Kabelmodem
Das Kabelmodem ist der Netzabschluss am Breitbandkabelanschluss. Anders als ein DSL-Modem wird es vom Netzbetreiber ferngesteuert und muss ihm bekannt sein.
Definition
Ein Kabelmodem setzt die Signale des Koaxialkabels auf Ethernet um. Es empfängt auf mehreren Kanälen gleichzeitig, sendet auf wenigen zurück und stellt dem Heimnetz eine klassische Netzwerkverbindung bereit.
Die Gegenstelle im Netz ist das CMTS in der Kopfstelle des Betreibers. Zwischen beiden liegt ein geteiltes Medium: Alle Teilnehmer eines Segments hängen am selben Kabel und teilen sich dessen Kapazität.
Die Technik ist in der Normenreihe DOCSIS festgelegt. In Europa gilt eine angepasste Fassung mit 8 MHz breiten Kanälen, abgestimmt auf das hier übliche Kanalraster des Kabelfernsehens.
Die Provisionierung
Ein Kabelmodem lässt sich nicht wie ein DSL-Router mit Zugangsdaten einrichten. Es holt sich seine gesamte Konfiguration beim Einschalten aus dem Netz. Der Ablauf ist genormt und läuft immer gleich:
- Empfangskanal suchen. Das Modem tastet den Frequenzbereich ab, bis es ein gültiges Signal findet.
- Sendeleistung einstellen. Es meldet sich beim CMTS und bekommt gesagt, mit welcher Leistung und welchem Zeitversatz es senden soll. Dieser Schritt heißt Ranging und wird laufend wiederholt.
- Adresse beziehen. Das Modem erhält eine Adresse für sich selbst, nicht für das Heimnetz.
- Uhrzeit holen. Wird für die Protokollierung gebraucht.
- Konfigurationsdatei laden. Darin stehen die gebuchten Geschwindigkeiten, die Zahl der nutzbaren Kanäle und weitere Vorgaben.
- Registrieren. Erst danach ist der Anschluss nutzbar.
Daraus folgt der wichtigste Unterschied zum DSL-Anschluss: Es gibt nichts einzustellen. Wer ein Kabelmodem konfigurieren will, sucht vergeblich. Die Tarifgrenzen, die Kanalzahl und selbst die Frage, ob Telefonie freigeschaltet ist, kommen aus der Konfigurationsdatei des Providers.
Die CM-MAC
Damit das CMTS ein Modem akzeptiert, muss es dessen Kennung kennen. Verwendet wird dazu die MAC-Adresse der Kabelschnittstelle, üblicherweise als CM-MAC bezeichnet.
Sie steht auf dem Typenschild des Geräts und ist nicht mit den MAC-Adressen der LAN-Anschlüsse oder des Funknetzes zu verwechseln. Ein Gerät hat mehrere, und nur eine davon ist die richtige.
Beim Wechsel des Modems muss die neue Kennung beim Netzbetreiber hinterlegt werden. Ohne diesen Schritt bleibt der Anschluss dunkel, auch wenn Kabel und Gerät in Ordnung sind. Das ist die häufigste Ursache dafür, dass ein selbst gekauftes Gerät nicht ans Netz geht.
Eigenes Gerät verwenden
Nach § 73 Abs. 1 TKG ist der Zugang am passiven Netzabschlusspunkt zu gewähren. Am Kabelanschluss ist das die Anschlussdose. Das Modem zählt damit zum Endgerät und darf selbst beschafft werden.
Der Netzbetreiber ist verpflichtet, die nötigen Zugangsdaten bereitzustellen und ein mitgebrachtes Gerät freizuschalten. In der Praxis verläuft das unterschiedlich glatt.
Was dabei regelmäßig schiefgeht:
- Die Freischaltung hängt im System. Die Kennung ist eingetragen, das Modem registriert sich trotzdem nicht. Meist eine Frage von Stunden, gelegentlich von Tagen, und ohne Rückmeldung an den Kunden.
- Das Gerät wird wegen der Artikelnummer abgelehnt. Manche Modelle existieren in mehreren Ausführungen, von denen nur bestimmte für das jeweilige Netz vorgesehen sind. Vor dem Kauf ist deshalb nicht nur das Modell, sondern die genaue Ausführung zu prüfen.
- Gebrauchtkauf. Ist das Gerät noch auf einen anderen Kunden eingetragen, scheitert die Registrierung. Es muss beim Vorbesitzer ausgetragen worden sein.
- Die Aktivierungsseite erscheint nicht. Bei manchen Betreibern wird nach dem Anschließen eine Seite zur Freischaltung aufgerufen. Bleibt sie aus, hilft es, den Browser ohne gespeicherte Daten zu verwenden und eine unverschlüsselte Adresse aufzurufen.
Zu bedenken: Ein gemietetes Gerät wird vom Betreiber verwaltet und kann ohne Vorankündigung neu gestartet, aktualisiert oder zurückgesetzt werden. Das eigene Gerät entzieht sich dem, dafür liegt die Fehlersuche beim Kunden.
Telefonie
Am Kabelanschluss läuft die Telefonie über SIP, wie bei jedem anderen IP-Anschluss. Die Zugangsdaten stellt der Betreiber bereit.
Bei gemieteten Geräten werden sie automatisch eingespielt. Bei eigenen Geräten müssen sie eingetragen werden, und sie können sich ändern, wenn der Betreiber seine Infrastruktur umstellt. Dann steht die Rufnummer plötzlich auf nicht registriert, ohne dass am Anschluss etwas geändert wurde.
Abgrenzung
Das CMTS ist die Gegenstelle in der Kopfstelle. Es bedient alle Modems eines Segments.
Ein DSL-Modem arbeitet auf einer Leitung, die nur dem einzelnen Teilnehmer gehört, und wird mit Zugangsdaten eingerichtet. Beides ist beim Kabelmodem anders.
Ein ONT ist das Gegenstück am Glasfaseranschluss. Die Rechtslage ist dieselbe, die Technik nicht.
Die Anschlussdose im Wohnraum ist passiv und gehört zur Hausinstallation. Sie ist der Netzabschlusspunkt im Sinne des Gesetzes.
Quellen
- CableLabs DOCSIS 3.0 und 3.1 Specifications, Abschnitte zur Initialisierung und Registrierung
- ETSI EN 302 878: Third Generation Transmission Systems for Interactive Cable Television Services (EuroDOCSIS)
- § 73 Telekommunikationsgesetz (TKG)
- Bundesnetzagentur: Veröffentlichungen zum Netzabschlusspunkt und zur freien Endgerätewahl