WINS (Windows Internet Name Service)

Abkürzung: WINS

Einordnung

WINS ist Microsofts Implementierung des NetBIOS Name Server (NBNS) nach RFC 1001 und 1002. Der Dienst löste ein Problem der frühen Windows-Netzwerke: NetBIOS-Namen wurden per Broadcast aufgelöst, und Router leiten Broadcasts nicht weiter. Ein zentraler WINS-Server beantwortet Namensanfragen per Unicast und macht NetBIOS-Namen damit über Subnetzgrenzen hinweg auflösbar. Seit Active Directory übernimmt DNS die Namensauflösung in Windows-Netzen; WINS ist eine Legacy-Technologie für Umgebungen mit verbliebenen NetBIOS-Abhängigkeiten.

NetBIOS over TCP/IP

WINS setzt NetBIOS over TCP/IP (NetBT) voraus, das die NetBIOS-Dienste auf drei Ports abbildet:

PortDienstFunktion
UDP 137NetBIOS Name Service (NBNS)Namensauflösung, von WINS genutzt
UDP 138NetBIOS Datagram ServiceVerbindungslose Datagramme
TCP 139NetBIOS Session ServiceSitzungen, klassisches SMB

Ein NetBIOS-Name ist 16 Byte lang: 15 Zeichen Name plus ein Suffix-Byte, das den Dienst kennzeichnet. Wichtige Suffixe sind 00 (Workstation), 20 (File Server), 1B (Domain Master Browser) und 1C (Domänencontroller). Derselbe sichtbare Name kann deshalb mehrfach in der WINS-Datenbank stehen. Modernes SMB läuft direkt über TCP 445 und benötigt weder NetBIOS-Session noch WINS.

Funktionsweise

Clients registrieren ihre NetBIOS-Namen beim Start dynamisch beim WINS-Server und erneuern die Registrierung innerhalb eines Erneuerungsintervalls; abgelaufene Einträge werden automatisch entfernt. Zur Auflösung fragt der Client den WINS-Server direkt, statt einen Broadcast zu senden. Als weitere Quellen kennt NetBT Broadcasts, die lokale Datei LMHOSTS und statische Einträge.

Die Reihenfolge dieser Methoden bestimmt der Knotentyp:

TypVerhalten
B-Nodenur Broadcast
P-Nodenur WINS
M-Nodeerst Broadcast, dann WINS
H-Nodeerst WINS, dann Broadcast

In WINS-Umgebungen ist der H-Node üblich. WINS-Server (DHCP-Option 44) und Knotentyp (Option 46) werden typischerweise per DHCP verteilt.

Replikation

Mehrere WINS-Server gleichen ihre Datenbanken über Replikationspartnerschaften ab. Bei der Push-Replikation meldet ein Server Änderungen ab einem Schwellenwert an den Partner, bei der Pull-Replikation holt ein Server Änderungen in festen Intervallen ab. In der Praxis wurden Partner meist als Push/Pull-Kombination konfiguriert.

Abgrenzung zu DNS

WINS und DNS lösen beide Namen in IP-Adressen auf, arbeiten aber mit getrennten Namensräumen: NetBIOS-Namen sind flach und auf 15 Zeichen begrenzt, DNS-Namen hierarchisch. FILESERVER und fileserver.example.com können auf dieselbe Adresse zeigen, sind aber unabhängige Einträge in unabhängigen Systemen. Active Directory setzt DNS zwingend voraus, unter anderem für die Locator-Funktion über SRV-Records; WINS kann diese Rolle nicht übernehmen.

Heutige Bedeutung

Für neue Netze ist WINS nicht erforderlich; Microsoft stuft den Dienst als veraltet ein und empfiehlt DNS. Für die lokale Auflösung ohne Server sind LLMNR und mDNS an die Stelle der NetBIOS-Broadcasts getreten. WINS begegnet einem noch in gewachsenen Umgebungen mit alten Anwendungen, NAS-Systemen oder Industriekomponenten, die NetBIOS-Namensauflösung voraussetzen. Da die Ports UDP 137/138 und TCP 139 ein bekanntes Angriffsziel sind, gehören sie an Netzgrenzen blockiert. Bei Migrationen gilt: verbliebene NetBIOS-Abhängigkeiten identifizieren und ablösen, WINS nicht neu einführen.

Weblinks

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