BTM – Behind the Meter

Abkürzung: BTM

Behind the Meter (BTM) bezeichnet alles, was hinter dem Stromzähler eines Verbrauchers erzeugt oder gespeichert wird — also auf seiner Seite des Netzanschlusses. Der Strom fließt direkt in die eigene Anlage, ohne das öffentliche Netz zu nutzen. Das Gegenstück ist Front of the Meter (FTM): Kraftwerke und Großspeicher, die ins Netz einspeisen.

Im Kleinen ist das Prinzip alltäglich: Photovoltaik mit Heimspeicher auf dem Einfamilienhaus oder ein Blockheizkraftwerk im Gewerbebetrieb. In Deutschland heißt das meist Eigenversorgung oder Eigenerzeugung.

Behind the Meter und Front of the Meter Der Netzanschluss mit Zähler trennt zwei Seiten. Links, vor dem Zähler, speisen Kraftwerke, Windparks und Großspeicher ins öffentliche Netz ein. Rechts, hinter dem Zähler, versorgen eigene Gasmotoren, Gasturbinen und Batteriespeicher das Rechenzentrum direkt. Darunter zwei Varianten: Erzeugung ergänzend zum Netzanschluss und Inselnetz ganz ohne Anschluss. Vor und hinter dem Zähler Der Netzanschluss trennt Erzeugung für das öffentliche Netz von Erzeugung für den eigenen Verbrauch FRONT OF THE METER BEHIND THE METER Kraftwerke, Windparks speisen ins Netz ein Großspeicher laden und entladen über das Netz Öffentliches Netz Netzanschluss mit Zähler Gasmotoren, Gasturbinen Strom im Dauerbetrieb Batteriespeicher fängt Lastsprünge ab Rechen- zentrum ZWEI VARIANTEN Ergänzend zum Netz Der Netzanschluss bleibt, eigene Erzeugung deckt den Mehrbedarf. Beispiel: CyrusOne, Frankfurt Inselnetz Kein Netzanschluss, Motoren und Batterien tragen die ganze Last. Beispiele: Pure DC, Dublin; viele US-Projekte
Vor und hinter dem Zähler

Im Rechenzentrum

In den USA steht der Begriff seit 2025 zunehmend für etwas anderes: Rechenzentren, die ihr eigenes Kraftwerk bauen, weil der Netzanschluss Jahre dauert. Nach einer Auswertung von Cleanview waren Mitte 2026 59 solche Projekte mit rund 90 GW angekündigt — über ein Viertel der geplanten Rechenzentrumskapazität der USA. In Betrieb waren davon rund 2 GW.

Der Antrieb ist derselbe wie in Deutschland: Die Anschlussleistung ist das knappste Gut, und ein eigenes Kraftwerk ist schneller gebaut als eine neue Hochspannungsleitung.

Technik hinter BTM

TechnikLeistung je EinheitEigenschaft
Aeroderivative Gasturbine30–115 MWumgebaute Flugzeugtriebwerke, in 5–8 Minuten auf Last
Industrie-Gasturbineeinige 10 MWrobuster, schwerer
Schwere Gasturbinerund 400 MWhöchster Wirkungsgrad im Gas-und-Dampf-Betrieb
Schnelllaufender Gasmotor0,5–4,5 MWmodular, viele Einheiten parallel
Mittelschnelllaufender Gasmotor5–20 MWKraftwerksmotoren
Festoxid-BrennstoffzellemodularErdgas ohne Verbrennung, kaum Stickoxide

Große Gasturbinen sind ausverkauft, die ersten freien Liefertermine liegen nach 2030. Deshalb setzen viele Projekte auf Gasmotoren und Brennstoffzellen.

Was schwierig ist

Lastsprünge. KI-Training lässt die Last eines Rechenzentrums mehrmals pro Sekunde um 10 bis 20 MW springen. Bei xAI in Memphis hat das die Wellen der Turbinengeneratoren belastet; als Puffer kamen 150 MW Batteriespeicher dazu. Ein Battery Energy Storage System gehört deshalb fast immer zur Anlage.

Teillast. Gasturbinen halten ihre Abgaswerte nur oberhalb von etwa der Hälfte der Nennlast. Schwankt die Last darunter, steigen Stickoxide und Kohlenmonoxid.

Verfügbarkeit. Das öffentliche Netz in den USA erreicht rund 99,93 %. Ein Inselnetz muss das mit Reserveeinheiten nachbauen und wird dafür größer als die Last.

Kurzschlussstrom. Motoren und Turbinen liefern im Fehlerfall das Fünf- bis Zehnfache ihres Nennstroms, Batterien und Brennstoffzellen nur das 1,2- bis 2-Fache. Der Netzschutz muss darauf ausgelegt sein.

Kosten. Ein Kraftwerk für ein Rechenzentrum mit 1 GW IT-Leistung im Inselbetrieb kostet rund 5 Milliarden US-Dollar.

Beispiele

ProjektAnlage
xAI Colossus 2, Memphis (USA)1,2 GW aus 41 Gasturbinen, dauerhaft genehmigt im März 2026
OpenAI, Shackelford County, Texas (USA)über 500 Gasmotoren Jenbacher J624 à 4,25 MW für 1,4 GW IT-Leistung
Meta und EdgeConneX, Ohio (USA)736 MW Gaserzeugung im Bau
Pure DC, Dublin (Irland)Inselnetz ohne Netzanschluss: sechs Wärtsilä-Motoren in zwei Energiezentralen à 30 MW, 20 MW Batteriespeicher, Endausbau 110 MW
CyrusOne FRA7, Frankfurt61 MW aus Gasmotoren à 4,5 MW, ergänzend zum Netzanschluss

In Deutschland

Ein reiner Inselbetrieb wie in Texas ist hier nicht in Sicht. Das erste große Projekt ergänzt den Netzanschluss: Auf dem Frankfurter Campus von CyrusOne FRA7 liefert das Netz 81 MW, ein Energiezentrum von E.ON mit 61 MW aus Gasmotoren soll die IT-Leistung auf 126 MW anheben. Die Motoren laufen zunächst mit Erdgas und vertragen 25 % Wasserstoff. Ihre Abwärme treibt Absorptionskältemaschinen für das Rechenzentrum, bis zu 40 MW sollen ins Fernwärmenetz gehen. Inbetriebnahme ist bis 2029 geplant.

Drei Dinge machen BTM in Deutschland anspruchsvoll:

  • Genehmigung. Gasmotoren und -turbinen dieser Größe brauchen eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung — wie schon die Notstromdiesel (siehe Standortwahl von Rechenzentren).
  • Erneuerbarer Strom. Das Energieeffizienzgesetz verlangt, den Stromverbrauch bilanziell aus erneuerbaren Energien zu decken. Strom aus eigenen Gasmotoren zählt nicht dazu; der Betreiber muss die Menge rechnerisch über Herkunftsnachweise oder PPAs ausgleichen.
  • Abwärme. Ein Gasmotor erzeugt neben Strom etwa ebenso viel Wärme. Ohne Abnehmer ist das verschenkte Energie; mit Wärmenetz wird daraus Kraft-Wärme-Kopplung.

Abgrenzung

Netzersatzanlage. Läuft nur, wenn das Netz ausfällt, und ist für wenige Stunden im Jahr gebaut. Eine BTM-Anlage liefert Strom im Dauerbetrieb.

Power Purchase Agreement. Ein Liefervertrag mit einem Kraftwerk, der Strom fließt aber über das öffentliche Netz. Bei BTM ist das Kraftwerk direkt angeschlossen.

Front of the Meter (FTM). Erzeugung und Speicher, die ins öffentliche Netz einspeisen und von dort verteilt werden.

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