PeeringDB
PeeringDB ist ein freiwilliges, öffentlich einsehbares Verzeichnis, in dem Netzbetreiber eintragen, wo sie erreichbar sind und unter welchen Bedingungen sie Peering betreiben. Es ist das Branchenverzeichnis für die Zusammenschaltung von Netzen — ohne amtlichen Charakter, aber ohne nennenswerte Alternative.
Was drinsteht
Der zentrale Datensatz ist das Netz, geführt unter seiner AS-Nummer. Daran hängen:
Die Peering-Richtlinie — offen, selektiv oder restriktiv — samt etwaiger Bedingungen wie einer Mindestverkehrsmenge oder einer Anwesenheit an mehreren Standorten.
Die Verkehrsmenge und das Verhältnis zwischen ein- und ausgehendem Verkehr, beides als Selbstauskunft in Größenklassen.
Die Anwesenheiten. Für jeden Internet-Knoten, an dem das Netz angeschlossen ist, die dort verwendeten Adressen für IPv4 und IPv6 sowie die Portgeschwindigkeit. Für jedes Rechenzentrum, in dem es steht, der Standort.
Die Kontaktrollen, getrennt nach Zweck: eine Adresse für Peering-Anfragen, eine für technische Störungen, eine für den Missbrauchsfall.
Daneben sind Knoten, Rechenzentren, Transportanbieter und Standortverbünde als eigene Datensätze geführt, mit Verweisen auf die dort anwesenden Netze.
Wozu es benutzt wird
Die Peering-Anfrage. Vor jeder Anfrage steht der Blick ins Verzeichnis: Ist die Gegenseite an einem Knoten anwesend, an dem ich ebenfalls bin? Passt ihre Richtlinie? An welche Adresse geht die Anfrage? Eine Anfrage, die diese Angaben nicht berücksichtigt, wird meist nicht beantwortet.
Die Einrichtung der Sitzung. Die eingetragenen Adressen sind die Gegenstellen der BGP-Sitzung.
Die automatische Erzeugung von Konfigurationen. Das ist die wichtigste Nutzung und der Grund, warum die Datenqualität zählt. Route Server und große Netze erzeugen ihre Konfiguration maschinell aus dem Verzeichnis: welche Sitzungen aufzubauen sind, welche Höchstzahl an Präfixen je Sitzung gilt, welche Adressen verwendet werden. Ein falscher Eintrag wird damit unmittelbar wirksam.
Trägerschaft und Pflege
Das Verzeichnis wird von einer gemeinnützigen Organisation betrieben, die von der Betreiberschaft selbst getragen und finanziert wird. Es gehört keinem Knoten und keinem Anbieter.
Einträge pflegt jedes Netz selbst. Die Zuordnung einer AS-Nummer zu einer Organisation wird dabei gegen die Registerdaten der regionalen Vergabestellen geprüft, und neue Nutzer werden anhand der E-Mail-Domäne der eingetragenen Organisation zugeordnet. Das verhindert, dass jemand fremde Netze bearbeitet — es sagt aber nichts darüber, ob die eingetragenen Angaben der Wirklichkeit entsprechen.
Stolperstellen
Freiwilligkeit heißt veraltete Daten. Ein Netz, das umgezogen ist, einen Port gekündigt oder seine Richtlinie geändert hat, trägt das nicht zwangsläufig nach. Besonders die Verkehrsangaben sind oft jahrealt. Wer auf dieser Grundlage eine Entscheidung trifft, sollte sie an anderer Stelle gegenprüfen.
Die Höchstzahl der Präfixe ist die häufigste Fehlerquelle. Der Eintrag dient dazu, dass ein Partner die Sitzung begrenzt — sie wird abgebaut, wenn mehr Präfixe angekündigt werden als vereinbart. Wächst das eigene Netz und bleibt der Eintrag stehen, bricht die Sitzung irgendwann ab, und zwar bei allen Partnern, die den Wert übernommen haben, in zeitlicher Nähe. Der Fehler sieht dann nach einem Problem beim Partner aus, liegt aber im eigenen Eintrag. Üblich ist, den Wert deutlich über dem aktuellen Bedarf zu halten und bei jeder Erweiterung mitzuführen.
Das Verzeichnis ist nicht autoritativ. Es sagt, wo jemand erreichbar ist, nicht, wem ein Adressbereich gehört. Ein Eintrag belegt kein Nutzungsrecht an einem Präfix.
Die Anwesenheit sagt nichts über die Bereitschaft. Ein Netz kann an einem Knoten anwesend und dennoch nicht an einer Beziehung interessiert sein. Die Richtlinie ist dafür der Anhaltspunkt, keine Zusage.
Abgrenzung
IRR (Internet Routing Registry) nimmt die Ankündigungsabsichten auf, die der Filterung dienen — welche Präfixe ein Netz ankündigen darf. PeeringDB sagt, wo man sich trifft; das IRR, was dort ausgetauscht werden darf.
RPKI belegt kryptografisch, welches Netz einen Adressbereich ankündigen darf, und ist damit die belastbare Grundlage der Filterung. PeeringDB leistet dafür nichts.
Das Whois der Vergabestellen führt die Zuteilung von Adressen und AS-Nummern samt verantwortlichen Kontakten. PeeringDB verweist darauf und ersetzt es nicht.
Ein Internet Exchange Point ist der Ort der Zusammenschaltung, PeeringDB das Verzeichnis darüber, wer dort liegt.
Quellen
- PeeringDB: Betreiberdokumentation und API-Beschreibung
- Euro-IX: Best Current Operational Practices for IXPs
- MANRS: Anforderungen an die Pflege von Routing-Informationen