SIP-Trunk

Ein SIP-Trunk ist der Anschluss einer Telefonanlage an einen SIP-Anbieter. Über eine Verbindung laufen mehrere Rufnummern und mehrere gleichzeitige Gespräche.

Definition

Der Begriff stammt nicht aus einer Norm, sondern aus der Vermarktung. Gemeint ist die Anbindung einer Telefonanlage an das Netz eines VoIP-Anbieters über SIP, im Gegensatz zur Anmeldung einzelner Endgeräte.

Die Entsprechung in der ISDN-Welt ist der Anlagenanschluss. Dort gab es eine Stammnummer mit Durchwahlen, hier einen Rufnummernblock über eine SIP-Verbindung. Der Unterschied zum Mehrgeräteanschluss bleibt derselbe: Beim Trunk verwaltet die Anlage die Zuordnung der Rufnummern, nicht der Anbieter.

Was einen SIP-Trunk ausmacht

Rufnummernblock mit Durchwahl. Der Anschluss erhält eine Stammnummer und einen Bereich von Durchwahlen. Welche Nebenstelle zu welcher Durchwahl gehört, entscheidet die Anlage.

Begrenzte Zahl gleichzeitiger Gespräche. Anders als bei ISDN ergibt sie sich nicht aus der Technik, sondern aus dem Vertrag. Sie wird als Sprachkanäle oder gleichzeitige Verbindungen bezeichnet und ist der Wert, der die Kosten bestimmt.

Als Anhaltspunkt für die Bandbreite: Ein Gespräch mit G.711 belegt rund 90 kbit/s je Richtung. Zehn gleichzeitige Gespräche brauchen also knapp 1 Mbit/s in jede Richtung, zuzüglich Reserve.

Eine Anmeldung für alle. Statt jedes Endgerät einzeln anzumelden, meldet sich die Anlage einmal an und verteilt intern.

Anmeldung oder feste Adresse

Zwei Verfahren sind verbreitet, und der Unterschied hat praktische Folgen.

Anmeldung mit Zugangsdaten. Die Anlage meldet sich wie ein Endgerät an. Funktioniert an jedem Anschluss, auch mit wechselnder IP-Adresse. Der Regelfall bei kleineren Anschlüssen.

Zuordnung über die IP-Adresse. Der Anbieter hinterlegt die feste Adresse der Anlage, eine Anmeldung entfällt. Robuster, weil keine Anmeldung verlorengehen kann, setzt aber eine feste öffentliche Adresse voraus.

Daraus folgt eine Einschränkung, die vor dem Vertragsabschluss zu klären ist: An einem Anschluss ohne eigene öffentliche IPv4-Adresse, also hinter CGNAT oder DS-Lite, scheidet das zweite Verfahren aus.

Rufnummernanzeige

Bei ausgehenden Gesprächen übermittelt die Anlage, welche Rufnummer angezeigt werden soll. Üblicherweise die Durchwahl der anrufenden Nebenstelle.

Soll eine Rufnummer übermittelt werden, die nicht zum Anschluss gehört, etwa die Zentrale eines anderen Standorts, spricht man von Übermittlung ohne Prüfung. Anbieter lassen das nur nach ausdrücklicher Freischaltung zu, weil sich damit Rufnummern vortäuschen ließen. Wird eine nicht freigegebene Rufnummer übermittelt, ersetzt der Anbieter sie oder weist das Gespräch ab.

Was in der Praxis Schwierigkeiten macht

NAT. Eine Anlage hinter einem Router hat dieselben Probleme wie ein einzelnes Endgerät, nur mit mehr Gesprächen gleichzeitig. Verbreitet ist deshalb ein Session Border Controller am Übergang, der Adressen umschreibt und den Medienstrom bündelt.

Registrierung geht verloren. Beim Trunk trifft es nicht ein Telefon, sondern die gesamte Anlage. Eine Überwachung der Anmeldung ist deshalb sinnvoller als bei einem Einzelanschluss.

Notruf. Die Standortangabe kommt bei IP-Telefonie nicht mehr aus der Leitung. Bei mehreren Standorten an einer Anlage ist sicherzustellen, dass ein Notruf mit dem richtigen Standort hinausgeht.

Faxe. Gelten am Trunk wie überall in der IP-Telefonie als unzuverlässig, sofern nicht das Verfahren nach T.38 auf allen Beteiligten unterstützt wird.

Abgrenzung

Ein Einzelanschluss meldet ein oder wenige Endgeräte mit einzelnen Rufnummern an. Die Zuordnung liegt beim Anbieter.

Ein Session Border Controller ist ein Gerät am Übergang zwischen zwei Netzen. Er wird häufig zusammen mit einem Trunk eingesetzt, ist aber nicht dasselbe.

Der klassische Anlagenanschluss über ISDN erfüllte denselben Zweck. In Deutschland ist er mit der Umstellung auf IP ausgelaufen.

Quellen

  • RFC 3261: SIP, Session Initiation Protocol
  • RFC 4904: Representing Trunk Groups in tel/sip Uniform Resource Identifiers
  • ITU-T T.38: Procedures for real-time Group 3 facsimile communication over IP networks

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