), bei dem die Fette nur umgeestert werden und Sauerstoff im Molekül bleibt.

Eigenschaften von HVO100

MerkmalHVO100Diesel nach EN 590
NormDIN EN 15940 (paraffinischer Diesel)DIN EN 590
Kennzeichnung an der ZapfsäuleXTLB7
Dichterund 0,78 kg/lrund 0,83 kg/l
Energie pro Litereinige Prozent wenigerReferenz
Cetanzahlüber 70mindestens 51
Kälteverhaltenje nach Sorte bis −30 °C und tieferWinterdiesel bis −20 °C
Lagerunglange stabil, kaum Wasseraufnahmebegrenzt, bei Biodiesel-Anteil anfälliger

Wegen der geringeren Dichte zeigt der Verbrauch pro 100 km meist ein paar Prozent mehr. Dafür verbrennt HVO sauberer und rußt weniger.

Zulassung in Deutschland

Bis 2024 durfte HVO in Deutschland nur beigemischt oder in geschlossenen Flotten getankt werden. Mit einer Änderung der 10. BImSchV ist HVO100 seit dem 13. April 2024 an öffentlichen Tankstellen erlaubt.

Ob ein Fahrzeug es tanken darf, entscheidet der Hersteller. Freigegebene Fahrzeuge tragen die Kennzeichnung XTL im Tankdeckel oder in der Bedienungsanleitung. Viele neuere Dieselmotoren sind freigegeben; HVO lässt sich zudem in jedem Verhältnis mit fossilem Diesel mischen.

Klimabilanz

Das Bundesverkehrsministerium nennt eine Treibhausgaseinsparung von derzeit 87 % gegenüber fossilem Diesel, mit einem Potenzial von über 90 %. Das gilt für HVO aus Rest- und Abfallstoffen. Palmöl ist als Rohstoff für die Anrechnung auf die Treibhausgasquote ausgeschlossen. Im CO₂-Preis nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz zählen nachhaltige Biokraftstoffe mit dem Emissionsfaktor null.

Die Grenze ist die Menge: Altfette sind begrenzt. HVO kann fossilen Diesel in Teilbereichen ersetzen, aber nicht vollständig.

In Netzersatzanlagen

Rechenzentren, Krankenhäuser und Mobilfunkstandorte stellen ihre Notstromaggregate zunehmend auf HVO um. Für Netzersatzanlagen passt der Kraftstoff aus zwei Gründen:

Lagerung. Notstromdiesel liegt oft jahrelang im Tank. Fossiler Diesel mit Biodiesel-Anteil altert, nimmt Wasser auf und begünstigt Bakterienwachstum im Tank, die sogenannte Dieselpest. HVO enthält keinen Biodiesel und ist deutlich lagerstabiler.

Emissionen. Probeläufe und Notbetrieb verursachen direkte Emissionen am Standort. Mit HVO sinkt deren Klimabilanz, ohne dass die Aggregate getauscht werden müssen — vorausgesetzt, der Motorhersteller hat HVO freigegeben.

Der höhere Preis fällt bei Notstrom kaum ins Gewicht, weil die Aggregate selten laufen.

Normen

  • DIN EN 15940 – Paraffinischer Dieselkraftstoff aus Synthese oder Hydrierungsverfahren
  • DIN EN 590 – Dieselkraftstoff
  • 10. BImSchV – Verordnung über die Beschaffenheit und die Auszeichnung der Qualitäten von Kraft- und Brennstoffen

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