Not-So-Stubby Area
Abkürzung: NSSA
Die NSSA ist ein Bereichstyp in OSPF, der einen Widerspruch auflöst: Ein Stub-Bereich darf keine externen Routen führen — aber manchmal hängt genau an so einem Bereich ein Netz, das von außen hereingereicht werden muss.
Der Name ist als Scherz gemeint und blieb: ein Bereich, der nicht ganz so stummelig ist wie ein Stub.
Wozu es Stub-Bereiche überhaupt gibt
OSPF teilt ein Netz in Bereiche, um die Topologiedatenbank klein zu halten. Routen, die von außerhalb des OSPF-Netzes stammen — aus BGP, aus statischen Einträgen, aus einem anderen Protokoll —, werden als externe Routen eingespeist und über das ganze Netz verteilt.
Für einen Bereich mit einem einzigen Ausgang ist das sinnlos. Er muss nicht wissen, welcher Weg nach draußen der beste ist; es gibt nur einen. Also schneidet man die Information ab und ersetzt sie durch eine Vorgabe:
| Bereichstyp | externe Routen | Zusammenfassungen anderer Bereiche |
|---|---|---|
| Stub | gesperrt, ersetzt durch Standardroute | erlaubt |
| Totally Stubby | gesperrt | gesperrt, nur Standardroute |
| NSSA | von außen gesperrt, eigene erlaubt | erlaubt |
| Totally NSSA | von außen gesperrt, eigene erlaubt | gesperrt, nur Standardroute |
Der Gewinn ist spürbar: kleinere Datenbanken, weniger Rechenaufwand bei jeder Änderung, schnellere Konvergenz. Für Zweigstellenrouter mit begrenztem Speicher war das lange der entscheidende Grund.
Was die NSSA anders macht
Ein gewöhnlicher Stub-Bereich darf keine externen Routen führen — auch keine eigenen. Das wird zum Problem, sobald an einem Router dieses Bereichs etwas hängt, das eingespeist werden müsste: eine Standleitung zu einem Partner, ein Netz hinter einem anderen Routingprotokoll, eine Reihe statischer Einträge.
Die NSSA erlaubt genau das, mit einem eigenen Nachrichtentyp. Externe Routen, die innerhalb der NSSA entstehen, werden als Typ-7-LSA verteilt — nur innerhalb dieses Bereichs. Am Übergang setzt der Grenzrouter sie in gewöhnliche Typ-5-LSA um, damit der Rest des Netzes sie wie jede andere externe Route sieht.
Die Richtung ist dabei einseitig und der Kern der Sache: Hinein dürfen keine externen Routen, hinaus die eigenen schon.
Zwei Punkte, die bei der Einrichtung zählen:
Alle Router eines Bereichs müssen denselben Typ eingestellt haben. Die Angabe steckt in einem Feld der Hello-Pakete; stimmt sie nicht überein, entsteht keine Nachbarschaft. Ein vergessener Router bleibt stumm, und das Fehlerbild sieht nach einem Leitungsproblem aus.
Die Standardroute kommt nicht von selbst. Anders als beim Stub-Bereich muss sie in einer NSSA ausdrücklich erzeugt werden. Wird das übersehen, kennen die Router des Bereichs ihre eigenen externen Routen und die der anderen Bereiche — aber keinen Weg nach draußen.
Wann NSSA heute noch eine Rolle spielt
Der ursprüngliche Beweggrund hat an Gewicht verloren. Speicher und Rechenleistung sind kein Engpass mehr, und viele Netze laufen mit einem einzigen OSPF-Bereich, ohne dass es auffällt.
Zwei Anwendungsfälle bleiben:
Große Netze mit vielen Zweigstellen, bei denen die Zahl der externen Routen in die Tausende geht. Dort spart die Abschottung messbar Konvergenzzeit.
Bereiche mit fremden Anbindungen. Ein Standort mit eigener Verbindung zu einem Partner oder Dienstleister speist Routen ein, soll aber nicht die vollständige externe Tabelle des Gesamtnetzes tragen.
In Prüfungen und Zertifizierungen ist die NSSA ein fester Bestandteil — und einer der Gründe, aus dem der Begriff häufiger gesucht als eingerichtet wird.
Abgrenzung
Stub Area sperrt externe Routen in beide Richtungen.
Totally Stubby Area geht weiter und sperrt auch die Zusammenfassungen anderer Bereiche. Es ist keine Festlegung des OSPF-Standards, sondern eine Erweiterung, die sich durchgesetzt hat.
Area 0 ist der Rückgrat-Bereich, mit dem alle anderen verbunden sein müssen. Er kann kein Stub und keine NSSA sein.
ABR (Area Border Router) steht am Übergang zwischen zwei Bereichen und setzt die Typ-7-LSA in Typ-5-LSA um.
ASBR (Autonomous System Boundary Router) speist die externen Routen ein. In einer NSSA ist er zugleich der Erzeuger der Typ-7-LSA.