POF-Ringnetz

Ein POF-Ringnetz verbindet Netzwerkmodule über Polymerfaser zu einer Schleife statt sternförmig; jeder Knoten hängt an zwei Switches.

Definition

Ein POF-Ringnetz ist ein Gebäude-LAN, bei dem die Netzwerkknoten nicht sternförmig vom Verteiler aus verkabelt werden, sondern über ein durchgehendes POF-Duplexkabel (2 × 2,2 mm) in Reihe geschaltet sind. Beide Enden des Rings enden an einem Distributionswitch – bei voller Redundanz an zwei getrennten Switches. Jeder Knoten im Ring ist ein kleiner Managed Switch mit zwei POF-Ports (Ring in, Ring out) und zwei bis vier RJ45-Ports für Endgeräte.

Das Konzept wird derzeit ausschließlich für gewerbliche Innennetze angeboten (Logistikhallen, Messebau, Einzelhandel, Büros). Im Heimnetz wird POF weiterhin sternförmig oder als Punkt-zu-Punkt-Strecke verlegt.

Aufbau

Ein Ring besteht aus drei Komponenten:

  • Ringmodule mit 2 POF-Ports und 2–4 RJ45-Ports (1 Gbit/s), wahlweise mit PoE. Die Module werden über eine 230-V-Zuleitung versorgt (Wieland-Steckverbinder, Durchschleifen möglich) oder sind als OEM-Variante direkt in Lichtbandleuchten integriert.
  • Distributionswitch mit 12–16 POF-Ports, an dem die Ringe auflaufen, plus SFP+-Uplinks (10 Gbit/s) zum Core-Switch oder Router.
  • POF-Duplexkabel 2,2 mm, steckerlos angeschlossen: Faser ablängen, in den Port stecken, verriegeln.

Die POF-Ports sind steckerlos ausgeführt; das Prinzip entspricht dem OptoLock-Verfahren, der Hersteller FiberUnlimited nennt es „easy lock port".

Topologie und Redundanz

Der wesentliche Unterschied zum Stern: Im Stern führt von jedem Anschlusspunkt ein eigenes Kabel zum Verteiler. Im Ring läuft ein Kabel von Modul zu Modul; nur die beiden Ringenden gehen zum Verteiler. Der Hersteller gibt dafür 80–90 Prozent weniger Kabel gegenüber einem Kupfer-Sternnetz an – der Wert hängt stark von Gebäudegröße und Zahl der Anschlusspunkte ab.

Redundanz entsteht, weil jedes Modul über zwei Wege erreichbar ist. Fällt ein Modul oder ein Kabelsegment aus, bleiben die übrigen Knoten über die andere Ringrichtung angebunden. Enden die beiden Ringhälften an zwei getrennten Verteilerswitches, überlebt das Netz auch den Ausfall eines Switches.

Als Schleifenschutz und Umschaltmechanismus nennen die Datenblätter RSTP (IEEE 802.1w). Das ist Standard-Spanning-Tree mit Konvergenzzeiten im Sekundenbereich, kein dediziertes Ringprotokoll wie ERPS (ITU-T G.8032) mit Umschaltzeiten unter 50 ms. Für Büro- und Logistikanwendungen reicht das; für Echtzeit-Industrieanwendungen ist es zu langsam.

Bandbreite

Jeder POF-Link im Ring überträgt 1 Gbit/s. Diese Bandbreite wird von allen Knoten im Ring geteilt: Der Verkehr aller Module läuft über dieselben Ringsegmente zum Verteiler. Ein Ring mit zehn Modulen und je vier Endgeräten teilt sich damit 1 Gbit/s Uplink – im Stern hätte jeder Port sein eigenes Gigabit. Für typische Büro- und Logistikanwendungen (WLAN-Access-Points, Kameras, Scanner, Terminals) ist das ausreichend; für Arbeitsplätze mit hohem Datenaufkommen muss der Ring entsprechend kurz gehalten werden.

Der Hersteller gibt eine Latenz unter 1 ms auch bei Ringen mit mehr als zehn Knoten an.

Power over Ethernet

POF alleine überträgt keine elektrische Energie. PoE im POF-Ringnetz funktioniert deshalb nur, weil jedes Ringmodul selbst am Stromnetz hängt und die PoE-Versorgung lokal an seinen RJ45-Ports erzeugt. Verfügbar sind Module mit PoE (IEEE 802.3af, 15 W) und PoE+ (IEEE 802.3at, 30 W pro Port). Das Modul wird damit zum lokalen PoE-Injektor für Access Points, IP-Kameras oder Zutrittsleser.

Das kehrt ein zentrales Argument der Kupferverkabelung um: Im UTP-Netz liefert der zentrale PoE-Switch den Strom über das Datenkabel; im POF-Ringnetz muss an jedem Modul eine 230-V-Versorgung vorhanden sein. In Lichtbändern und Kabeltrassen ist das gegeben, an einer freien Wand nicht.

Integration in Beleuchtung

Die Ringmodule sind für den Einbau in Lichtbandsysteme und 3-Phasen-Stromschienen konstruiert. Das POF-Kabel wird auf die Lichtschiene geclippt, die Module nutzen deren Stromversorgung. Der Leuchtenhersteller Trilux bietet seit Oktober 2022 Lichtbänder (E-line Gen3) mit direkt integrierten POF-Modulen an; das Datennetz wird damit Teil der Beleuchtungsinstallation.

Neue Anschlusspunkte entstehen, indem das Ringkabel an der gewünschten Stelle durchtrennt und ein weiteres Modul eingesetzt wird.

Verwaltung

Module und Verteilerswitches sind Managed Switches mit VLAN, IGMP, QoS und MAC-Authentifizierung. Die Konfiguration läuft beim einzigen Anbieter über eine Cloud-Plattform des Herstellers; eine lokale Verwaltung ohne Cloud-Anbindung gibt es nur für den älteren 16-Port-Verteilerswitch.

Anbieter

Das POF-Ringnetz ist ein proprietäres System des niederländischen Herstellers FiberUnlimited (Nijkerk, gegründet 2015). Die erste Produktgeneration lief unter dem Namen Optolux, seit Ende 2025 heißt das Portfolio Halonex; die Optolux-Bezeichnung bleibt für die Trilux-Leuchtenvariante bestehen. Vertriebspartner für den deutschsprachigen Raum ist Homefibre (Österreich), das im Heimnetz weiterhin sternförmige POF-Systeme anbietet. Als Backbone hinter den Ringen setzt FiberUnlimited Switches von EdgeCore Networks ein.

Welcher POF-Transceiver in den Modulen arbeitet, dokumentiert der Hersteller nicht. Bei 1 Gbit/s über 2,2-mm-Stufenindexfaser kommt praktisch nur der KDPOF-Baustein KD1053 nach IEEE 802.3bv in Frage.

Einordnung

Das Ringnetz löst ein reales Problem: Die Verkabelung großer Hallen und Verkaufsflächen im Stern ist teuer und unflexibel. Der Preis dafür ist die geteilte Ringbandbreite, die Abhängigkeit von einem Hersteller samt Cloud-Plattform und die Stromversorgung an jedem Modul. Ein Vergleich mit Glasfaser-Sternnetzen oder Kupfer-Ringtopologien aus der Industrieautomation (PROFINET-MRP) ist sinnvoll, bevor man sich festlegt.

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