VoIP – Voice over IP
Abkürzung: VoIP
VoIP bezeichnet die Übertragung von Telefonaten über IP-Netze. In Deutschland ist es seit der Umstellung des Festnetzes der Regelfall.
Definition VoIP
Voice over IP fasst die Verfahren zusammen, mit denen Sprache über paketvermittelte Netze übertragen wird. An die Stelle einer durchgeschalteten Leitung tritt ein Strom einzelner Pakete, die sich den Weg mit allem anderen Verkehr teilen.
Der Begriff beschreibt keine einzelne Technik, sondern ein Zusammenspiel:
- Der Codec wandelt die Sprache in Daten und zurück.
- SIP baut das Gespräch auf und beendet es.
- SDP handelt aus, welcher Codec verwendet wird und wohin die Sprache geschickt werden soll.
- RTP überträgt sie.
Diese Aufteilung ist die wichtigste Eigenschaft von VoIP und Ursache der meisten Störungen. Signalisierung und Sprache nehmen getrennte Wege und können unabhängig voneinander scheitern. Ein Telefon, das klingelt, aber stumm bleibt, ist kein Widerspruch, sondern die Regel dieses Musters.
Der Unterschied zur leitungsvermittelten Telefonie
Im alten Festnetz wurde für die Dauer eines Gesprächs ein Kanal reserviert. Er stand ausschließlich zur Verfügung, unabhängig davon, ob gesprochen wurde. Die Qualität war dadurch gleichbleibend, die Auslastung schlecht.
Bei VoIP teilen sich Sprache und übriger Verkehr dieselbe Leitung. Das ist wirtschaftlicher, macht die Qualität aber von der Netzsituation abhängig. Drei Größen entscheiden darüber: Paketverlust, Laufzeitschwankung und Verzögerung.
Ein zweiter Unterschied betrifft die Stromversorgung. Ein analoges Telefon wurde aus der Leitung gespeist und funktionierte bei Stromausfall weiter. Ein IP-Anschluss braucht Strom für Router und Telefon. Fällt er aus, ist auch der Notruf nicht mehr erreichbar.
Ein dritter betrifft den Standort. Im alten Netz war die Leitung ortsfest, daraus ergab sich die zuständige Leitstelle bei einem Notruf. Bei VoIP ist der Anschluss nicht mehr an einen Ort gebunden, weshalb die Standortangabe hinterlegt werden muss.
Die Umstellung in Deutschland
Die Deutsche Telekom hat ihr Festnetz zwischen 2014 und 2018 auf IP umgestellt, andere Anbieter zogen nach. Analoge Anschlüsse und ISDN sind seither nicht mehr verfügbar, bestehende wurden umgestellt.
Für Endkunden änderte sich zunächst wenig, weil der Router die Umsetzung übernimmt. Analoge Telefone lassen sich weiter anschließen, die Rufnummer bleibt.
Spürbar wurde die Umstellung dort, wo Zusatzgeräte an der Leitung hingen: Faxgeräte, Notrufsysteme, Alarmanlagen, Aufzüge, Türsprechstellen und Frankiermaschinen. Diese Geräte setzen teils auf Eigenschaften der alten Leitung, die es nicht mehr gibt.
Wo VoIP heute überall steckt
- Festnetzanschluss. Der Router meldet sich beim Anbieter an, angeschlossene Telefone merken davon nichts.
- Telefonanlagen. Über einen SIP-Trunk an den Anbieter angebunden.
- Mobilfunk. VoLTE und VoWiFi nutzen dieselben Protokolle.
- Unternehmenskommunikation. Konferenzdienste und Softphones.
In allen Fällen laufen SIP und RTP, auch wenn die Bezeichnung eine andere ist.
Abgrenzung
Gespräche über Nachrichtendienste nutzen ebenfalls IP, aber eigene Protokolle und eigene Infrastruktur. Sie sind nicht über eine Rufnummer erreichbar und mit dem Telefonnetz nicht verbunden.
All-IP bezeichnet die Umstellung des gesamten Netzes auf IP, nicht nur der Telefonie.
Fax über IP ist ein eigenes Thema, weil Faxsignale auf verlustbehaftete Codecs empfindlich reagieren.
Quellen
- RFC 3261: SIP, Session Initiation Protocol
- RFC 3550: RTP, A Transport Protocol for Real-Time Applications
- ITU-T G.114: One-way transmission time
- Bundesnetzagentur: Veröffentlichungen zur Umstellung auf IP-basierte Anschlüsse