Partial Rerouting

Abkürzung: PR

Was ist Partial Rerouting / Rufumleitung im Amt?

Partial Rerouting, im Deutschen auch Rufumleitung im Amt oder netzseitige Rufumleitung genannt, ist ein Verfahren in Telekommunikationsnetzen, bei dem eine Rufumleitung nicht von der privaten Telefonanlage des Teilnehmers, sondern direkt im öffentlichen Netz vorgenommen wird. Der Vorteil liegt auf der Hand: Bereits die Vermittlungsstelle des Netzbetreibers erkennt das Umleitungsziel und baut die Verbindung dorthin auf. Die Leitung zum ursprünglich gerufenen Anschluss und die dortige Telefonanlage werden nicht belegt. Dies spart Ressourcen und Übertragungskanäle auf dem Abschnitt zwischen Netz und privater Anlage.

Abgrenzung zum normalen Call Forwarding

Bei einer klassischen Rufumleitung über die private Telefonanlage wird der ankommende Ruf zunächst auf einem Amtskanal zur Anlage durchgeschaltet. Die Anlage nimmt den Ruf entgegen, analysiert die Umleitungsregel und baut einen zweiten, abgehenden Ruf über einen anderen Amtskanal zum Umleitungsziel auf. Das führt zu einer doppelten Kanalbelegung. Partial Rerouting vermeidet diese doppelte Belegung vollständig, indem die Anlage dem Netz die Umleitungsinformation mitteilt und das Netz die Verbindung ohne Umweg aufbaut.

Funktionsweise und technische Umsetzung

Die private Telefonanlage muss ihre Umleitungswünsche protokollgerecht an den Netzbetreiber signalisieren. Je nach Anschlusstechnologie stehen dafür unterschiedliche Verfahren bereit.

  • ISDN (Partial Rerouting): Bei einem eingehenden Ruf beantwortet die TK-Anlage die SETUP-Nachricht nicht mit einem CONNECT, sondern weist den Ruf mit einer FACILITY-Nachricht zurück. Diese Nachricht enthält die Umleitungsinformation und das gewünschte Ziel. Die Ortsvermittlungsstelle verarbeitet diese Information, verwirft den ersten Ruf und initiiert einen neuen Ruf zum Umleitungsziel. Dieses Verfahren ist im DSS1-Protokoll standardisiert und funktioniert für alle Umleitungsarten (CFU, CFB, CFNR).
  • SIP (SIP-302 Redirect): Das SIP-Protokoll kennt eine eigene Antwortklasse für Umleitungen. Empfängt der SIP-Server der privaten Anlage ein INVITE, antwortet er mit einem 302 Moved Temporarily und setzt die neue Zieladresse in den Contact-Header. Der Provider oder Session Border Controller wertet diese Antwort aus, sendet dem ursprünglichen Anrufer den Redirect und teilt das neue Ziel mit. Der Anrufer initiiert daraufhin ein neues INVITE direkt zum Umleitungsziel. Alternativ kann der Provider als Back-to-Back User Agent den neuen Ruf selbst aufbauen.

Partial Rerouting in Mobilfunknetzen

Auch Mobilfunknetze setzen auf netzseitige Umleitung, um Funkressourcen zu schonen. Aktiviert ein Mobilfunkteilnehmer eine bedingungslose Umleitung (CFU) zu einer externen Nummer, wird diese Information im Heimatregister gespeichert. Ein ankommender Ruf wird bereits vom Mobile Switching Center ausgewertet und direkt zum Umleitungsziel geroutet. Das Mobilfunkgerät selbst empfängt keinerlei Signalisierung und wird nicht belegt. Dies schont die Akkulaufzeit und die Funkkapazität der Zelle.

Praktische Vorteile

Partial Rerouting bringt mehrere handfeste Vorteile für Betreiber und Nutzer.

  • Kanalersparnis: Bei ISDN-Mehrgeräteanschlüssen und SIP-Trunks werden weniger Sprachkanäle gleichzeitig belegt, da der Umweg über die Anlage entfällt.
  • Kosteneffizienz: Für die Dauer des umgeleiteten Gesprächs werden keine internen Ressourcen der Anlage verbraucht, was bei großen Systemen mit vielen Umleitungen die CPU-Last senkt.
  • Qualitätsverbesserung: Der Sprachweg wird nicht durch eine zweite Digital-Analog-Wandlung in der Anlage verschlechtert.
  • Ausfallsicherheit: Selbst wenn die private Telefonanlage ausfällt oder ihre Ports vollständig belegt sind, funktionieren netzseitig konfigurierte Umleitungen weiterhin.

Grenzen und Konfigurationsvoraussetzungen

Partial Rerouting setzt voraus, dass sowohl der Netzbetreiber als auch die Telefonanlage das Verfahren unterstützen. Nicht jeder Provider bietet Partial Rerouting an, und einige ältere ISDN-TK-Anlagen beherrschen die FACILITY-Umleitung nicht oder nur für bestimmte Umleitungsarten. Ein weiterer Nachteil betrifft die Abrechnung: Bei einer Umleitung über die Anlage trägt der Inhaber der Anlage die Kosten für den abgehenden Schenkel zum Ziel. Bei netzseitiger Umleitung muss der ursprünglich angerufene Teilnehmer die Kostenstruktur genau verstehen, da der zweite Verbindungsabschnitt in der Regel ebenfalls zu seinen Lasten geht, die Tarifierung aber oft undurchsichtiger ist. Zudem entfällt die Möglichkeit, die Umleitung in der Anlage nachträglich zu beeinflussen oder aufzuzeichnen; das Gespräch wird transparent und ohne Einwirkungsmöglichkeit der privaten Anlage durchgestellt.

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