POF konfektionieren und verlegen

Cutter, Einzugsfeder, und ein tiefer Dosenrahmen: Was man braucht, um Polymerfaser durch die vorhandene Elektroinstallation zu bringen – und was man dabei alles falsch machen kann.

Ausgangslage

Der Hauptgrund, POF-Kabel statt Cat-Kabel zu verlegen, ist die Verarbeitung: Die Faser wird mit einem Klingenschneider abgelängt und ohne Stecker in den Port geschoben. Kein Spleißgerät, kein Poliersatz, kein Crimpwerkzeug, kein Messgerät notwendig. Dieser Guide beschreibt, was tatsächlich gebraucht wird, wie die Faser durch Leerrohre, Fußleisten und Wände kommt, wie die Dose montiert wird – und die fünf Fehler, die fast alle Installationsprobleme verursachen.

Er gilt für das POF-Heimnetz mit 2,2-mm-Duplex-POF und steckerlosen Ports. Industrie-Steckverbinder (SC RJ, Versatile Link, F-SMA) verhalten sich nochmal anders.

Werkzeug und Material

Für eine komplette Installation reichen fünf Dinge:

  • POF-Cutter – eine Klinge in einer Führung, die die Faser rechtwinklig trennt. Seitenschneider, Cuttermesser und Schere quetschen den Kern und erzeugen eine schräge, raue Stirn. Der Cutter ist das einzige Spezialwerkzeug und liegt jedem Starterset bei; einzeln kostet er im Elektronikversand einen niedrigen zweistelligen Betrag. Der verbreitete Firecomms-Cutter für 2,2-mm-Simplex und -Duplex ist als Einwegwerkzeug für eine begrenzte Zahl von Schnitten ausgelegt – die Klinge ist vollständig gekapselt und lässt sich nicht wechseln. Wird die Stirn trotz korrekter Handhabung rau, ist die Klinge stumpf: neuen Cutter nehmen, nicht nachdrücken. Für Betriebe gibt es die Guillotine-Bauform mit Edelstahlklinge (z. B. Lapp POF Cutter 2.2/1.0 mm) mit Führungsbohrungen für Faser mit Mantel und für die nackte 1-mm- oder 0,75-mm-Faser nach IEC 60793-2-40 (Kategorien A4a und A4b).
  • Absetzwerkzeug – zum Entfernen des Mantels auf die vom Port vorgegebene Länge, ohne den 1-mm-Kern zu ritzen. Ein normaler Abisolierer für 1,5 mm² tut es bei vorsichtiger Einstellung auch; die Klinge darf den Kern nicht berühren.
  • Einzugsfeder oder Einziehdraht – für belegte Leerrohre.
  • Isolierband – um die Faser stumpf an die Feder zu binden, nie mit Knoten.
  • Lupe oder Handykamera mit Makro – zur Kontrolle der Faserstirn.

Das Kabel: Duplex-POF mit zwei 1-mm-Fasern, Gesamtdurchmesser etwa 2,2 mm, eine Ader gekennzeichnet (Farbstreifen oder Aufdruck). Für Gigabit und Fast Ethernet wird dieselbe Faser verwendet; die Geschwindigkeitsklasse legen Konverter und aktive Dose fest. Wer einzieht, zieht zwei Duplexkabel – die Reserve kostet ein paar Euro, der zweite Einzug kostet einen weiteren Nachmittag.

Verlegewege

Leerrohr der Elektroinstallation. Der Königsweg. Die Rohre der 230-V-Installation erreichen jeden Raum, und ein 2,2-mm-Kabel passt neben drei oder fünf Adern NYM in ein M20-Rohr, wo ein Cat-Kabel mit RJ45-Stecker keine Chance hat. Die Verlegung im selben Rohr wie Netzspannung ist bei POF-Netzwerken zulässig, weil die Faser keinen elektrischen Leiter enthält: Es gibt keine galvanische Verbindung, keine Berührungsspannung und keine Einkopplung – die Trennungsregeln zwischen Stark- und Schwachstrom betreffen elektrische Leiter, und die Faser ist keiner. Das Kabel sollte für Innenräume und die Verlegung neben Netzleitungen freigegeben sein (Mantel PVC oder halogenfrei, Angabe im Datenblatt).

Vorgehen: Faser mit Isolierband an die Spitze der Einzugsfeder binden, so dass keine Kante vorsteht, und mit der Feder durchziehen. Nie an der Faser selbst ziehen; die Zugkraft ist auf die Feder zu geben, die Faser läuft mit. Bei Widerstand nicht reißen, sondern von der anderen Seite schieben oder das Rohr mit Gleitmittel versehen. Bei Rohren mit mehreren Bögen lohnt es, die Feder erst leer durchzuschieben.

Fußleiste und Sockelleistenkanal. Die zweite Wahl im Altbau ohne Rohre: 2,2 mm verschwinden hinter jeder Leiste. An Türen wird die Faser unter der Schwelle geführt oder oben über den Rahmen – nicht im Falz, wo die Tür sie quetscht.

Kabelkanal. Für Aufputz im Büro und in der Werkstatt. Die Faser darf zusammen mit Netzleitungen im Kanal liegen, sollte aber nicht unter schwere Kabel geraten, die sie beim Verlegen quetschen.

Bohrung durch die Wand. Ein 6-mm-Loch reicht für ein Duplexkabel aus; beide Seiten entgraten oder ein Stück Rohr einsetzen, damit die Faser nicht auf einer scharfen Betonkante liegt.

Hohlraumwand. In Gipskarton wird die Faser wie eine Leitung eingeführt; Hohlraum-Unterputzdosen nehmen die aktive Datendose auf, die Tiefe muss passen.

Zusammen mit Glasfaser oder Cat. Im selben Rohr oder Kanal problemlos. Nur die Zugkraft beim gemeinsamen Einzug beachten: Die POF ist das schwächste Kabel im Bündel.

Regeln für die Strecke

  • Biegeradius mindestens 25 mm, die Schlaufe also mindestens 5 cm breit. Als Daumenregel: Die Faser muss sich locker um eine 0,33-l-Getränkedose legen lassen (66 mm Durchmesser) – wird die Schlaufe enger als die Dose, ist sie zu eng. Das gilt auch in der Dose und hinter dem Konverter.
  • Keine festen Kabelbinder. Klettband oder locker gesetzte Binder; jede Einschnürung ist eine Störstelle.
  • Kein Zug auf der Faser – weder beim Einzug noch dauerhaft. Die Faser hängt entlastet, nie an ihrem eigenen Gewicht.
  • Abstand zu Wärme. PMMA erweicht ab etwa 70 °C. Heizungsrohre, Halogen-Einbaustrahler, Ofenrückwände meiden; Verlegung dicht neben Heizleitungen im Estrich ist ein Risiko.
  • Kein UV. Im Freien nur im Rohr. Der Mantel ist selten UV-stabil, und PMMA vergilbt.
  • Länge vorher ausmessen. Gigabit bis 50 m, Fast Ethernet deutlich weiter. Mit vielen Bögen und nachgeschnittenen Enden bei Gigabit besser 40 m als Planungsgrenze.
  • Reserve in jeder Dose. Eine Schlaufe von 20 bis 30 cm, im zulässigen Radius gelegt, erlaubt drei- bis viermaliges Nachschneiden über die Lebensdauer.

Konfektionieren

Bei steckerlosen Ports (Gigabit-Konverter und -Dosen, OptoLock-artige Verschlüsse) besteht die Konfektionierung aus drei Schritten:

  1. Ablängen. Faser mit dem POF-Cutter rechtwinklig schneiden, ein sauberer Schnitt pro Ader. Die Schnittstelle nicht mehr berühren.
  2. Absetzen. Mantel auf die Länge entfernen, die der Port vorgibt – meist 8 bis 12 mm, im Handbuch des Konverters angegeben. Der Kern darf dabei nicht angeritzt werden; ein Kratzer im Kern ist eine Dämpfungsstelle.
  3. Einführen und verriegeln. Beide Adern bis zum Anschlag in den Port schieben, Verriegelung schließen. Die Faserstirn muss bündig auf der Kontaktfläche sitzen. Zuordnung beachten: Die gekennzeichnete Ader liegt auf der einen Seite am Sende-, auf der anderen am Empfangsport – sonst leuchtet alles rot, und es gibt keinen Link.

Bei Fast-Ethernet-Systemen mit SMI-Stecker kommt ein Schritt hinzu: Die abgesetzte Faser wird in den zweiteiligen Stecker eingelegt, der Stecker geschlossen, dann die überstehende Faser bündig an der Steckerstirn abgeschnitten. Auch hier: kein Polieren, kein Kleben.

Die Stirn unter der Lupe prüfen: gleichmäßig matt, ohne Riss, ohne hellen Rand, ohne Mantelrest. Sieht sie nicht so aus, 1 cm zurückschneiden und wiederholen. Nach dem Einstecken zeigt der Blick auf das ferne Ende, ob Licht ankommt.

Dose montieren

Die aktive POF-Datendose ist ein Medienkonverter im Schalterprogramm-Format und braucht zwei Dinge, die eine Netzwerkdose nicht braucht: 230 V und Einbautiefe.

Unterputz. Die Dose braucht eine tiefe Unterputzdose (mindestens 60 mm), weil der Konverter mit Faserschlaufe hinter der Abdeckung Platz benötigt. Die 230-V-Zuleitung kommt meist aus der benachbarten Steckdose: Abzweig mit Steckklemmen in der Dose, verlegt vom Elektriker. Die Faser wird in der Dose mit weitem Bogen zum Konverter geführt.

Aufputz über der vorhandenen Steckdose. Der Trick für den Altbau ohne tiefe Dose: Die vorhandene Schuko-Steckdose bleibt in ihrer Unterputzdose, darüber kommt ein zweifacher Aufputzrahmen, der nach hinten offen ist. Die Steckdose sitzt weiter in der Wand, die POF-Datendose sitzt daneben im Aufputzrahmen vor der Wand, wo ihre Tiefe keine Rolle spielt. Die Faser kommt durch das Leerrohr, in dem auch die 230-V-Adern liegen, in die Unterputzdose und von dort in den Rahmen; die 230 V für den Konverter werden mit Steckklemmen abgezweigt. Aus einer Steckdose wird eine Kombination Strom plus Netzwerk, ohne Stemmen. Homefibre beschreibt das für die Schalterprogramme Berker Arsys und Q.1 (zweifacher Aufputzrahmen, Zentralstück für UAE-Steckdose, Abdeckrahmen wahlweise für waagerechte oder senkrechte Montage) und bietet einen Bausatz mit Gira-Aufputzgehäuse im System 55 für die Einzeldose. Bei senkrechter Montage gehört die Datendose nach oben.

Aufputz ohne Steckdose. Ein Aufputzgehäuse mit ausreichender Tiefe (Gira 1061/1062 03 oder vergleichbar) nimmt die Dose allein auf; 230 V müssen dann separat herangeführt werden.

Hutschiene und Tischgerät. Im Verteiler und hinter dem Schreibtisch entfällt die Dosenfrage; der Konverter wird gesteckt oder aufgerastet, das Netzteil daneben.

Die fünf Fehler

  1. Seitenschneider statt POF-Cutter. Gequetschte Stirn, Link kommt nicht oder flackert. Nachschneiden.
  2. Fasern vertauscht. Rotlicht an beiden Enden, kein Link. Eine Seite tauschen.
  3. Knick beim Einzug. Faser an der Feder verknotet oder über eine Kante gezogen; die Störstelle bleibt. Betroffenes Stück ersetzen.
  4. Kabelbinder zu fest. Mikrobiegung an jeder Schelle, Dämpfung summiert sich. Lösen.
  5. Keine Reserve gelassen. Beim ersten Nachschneiden ist die Faser zu kurz. Vorher Schlaufe legen.

Nach der Verlegung

Vor dem Verschließen: beide Enden konfektioniert, Rotlicht kommt an beiden Enden an, Link-LED an beiden Geräten, Durchsatz einmal mit iPerf3 oder einer großen Datei geprüft. Wer eine Strecke nahe 50 m gebaut hat oder das Netz für einen Kunden dokumentieren muss, misst die Dämpfung mit Quelle und Leistungsmesser und notiert den Wert – als Referenz für später.

Quellen

  • Homefibre Digital Network GmbH: POF-Netzwerk-Nachrüstung: Aufputzmontage, 8.9.2022 (Aufputzlösungen mit Berker Arsys, Berker Q.1, Gira System 55; Stücklisten)
  • Homefibre Digital Network GmbH: FTTH – Polymer-Glasfaser im Haus, März 2026 (Komponenten, Verlegebeispiele)
  • U.I. Lapp GmbH: Kurzanleitung PROFIBUS Optical Link Module (Absetzlängen, Konfektionierung ohne Polieren)
  • Phoenix Contact: Datenblatt FL IF 2POF SCRJ-D (Reichweite mit Systemreserve)
  • Firecomms: POF Cutter PC220F-410, Datenblatt (Einwegwerkzeug für 2,2-mm-POF, OptoLock)
  • U.I. Lapp GmbH: Datenblatt POF Cutter 2.2/1.0 mm Guillotine, Art. 29500014 (07/2018)

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